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Blutdrucktherapie kein Selbstläufer

15.12.2014
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Von Elke Wolf / Bewohner von Altenpflegeheimen nehmen gegen ihre Hyper­tonie oft zu viele Medikamente ein, darunter auch bedenkliche Arzneistoffe. Zu diesem Ergebnis kam ein Mediziner-Team um Professor Dr. Reinhold Kreutz von der Charité in Berlin.

Die Wissenschaftler dokumentierten bei 90 Prozent der Bewohner von zwölf vollstationären Pflegeeinrichtungen in Berlin eine arterielle Hypertonie. Die meisten der im Durchschnitt 84 Jahre alten Bewohner bekamen dagegen Anti­hypertensiva.

Um festzustellen, ob die angestrebten Zielwerte durch die Therapie erreicht wurden, kontrollierte das Mediziner-Team ein halbes Jahr lang dreimal täglich die Blutdruckwerte der Senioren. Dabei stellten sie fest, dass in den wenigsten Fällen der Blutdruck optimal eingestellt war. So hatten etwa 30 Prozent der Senioren einen systolischen Blutdruck über 140 mm Hg. Doch sollte der obere systolische Wert bei Über-80-Jährigen niedriger liegen. Mit rund 34 Prozent noch größer war der Anteil der Bewohner, deren systolischer Wert unter 120 mm Hg lag. Bei jüngeren Menschen ist dies ein idealer systolischer Wert, bei Hochbetagten ist er zu niedrig, erklärt Kreutz, Leiter des Instituts für Klinische Pharmakologie und Toxikologie.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler liegen die zu niedrigen Werte an einer Übertherapie. Mehr als 30 Prozent der Bewohner nahmen eine Dreifachkombination gegen ihren hohen Blutdruck ein, bei rund 10 Prozent kamen sogar vier oder noch mehr Wirkstoffe zum Einsatz. Neben der Anzahl der Antihypertensiva sieht Kreutz auch deren Auswahl problematisch: In mehr als 60 Prozent der Fälle erhielten die Patienten harntreibende Diuretika, also eine Arzneistoffgruppe, die im Alter durchaus problematisch sein kann. Denn wenn die Betroffenen zu wenig trinken, kommt es häufig zu einem Volumenmangel in den Gefäßen und zu Elektrolytstörungen. Verwirrtheit und kognitive Störungen können die Folgen sein. Kreutz fordert seine Kollegen dazu auf, den Blutdruck nach Beginn der Therapie längerfristig zu kontrollieren. /

Quelle: Deutsche Medizinische Wochenschrift