PTA-Forum online

Tage, um Kraft zu tanken

16.12.2013  16:39 Uhr

Brigitte M. Gensthaler, München / Anfang Oktober verbrachte eine Gruppe von 40 Personen – Demenzerkrankte und ihre Partner, Begleitpersonen und Betreuer – eine Ferienwoche am Staffelsee. PTA-Forum sprach mit Projektleiter Tobias Bartschinski von der Alzheimer-Gesellschaft München.

PTA-Forum: Welches Resümee ziehen Sie nach dieser Woche? Hat sich der Aufwand gelohnt?

Bartschinski: Auf jeden Fall. Wir haben für die Menschen erreicht, dass sie aus ihrem Alltag herauskommen, neue Leute kennenlernen, ungezwungene Gespräche führen und sich als Paar in einem anderen Rahmen begegnen können. Die Woche war geprägt von posi­tiver Stimmung und einem respekt­vollen Umgang miteinander.

PTA-Forum: Welches Erlebnis fanden Sie besonders eindrucksvoll?

Bartschinski: Ich hatte das Gefühl, mit einer ganz normalen Gruppe unterwegs zu sein, die im Alpenvorland eine Auszeit nimmt. Jeder übernahm nach seinen Fähigkeiten Aufgaben und brachte sich ein, ohne dass die Demenz eine vordergründige Rolle spielte. Das eindrucksvollste findet aber oft nach der Reise statt. So hat sich ein Briefkontakt zwischen einer demenzerkrankten Frau in München und einem Paar in Frankreich entwickelt, ohne dass eine direkte Verständigung aufgrund der Sprachbarrieren möglich war. So intensiv kann eine Begegnung auch ohne Worte sein.

PTA-Forum: Die Gruppe wurde im Murnauer Rathaus und vom französischen Generalkonsul Emmanuel Cohet in München empfangen. Welche Bedeutung haben solche Empfänge?

Bartschinski: Beides waren besondere Programmpunkte, da wir Orte sahen, die sonst verschlossen bleiben. Aber das Wichtigere für alle Beteiligten ist die damit ausgedrückte Anerkennung für das Projekt und die Bereitschaft, dem Thema Demenz zu begegnen und die Situation der Betroffenen ernst zu nehmen.

PTA-Forum: Enge Angehörige von Demenzkranken tragen eine große Verantwortung und kommen oft an ihre Grenzen. Was bringt ihnen eine einzelne Ferienwoche?

Bartschinski: Diese paar Tage holen Angehörige wie auch Betroffene aus dem Alltag heraus. Die Verantwortung ist auf mehrere Schultern verteilt und der Tag wird organisiert. Somit bleibt Zeit zum Entspannen, für den Partner und für intensive Gespräche unter Gleichbetroffenen. Es sind einfach Tage, um Kraft zu tanken und zu wissen: Der Partner ist in der Nähe und gut aufgehoben.

PTA-Forum: Werden Sie das Projekt »Begegnung ohne Grenzen« fortsetzen?

Bartschinski: Das wäre sehr wünschenswert! Es gibt schon Überlegungen für 2014, wobei die Finanzierung noch geklärt werden muss. 2013 hatten wir das Glück, von der Robert-Bosch-Stiftung, dem SZ-Adventskalender, einem Rotary Club und der Bank »Credit Cooperatif d’Avignon« unterstützt zu werden. Wir sind op­timistisch, dass das Projekt weiterhin Beachtung und Unterstützer findet. Denn wir wollen noch mehreren Betroffenen eine Auszeit ermöglichen. /