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Testosteron nicht unkritisch einsetzen

16.12.2013
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Von Annette Immel-Sehr / Der Anti-Aging-Trend hat auch die Männer erreicht. Testosteron gilt vielfach als ideale Substanz, um das Altern aufzuhalten. Das Geschlechtshormon erhöht nicht nur die Libido, sondern wirkt sich auch positiv auf die Muskel- und Knochenmasse sowie den Stoffwechsel aus. Doch der unkritische Einsatz kann gefährlich sein, wie eine US-amerikanische Studie zeigte.

Vor wenigen Jahren gab es erste Hinweise, dass eine Testosteron-Substitution bei älteren Männern das kardiovaskuläre Risiko erhöht. Im Jahr 2010 musste die sogenannte TOM (Testosterone in Older Men)-Studie vorzeitig abgebrochen werden, weil nach täglicher Anwendung eines Testosteron-Gels für den Zeitraum von sechs Monaten bei Über-65-jährigen Männern deutlich mehr kardiovaskuläre Ereignisse eintraten als in der Placebo-Gruppe.

Dies nahmen Forscher zum Anlass, der Frage weiter nachzugehen. Wissenschaftler werteten in einer retrospektiven Studie die Krankenakten von insgesamt 8709 US-Veteranen mit erniedrigten Testosteronspiegeln aus, die zudem zahlreiche Begleiterkrankungen aufwiesen. Etwa ein Siebtel dieser Männer war mit Testosteron behandelt worden. Es zeigte sich, dass unter Testosteron-Substitution mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle aufgetreten waren als bei Männern, die das Geschlechtshormon nicht anwendet hatten: Die Rate betrug 26 Prozent bei den Männern mit Substitution und 20 Prozent bei denen ohne Substitution. Auch die Gesamtsterblichkeit war unter der Substitutionstherapie angestiegen.Dieser Befund gibt Anlass, über den Einsatz von Testosteron bei älteren Männern neu nachzudenken. Da die Aussagekraft der retrospektiven Studie allerdings begrenzt ist, braucht es prospektive randomisierte Studien, um das Risiko wirklich einschätzen zu können. Vor allem ist zu prüfen, wie sich die Testosteron-Substitution auf Männer mit Vorerkrankungen auswirkt. /

Quelle: JAMA