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Hautprobleme

Im Alter noch rot werden

15.12.2014
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Von Annette Immel-Sehr / Wenn sich im Gesicht Erwachsener plötzlich Pusteln und Papeln wie bei einem Teenager bilden, könnte Rosazea der Grund sein. Die Hauterkrankung belastet die Betroffenen oft sehr, vor allem im fortgeschrittenen Stadium. Deswegen gilt es, den Erkrankungsprozess frühzeitig zu stoppen.

Die Rosazea ähnelt zwar in ihrem Erscheinungsbild der Akne, doch beruht sie auf einem ganz anderen Krankheitsgeschehen. Was genau passiert, können Fachleute noch nicht erklären. Doch dass es zwischen Akne und Rosazea keinen Zusammenhang gibt, daran besteht kein Zweifel. Denn bei den betroffenen Erwachsenen arbeiten die Talgdrüsen normal und auch die Haarfollikel sind nicht beteiligt.

Während die »gewöhnliche« Akne, die Acne vulgaris, typischerweise in der Pubertät auftritt und bis zum 30. Lebensjahr abklingt, liegt das Erkrankungsalter bei Rosazea in der Regel erheblich später. Die meisten Frauen sind über 60 Jahre alt, wenn sie erkranken, Männer oft noch deutlich älter.

Experten nehmen an, dass das Zusammenspiel verschiedener Faktoren schließlich zum Ausbruch einer Rosazea führt. Dazu zählen vermutlich Störungen im Immunsystem, Entzündungen an Nervenzellen, ultraviolette Strahlung sowie Verän­derungen der Gefäß­regulation. Auch bestimmte Milben auf der Haut sollen dazu beitragen, dass eine Rosazea entsteht. Bemerkenswerterweise geht die Erkrankung häufig mit Magen-Darm-­Störungen einher – eine Erklärung dafür gibt es bislang nicht.

Trotz des ganz anderen Ursprungs als bei Akne bezeichnen Dermatologen die Hauterkrankung als Acne rosacea. Umgangssprachlich heißt sie Rosazea, Gesichtsrose, Kupferrose oder Kupferfinne. Das frühe Stadium wird auch Couperose genannt.

Die Rosazea verläuft meist über Jahre schubförmig und kann zu jedem Zeitpunkt stagnieren. Charakteristisch ist, dass zunächst die kleinen Blutge­fäße im Gesicht sehr empfindlich auf äußere Reize reagieren und sich sofort erweitern. Das Gesicht der Betroffenen färbt sich anfallsartig rot, wenn sie beispielsweise unter Stress stehen, scharfe Speisen essen oder der Kälte ausgesetzt sind. Mediziner bezeichnen dies als Flush.

In einer heiklen Situation rot zu werden, ist an sich nichts Besonderes, das haben viele Menschen schon erlebt. Sollte aber eine Rosazea im Vorstadium der Grund dafür sein, dann bleiben die Blutgefäße mit der Zeit immer länger erweitert. Somit dauert es auch immer länger, bis die Hautrötung wieder zurückgeht und die Haut ihre normale Färbung annimmt. Für das als Couperose bezeichnete erste Stadium der Rosazea sind kupferfarbene oder rötliche Flecken charakteristisch, vor allem an Nase, Stirn, Kinn und auf den mittleren Wangenpartien. Häufig sind auch Hals, Brust, Rücken und Kopfhaut betroffen. Grundsätzlich reagiert die Haut auf Reize sehr empfindlich, neigt zum Brennen und Jucken.

Mit der Zeit bilden sich Knötchen und Pusteln, zunächst nur an Wangen und Nase, danach auch auf der Stirn. Dann sprechen Mediziner vom Vollbild der Rosazea oder dem Stadium II. Die Knötchen und Pusteln können sich eitrig entzünden und bleiben oft über Wochen bestehen. Die umgebende Haut ist geschwollen, gerötet und großporig. Viele Rosazea-Patienten leiden zudem unter brennenden Augen mit Fremdkörpergefühl. Die Ränder der Augen­lider können entzündet oder schuppig sein.

Frauen von Knollennase verschont

Bei Männern – und aus ungeklärten Gründen nur bei Männern – kann die Erkrankung in ein drittes Stadium übergehen. Dann vergrößern sich das Bindegewebe und die Talgdrüsen. Es bilden sich knoten- oder knollenartige Verdickungen, die das Gesicht verändern, häufig sogar verunstalten. Die Knoten oder Knollen treten an Nase, Kinn, Stirn, Ohren oder Augenlidern auf und belasten die Betroffenen sehr. Die wohl bekannteste Form ist die Verdickung der Nase, das sogenannte Rhinophym. Im Volksmund heißt die Wucherung weniger vornehm Blumenkohl­nase, Knollennase oder Säufernase. Während die ersten Begriffe das Phänomen mehr oder weniger treffend beschreiben, ist die letzte Bezeichnung völlig abwegig, denn mit hohem Alkoholkonsum hat die Hauterkrankung nichts zu tun.

