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Ataluren verfügbar

15.12.2014
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Von Sven Siebenand / Anfang Dezember kam mit Ataluren (Translarna™, PTC Therapeutics International Limited) ein Orphan Drug für bestimmte Patienten mit Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) auf den Markt. Bei dieser fortschreitenden Muskel­erkrankung wird das Muskelprotein Dystrophin fehlerhaft gebildet oder fehlt ganz. Die Lebenserwartung der Betroffenen liegt in der Regel nur bei 20 bis 30 Jahren.

Dystrophin ist für die strukturelle Stabilität der Skelett-, Zwerchfell- und Herzmuskulatur wichtig. Bereits im Alter von 10 bis 14 Jahren verlieren viele Betroffene ihre Gehfähigkeit und leiden schon im jungen Lebensalter an lebensbedrohlichen Lungen- und Herzkomplikationen. Bei schätzungsweise rund einem Achtel der Patienten ist eine sogenannte Nonsense-Mutation die Ursache für die DMD. Diese führt mitten im Gen dazu, dass der Ablesevorgang bei der Biosynthese des Proteins Dystrophin frühzeitig unterbrochen wird, bevor ein Protein in voller Länge produziert ist. Das Dystrophin-Bruchstück ist funktionslos. Ataluren sorgt dafür, dass das Gen in Gänze abgelesen wird, indem es das sogenannte Stop­codon verdeckt. Der Wirkstoff ist daher für die Behandlung der DMD-Patienten im Alter ab fünf Jahren zugelassen, die infolge einer solchen Nonsense-Mutation noch gehfähig sind. Bei nicht gehfähigen Patienten erwies sich der neue Arzneistoff als unwirksam.

Ataluren ist als Granulat erhältlich, das die Patienten mit einer Flüssigkeit oder mit halbfester Nahrung, etwa Joghurt, mischen und dreimal täglich einnehmen sollen. In der Fachinformation rät der Hersteller morgens und mittags zu einer Dosis von 10 mg/kg Körpergewicht und abends zu 20 mg/kg Körpergewicht. Wird die Mischung im Kühlschrank bei 2 bis 8 Grad Celsius aufbewahrt, müssen die Patienten sie innerhalb von 24 Stunden einnehmen, bei Lagerung bei Raumtemperatur zwischen 15 und 30 Grad Celsius innerhalb von drei Stunden.

Ärzte sollten bei Patienten, denen sie das neue Präparat verordnen, die Nierenfunktion und die Blutfettwerte engmaschig überwachen, das gilt insbesondere für Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörung. Nimmt der Patient zusätzlich ein Corticoid ein, sollte auch der Blutdruck regelmäßig gemessen werden. Als unerwünschte Wirkungen traten unter Ataluren-Therapie sehr häufig Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen auf. Der Arzt darf den Wirkstoff nicht gleichzeitig mit Antibiotika der Klasse der Aminoglykoside kombinieren, wenn er diese intravenös injiziert. Der Grund hierfür ist, dass Ataluren die nierentoxische Wirkung dieser Antibiotika potenzieren kann.

Vorsicht bei Kombinationen

Laut Fachinformation ist Vorsicht geboten, wenn der Arzt Ataluren gleichzeitig mit sogenannten UGT1A9-Induktoren wie Mycophenolat-Mofetil oder BCRP-Hemmern wie Ciclosporin einsetzen will. Die Kombination kann sich auf die Wirksamkeit von Ataluren auswirken. Andersherum kann der neue Wirkstoff auch die Pharmakokinetik anderer Arzneistoffe verändern, zum Beispiel von Oseltamivir, Aciclovir, Ciprofloxacin, Captopril, Furosemid, Valsartan, Pravastatin, Rosuvastatin, Atorvastatin und Pitavastatin. Bei der Kombination mit Ataluren ist daher auch in diesen Fällen Vorsicht geboten.

Außerdem empfiehlt der Hersteller vorsichtshalber, Schwangeren kein Ataluren zu verordnen; Stillende sollen das Stillen während der Behandlung unterbrechen.

Die europäische Arzneimittelagentur EMA hat Ataluren »unter Auflagen« zugelassen. Das heißt, dass der Hersteller weitere Nachweise zur Wirksamkeit und Sicherheit des Arzneistoffes liefern muss. Die EMA wird jährlich neue Informationen prüfen und gegebenenfalls die Fach- und Gebrauchsinformation des Präparates aktualisieren. /