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Freiwilliges Engagement

Glücklich im Un-Ruhestand

15.12.2014
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Von Diana Haß / Wer rastet, der rostet. Das ist weitaus mehr als ein geflügeltes Wort. Zahlreiche Studien belegen: Zum gesunden Altern gehört es, dass Menschen eingebunden sind, sich nützlich und gefragt fühlen. Freiwilliges Engagement ist deshalb ein Weg zum gesunden Altern.

»Da muss ich erst mal in meinen Kalender gucken.« Das hören die Kinder und Enkel von Rentnern immer häufiger, wenn sie einen Termin ausmachen wollen. Senioren sind beschäftigter denn je. Das belegt auch der Deutsche Freiwilligensurvey, eine repräsentative Befragung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement. Die Befragung ermittelt unter anderem die sogenannte Engage­ments­quote der Deutschen. Und die steigt vor allem bei den Senioren. Während im Jahr 1999 erst 26 Prozent der Deutschen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren einer freiwilligen Tätigkeit nachgingen, waren es 2009 bereits 33 Prozent. Auch immer mehr Hochaltrige engagieren sich.

Tatendrang dank Fitness

Der Hintergrund der Entwicklung liegt auf der Hand. Ältere Menschen haben heute eine weit höhere Lebenserwartung als die Generationen zuvor und sind darüber hinaus auch geistig und körperlich fitter: Sie sind nicht nur gesünder, sondern auch aktiver. Ab Beginn des offiziellen Ruhestandes sind viele Rentner durchschnittlich noch bis zu 25 Jahre auf unterschiedliche Art und Weise tätig. »Das Alter hat eine neue Qualität erhalten, und ein erfolgreiches und produktives Altern verdrängt zunehmend Vorstellungen vom Alter in Ruhe und Abgeschiedenheit«, ist das Fazit einer Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Jahr 2011.

Engagiert und gesund

Weltweit werden seit Mitte der 1990er-Jahre in den Industrienationen Untersuchungen zum Zusammenhang von gesundheitlichem Befinden und freiwilligem Einsatz von Senioren durchgeführt. Übereinstimmend kommen sie zu dem Schluss: Wer sich freiwillig einbringt, lebt glücklicher, gesünder und sogar länger. Terry Y. Lum und Elisabeth Lightfoot von der Universität Minne­sota, USA, kommen zu dem Schluss: »Freiwilliger Einsatz vermindert die Entstehung von Depressionen und beeinflusst die Lebenserwartung der Freiwilligen positiv.« Senioren, die sich für andere einsetzen, erhalten ihre Körperfunktionen länger und bleiben beweglicher. Ihr subjektives Gesundheitsempfinden ist weitaus besser als das von Senioren, die sich nicht engagieren. Auch das Bundesfamilienministerium zieht das Fazit: »Bürgerschaftliches Engagement wirkt sich positiv auf das Gesundheitsempfinden aus«.

Vielfältige Formen

Die Bereiche, in denen sich ältere Menschen engagieren, sind vielfältig. »Ältere Menschen unterscheiden sich hinsichtlich der bevorzugten Felder ihres Engagements nicht grundsätzlich vom Durchschnitt der Bevölkerung«, so das Ergebnis der Studie »Monitor Engagement« des BMFSJ. Allerdings gewinnen mit zunehmendem Alter der Sozial- und Gesundheitsbereich sowie Kirche und Religion als Betätigungsfelder an Bedeutung. Das war schon lange so. Hinzugekommen ist aber nun eine neue Dimension: Vielen Ruheständlern steht der Sinn nach ganz neuen Herausforderungen. Sie suchen nach neuen Abenteuern abseits der bekannten Wege. So werden bei Rentnern Auslandseinsätze immer beliebter. Gab es beispielsweise früher fast nur sogenannte »Volunteer-Projekte« für junge Menschen, so werden jetzt immer mehr Senioren in die Welt vermittelt.

Motivation

Egal wo und wie sich Menschen engagieren, ihre zentralen Motive sind ähnlich. Es geht den Engagierten um Mitgestaltung der Gesellschaft und um Geselligkeit.

Der Aussage »Ich will durch mein Engagement die Gesellschaft zumindest im Kleinen mitgestalten« stimmten im letzten Freiwilligensurvey 67,5 Prozent der Männer im Alter zwischen 70 und 85 Jahren zu sowie 59,1 Prozent der Frauen.

Rund zwei Drittel der freiwillig engagierten Seniorinnen und Senioren geht es darum, Kontakte zu pflegen. Das bestätigt ihre Aussage: »Ich will durch mein Engagement mit anderen Menschen zusammenkommen«.

Experten mit Fernweh

Das Fernweh der Senioren spürt vor allem der »Senior Expert Service« (SES) sehr deutlich. Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft, die vor rund 30 Jahren gegründet wurde, vermittelt Senioren an Betriebe im Ausland, damit sie dort ihr Wissen weitergeben. Die Zahl der Anfragen von Rentnern und der Mitarbeiterpool wachsen kontinuierlich. Mehr als 11 000 Senioren gehören inzwischen zum festen Mitarbeiterstamm. Es sind Experten aus über 50 Branchen. Da reist beispielsweise ein pensionierter Bäckermeister seit Jahren nach Nepal, Lettland, Kasachstan oder Mosambik. Im Gepäck nimmt er seine Rezepte für deutsche Brot- und Backwaren mit. Vor Ort packt er mit an, inspiziert die Geräte in den Backstuben, studiert Einkaufslisten und Preise. Vier bis sechs Wochen dauert ein Einsatz in der Regel. Die Unterkunft ist bei Einheimischen, sodass die Senioren die fremde Kultur hautnah erleben können.

Ganz gleich, welches Wissen die Experten bei ihren Einsätzen im Ausland vermitteln, sie machen jedes Mal die Erfahrung, dass sie wertgeschätzt werden und etwas Sinnvolles leisten können. Viele beflügelt es, neue Kulturen und Menschen kennen zu lernen. Wer sich beim »Senior-Expert-Service« registriert, macht oft weit mehr als eine Reise.

»Apotheker ohne Grenzen«

Wissen um die Welt tragen und vor Ort ehrenamtlich einsetzen, können auch Apotheker und Apothekenmitarbeiter. Für sie bietet sich die Organisation »Apotheker ohne Grenzen e. V.« (AoG) an. »Wir bekommen häufig Anrufe von Menschen, die vor der Rente stehen und sich nach Einsatzmöglichkeiten erkundigen«, sagt AoG-Projektkoordinatorin Stefanie Pügge. Nicht nur Apothekerinnen und Apotheker, sondern auch PTA und PKA gehören zu den inzwischen rund 1300 Mitgliedern der Hilfsorganisation. »Auch, wer sich nicht mehr unbedingt fit genug fühlt, um in Nepal die Berge zu erklimmen, ist bei uns richtig«, sagt Pügge. Sei es für Vorträge, Projektkoordination, für Fund­raising oder Schulungen – das Wissen von Senioren ist auch bei »Apotheker ohne Grenzen e.V.« sehr willkommen. /

Weiterführende Links

www.engagiert-in-deutschland.de
Dieses Portal wird auch vom Bundesfamilienministerium gefördert.

www.ses-bonn.de
Dort stellt sich der Senior Expert Service SES vor.

www.apotheker-ohne-grenzen.de
Apotheker ohne Grenzen e. V. führt nicht nur Noteinsätze durch, sondern setzt auch langfristige Hilfsmaßnahmen um.