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Lactat und Lactatdehydrogenase

Unspezifisch, aber wichtig

16.12.2013  16:39 Uhr

Von Peter Findeisen / Lactat ist ein wichtiges Zwischenprodukt bei der Energiegewinnung der Zellen. Das Enzym Lactatdehydrogenase verstoffwechselt es weiter, sodass die Zellen optimal mit Energieträgern versorgt sind. Ist im Blut einer der beiden Werte erhöht, kann dies auf eine schwerwiegende Organerkrankung hinweisen. Auch Sportmediziner nutzen die Lactatbestimmung, um den Trainingszustand der Muskulatur zu beurteilen.

Viele Zellen des Körpers decken ihren Energiebedarf vor allem durch die Verbrennung von Zucker (Glucose). Für die Aufnahme der Glucose aus dem Blut in die Zellen ist in vielen Geweben Insulin erforderlich. Im Inneren der Zelle erfolgt dann die Verwertung der Glucose, die sogenannte Glykolyse. Ist die Zelle ausreichend mit Sauerstoff versorgt, verläuft die Glucoseverbrennung vollständig bis zu den Endprodukten Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O). Dabei entsteht das energie­reiche Substrat Adenosintriphosphat (ATP).

Biochemiker bezeichnen diesen Abbauweg als aerobe Glykolyse. Für die Glykolyse benötigen die Zellen zahlreiche Enzyme, unter anderem die Lactatdehydrogenase (LDH). Da alle Körperzellen Glykolyse betreiben können, findet sich LDH in allen Organen und Geweben. Es besteht somit keine Organ- oder Gewebespezifität der LDH. Herrscht allerdings Sauerstoffmangel in der Zelle, so ist die Verbrennung der Glucose unvollständig und führt nur zu dem Zwischenprodukt Lactat. Die Energieausbeute bei dieser sogenannten anaeroben Glyko­lyse ist deutlich geringer. Außerdem senkt Lactat als Salz der Milchsäure den pH-Wert der Zellen. Dies führt zur Übersäuerung des Gewebes, die auch als Acidose bezeichnet wird.

Organschaden erkennen

Bei jeder Zellschädigung gelangen Zell­inhalts­stoffe in das Blut. Da die LDH-Konzentration in den Zellen normalerweise höher ist als im Blut, steigt der LDH-Wert im Blut bei Zelluntergang je nach Ausmaß der Organschädigung deutlich an. Mediziner nutzen die LDH-Bestimmung daher häufig bei Verdacht auf eine Gewebeschädigung. Zahlreiche Erkrankungen können den LDH-Wert erhöhen, da LDH in vielen Organen vorkommt. So steigt die LDH-Konzentration unter anderem an bei Herzinfarkt, hämolytischer Anämie, zum Beispiel durch Malaria sowie bei Tumor-, Muskel- und Lebererkrankungen. Zur weiteren Abklärung ist dann in der Regel eine weiterführende Diagnostik erforderlich. Liegt der LDH-Wert im Normbereich, können Ärzte eine größere Organschädigung sicher ausschließen.

Energiegewinnung gestört

Steigt die Lactatkonzentration im Blut, ist dies oft ein Zeichen dafür, dass die Energiegewinnung in einem Gewebe gestört ist. Als möglicher Grund kommt eine sprunghafte Steigerung des Energiebedarfs infrage – beispielsweise während eines 200-Meter- Sprints. Aber auch eine verminderte Blutzufuhr (Ischämie) kann zur Anreicherung von Lactat führen. Bei Ischämie wird Gewebe mit weniger Sauerstoff versorgt. Die Zellen sind dann gezwungen, ihren Energiebedarf über die anaerobe Glykolyse zu decken.

Der Lactatwert ist vor allem auf Intensiv­stationen eine wichtige Messgröße. Mediziner messen den Wert fast nur bei Patienten mit schweren Er­krankungen, für die eine verminderte Blut- beziehungsweise Sauerstoffversorgung von Organen typisch ist. Hierzu gehören die Lungenembolie, die Minderdurchblutung des Darms (Darm­ischämie), die Herzinsuffizienz oder ein Kreislaufzusammenbruch («Schock«).

Referenzwerte

Lactat: Plasma: 5–20 mg/dl*

*Umrechnungsfaktor: mg/dl x 0,111 = mmol/l

LDH: < 250 U/l

Sportmediziner bestimmen den Lactatwert mit einem ganz anderen Ziel: um das Training von Ausdauer- und Leistungssportlern zu verbessern. Ein optimal trainierter Muskel erzeugt unter Belastung deutlich weniger Lactat, da der Körper die Blutversorgung des Muskels angepasst hat. Zum einen bildet er vermehrt Kapillaren, zum anderen pumpt das Herz mehr Blut. Im Gegensatz dazu steigt bei schlechtem Trainingszustand der Lactatgehalt im Blut unter Belastung deutlich schneller und höher.

Probe direkt untersuchen

Für die Lactatmessung müssen Labormediziner die Blutprobe sofort nach der Entnahme untersuchen. Denn die roten Blutkörperchen, die ihren Energiebedarf nur durch Glykolyse decken, könnten andernfalls das Ergebnis verfälschen, indem sie Lactat abgeben. Falls eine sofortige Untersuchung nicht möglich ist, muss der Blutprobe ein Stabilisator zugegeben werden. Labormediziner verwenden hier häufig Natriumfluorid, das die Glykolyse der Erythrozyten verhindert und damit eine nachträgliche Anhäufung von Lactat unterbindet.

Bei manchen Tumorpatienten steigt während einer Chemotherapie oder Bestrahlung zeitweise der LDH-Wert stark an.

Eine fehlerhafte Blutabnahme, die zum Platzen der Erythrozyten führt (Hämolyse), verursacht falsch hohe Messwerte bei der LDH-Bestimmung, da die roten Blutkörperchen sehr viel LDH enthalten./

E-Mail-Adresse des Verfassers
Peter.Findeisen(at)umm.de