PTA-Forum online
Das Handbuch gegen Krebs

Neues Wissen, neue Hoffnung

15.12.2014
Datenschutz

Von Annette Behr / Bücher über Krebs, seine verschiedenen Arten, Selbsthilfe-Ratgeber und Überlebensberichte gibt es unzählige. Mit ihrem Werk setzt Sarah Majorczyk einen neuen Maßstab.

»Ich wusste, dass ich sterben werde«, sagt der Schauspieler Michael Lesch. Allerdings spricht er in dem Buch, als ehemals Betroffener, nicht über seinen Gesundheitszustand, sondern über eine TV-Rolle, in der er stirbt. Diese Lebenssituation spielt er intuitiv und überzeugend echt.

Parallel zu seiner Rolle erhielt er die Diagnose Lymphdrüsenkrebs. Lesch ist nicht gestorben. Er hat den Krebs besiegt. Im Handbuch erzählt er seine starke, bewegende Geschichte und macht damit den Lesern Mut. Das Schlimmste sei für ihn das Warten auf die Diagnose gewesen, sagt er.

An die Hand genommen

»Sie haben Krebs!«, ist für jeden die Schockdiagnose. Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. Das bisherige Leben steht still. Der Betroffene ist plötzlich einer von 500 000, die jährlich in Deutschland an Krebs erkranken. Jetzt gilt es, alle Sinne zusammen zu halten, Kräfte zu bündeln, kleine Schritte zu gehen. Der aufgeklärte, mündige Mensch ist jetzt gefragt, denn es geht um sein Leben.

Mit dem Kapitel »Den Krebs verstehen« eröffnet das Buch. Weitere Kapitel sind der Prävention, Diagnostik, unterschiedlichen Krebsarten und Therapieverfahren gewidmet. Die Texte sind fachlich fundiert, aber dennoch für medizi­nische Laien verständlich. Besonders durch die anschaulichen Illustrationen und Fotografien erhält das Handbuch trotz der Schwere der Thematik etwas Leichtes und ist daher gut lesbar. Kein mühsames Abarbeiten von Kapiteln, sondern ein neugieriges Blättern ist möglich. Der Leser wird dort abgeholt, wo er sich gerade befindet oder wohin er möchte. Erste Fragen nach den besten Ärzten, der aktuellen Studienlage, aber auch zu komplementärer Medizin werden beantwortet. Ergänzt wird das Buch mit einem Glossar, wichtigen Adressen und weiterführender Literatur.

Herkules in der Klinik

Das Herzstück des Buches sind allerdings die Erlebnisse der prominenten Co-Autoren. Mit intimer Offenheit berichten beispielsweise die Handball-Zwillingsbrüder Roth über »Herkules in der Klinik« und wie sich – nach Prostatakrebs – »Sex mit Konzentra­tion« anfühlt.

Das gute Gefühl, etwas gemeinsam durchzustehen, kennen viele Betrof­fene. Genauso erleben sie häufig, dass ihnen nahe stehende Menschen fast zeitgleich erkranken. So erhält Manfred Stolpes Frau die Diagnose Brustkrebs, als bei ihm Metastasen gefunden wurden. Sich mit dem Unvermeidlichen, dem Sterben und Tod seines an einem Hirntumor erkrankten Vaters abzufinden, beschreibt der Regisseur Leander Haussmann sehr emotional. Zusammen mit seiner Familie setzte er sich erreichbare Ziele. So gelang es ihm, die Lebenszeit des Vaters zu verlängern und sich in Dankbarkeit verabschieden zu können: »Ich konnte mit meinem Vater noch über alles reden, was uns wichtig war.«

Resümee

Das Handbuch gegen Krebs ist eine perfekte Erste-Hilfe, die jedem Betroffenem, Angehörigen oder Freunden bestmögliches Rüstzeug bei der Bewältigung der lebensbedrohlichen Krankheit und deren Folgen bietet. Die fundierten, sehr gut strukturierten Erklärungen sind kombiniert mit fesselnd berührenden Berichten.

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Krebshilfe, der Deutschen Krebsgesellschaft, vielen medizinischen Experten und prominenten Betroffenen hat die Autorin – zusammen mit dem Sandmann Verlag – ein herausragend schönes, aktuelles und hilfreiches Buch geschrieben. /