Zwar kann man die Rosazea nicht vollständig heilen, spezielle Medikamente und die richtige kosmetische Pflege verbessern die Symptome aber meist deutlich. Zur äußeren Behandlung haben sich Gel- oder Salben-Zubereitungen mit dem Wirkstoff Metronidazol am besten bewährt. Dermatologen verordnen die Präparate in der Regel im Stadium II gegen die Papeln und Pusteln.

Der Wirkmechanismus von Metronizadol ist noch nicht völlig geklärt. Wahrscheinlich ist für den therapeu­tischen Erfolg verantwortlich, dass der Arzneistoff Entzündungen hemmt und das Immunsystem supprimiert.

Des Weiteren ist 15-prozentige Azelainsäure in Gelform zur Behandlung der Rosazea zugelassen. Auch die Wirksamkeit der Azelainsäure wird auf einen antiinflammatorischen Effekt zurückgeführt. Außerdem scheint die Substanz die Verhornung der Hautzellen zu normalisieren. Mitunter verordnen Dermatologen zur lokalen Behandlung auch andere Wirkstoffe wie Permethrin, Clindamycin oder Adapalen. Alle Präparate müssen über lange Zeit aufgetragen werden. Beenden die Betroffenen die Therapie bei den ersten Zeichen der Besserung, kann es zu einem Rückfall kommen.

Sehr niedrig dosiertes Antibiotikum

In schwereren Fällen verordnen Haut­ärzte auch Antibiotika oder Isotretinoin zur oralen Anwendung. Speziell für die Behandlung der Rosazea zugelassen ist ein sehr niedrig dosiertes Doxy­cyclin-Präparat mit 40 mg Wirkstoff je Kapsel. In der Dosierung von einer Kapsel pro Tag wirkt Doxycyclin nicht antibiotisch, sondern lediglich entzündungshemmend. Das ist wichtig für das Beratungsgespräch. Denn viele Menschen haben Bedenken, über lange Zeit Antibiotika einzunehmen, weil sie die Nebenwirkungen fürchten.

Diese Sorgen können PTA und Apotheker dem Kunden in der Beratung nehmen und ihm erklären, dass die typischen Antibiotika-Nebenwirkungen nicht zu erwarten sind, da das Präparat gar nicht antibiotisch wirkt. Manchmal verordnen Ärzte bei Rosazea auch Minozyklin sowie Clarithromycin oder Azithromycin. Allerdings sind die jeweiligen Produkte nicht für die Anwendung bei der Erkrankung zugelassen, es handelt sich dann also um einen Off-Label-Use.

Das Vitamin-A-Säure-Derivat Isotretinoin verbesserte in mehreren Studien die Rosazea. Isotretinoin reduzierte merklich Papeln, Pusteln und Rötungen. Die Anwendung erfolgt jedoch ebenfalls Off-Label, denn auch dieser Arzneistoff hat keine Zulassung für die Rosazea-Behandlung. Im Vergleich zur antibiotischen Therapie tritt die Wirkung des Isotretinoins verzögert ein. Auch nicht-medikamentöse Verfahren helfen bei Rosazea. Mittels Laser lassen sich die weit gestellten kleinen Blutgefäße so behandeln, dass die Rötung abnimmt. Bindegewebswucherungen wie beim Rhinophym können mit einem Laser sozusagen Schicht für Schicht abgetragen werden.

Krankheit stoppen

Durch geeignete Maßnahmen ist es möglich, das Fortschreiten der Rosazea zu verhindern. Berichtet beispielsweise eine Kundin in der Apotheke über bleibende Rötungen im Gesicht, so können PTA oder Apotheker ihr raten, möglichst alle physikalischen Belastungen der Haut zu vermeiden, damit sich die Gefäße nicht weitstellen. Manchmal kann die Kundin auf Nachfrage auch Faktoren benennen, die bei ihr immer einen Flush auslösen: Diese sollte sie nach Möglichkeit meiden. So kann es sinnvoll sein, auf heiße Getränke, scharf gewürzte Speisen und hochprozentige Alkoholika zu verzichten. Auch wenn es unmöglich ist, alle Wärme-, Hitze- und Kältereize zu umgehen, so lassen sich die Hautreizungen doch stark reduzieren, wenn die Betroffenen für das Problem sensibilisiert sind. Außer­dem sollten PTA und Apotheker den Patienten empfehlen, grundsätzlich Syndets statt Seite anzuwenden und die Haut nach dem Reinigen behutsam trocken zu tupfen. Für die Hautpflege eignen sich lipidarme milde Produkte. Vor allem im Sommer sollte das Pflegeprodukt einen geeigneten Schutz vor UVA- und UVB-Strahlung enthalten.

Bleibende rote Flecken lassen sich meist mit Make-up oder Schminke (Camouflage) zufriedenstellend abdecken. Um das Rot der Haut zu kaschieren, haben sich Produkte mit einem leicht grünen Farbzusatz bewährt. Allerdings sollten die Betroffenen nur qualitativ hochwertig zusammengesetzte Präparate verwenden. /