PTA-Forum online
Berufspolitik

Start ins Jahr 2015

15.12.2014
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Von Annette van Gessel / Zum Jahreswechsel lassen viele Menschen das alte Jahr kritisch Revue passieren und beginnen das neue voller guter Vorsätze. PTA-Forum befragte Sabine Pfeiffer, Vorsitzende des Berufsverbands für PTA, sowie Barbara Neusetzer und Tanja Kratt, Erste und Zweite Vorsitzende der Apotheken­gewerkschaft ADEXA, wie ihr Jahresrückblick aussieht und welche Ziele sie sich für 2015 gesteckt haben.

PTA-Forum: Welches berufspoli­tische Ereignis war im Jahr 2014 für Sie am wichtigsten?

Pfeiffer: Auf dem Apothekertag in München gab es eine intensiv geführte Diskussion zum Perspektivpapier »Apotheke 2030« der ABDA. Dieses wurde ja dann auch verabschiedet. In diesem Papier hat die ABDA aufgezeigt, wohin der Weg führen soll und welche Rolle dem Apothekenteam dabei zufällt. Spätestens jetzt muss es jedem Apotheker klar sein, dass diese Ziele ohne uns PTA nicht erreichbar sind.

Neusetzer: Neben dem sechzigjährigen Jubiläum der Apothekengewerkschaft war das der Prozess, der auf dem Apothekertag in München zum Beschluss über die Perspektive für die öffentliche Apotheke der Zukunft geführt hat. Ausgehend von der ursprünglichen Idee eines Leitbildes für Apotheker umfasst diese Vision jetzt das ganze Apothekenteam – auch die PTA. Ob das bei der Umsetzung auch so berücksichtigt wird, wird man sehen müssen. Schon bei der Beteiligung hat es hier und dort geholpert. Aber unterm Strich kann die Apothekerschaft stolz sein, endlich proaktiv und innovativ diskutiert und abgestimmt zu haben. Die letzten Jahrzehnte waren häufig geprägt von besitzstandswahrenden Abwehrgefechten. Wir von ADEXA werden auf jeden Fall bei den nächsten Schritten und Maßnahmen die Interessen der Angestellten aller Berufsgruppen vertreten.

PTA-Forum: Welche Ziele haben Sie sich für das neue Jahr gesetzt?

Pfeiffer: Unser Ziel ist ein innova­tives und zukunftsorientiertes Berufsgesetz. Einen entsprechenden Entwurf haben wir im Frühjahr im BMG eingereicht. Schließlich geht es um mehr als nur ein Hin- und Hergeschiebe von Ausbildungsinhalten. Die nächste PTA-­Generation erwartet bei ihrer Berufswahl Zukunftsperspektiven, die im Moment – zumindest in der öffentlichen Apotheke – nicht gegeben sind.

Die Zahl der Apothekenaussteiger – nach fünf Jahren etwa 40 Prozent – erhöht sich rasant, diese Kolleginnen suchen sich einen Arbeitsplatz in anderen Gesundheitsbereichen. Auch diese PTA sollen weiterhin mit Stolz sagen können: Ich bin PTA! Dies hat unser hochqualifizierter Gesundheitsfachberuf verdient.

Des Weiteren möchte ich alle Kolleginnen von einer Mitgliedschaft in unserem Berufsverband überzeugen. Denn es geht um die Zukunft unseres Berufes. Nur gemeinsam sind wir stark!

Neusetzer: Hier heißt für uns das Ziel ganz klar neue PTA-Ausbildungsordnung. Aus ADEXA-Sicht sind die Eckpunkte eine bundeseinheitliche dreijährige Ausbildung sowie die Möglichkeit zum Erwerb der Fachhochschulreife – und vor allem auch genügend Ausbildungsplätze, die die Schülerinnen nicht finanziell überfordern. Ein kostenloses Pharmaziestudium, aber horrende Schulgelder für angehende PTA – das passt nicht zusammen!

Zu diesem Thema werden wir im März einen runden Tisch mit Vertretern aus Schulen, Kammern und dem Berufsverband der PTA organisieren. Die Ergebnisse werde ich dann auf der Interpharm in Hamburg auf einer Podiumsdiskussion vorstellen können.

PTA-Forum: Was ist Ihr größter Wunsch, den die Politik den PTA im Jahr 2015 erfüllen könnte?

Pfeiffer: Pflege, Pflege, Pflege! Seit Jahren werkelt man im BMG an Pflegereformen, so auch im vergangenen Jahr. 2014 habe ich mir gewünscht, dass Minister Gröhe als Quereinsteiger den Mut aufbringt, sich das Gesundheitssystem als Ganzes anzuschauen. Leider ist diesbezüglich nichts passiert. Wir würden es begrüßen, wenn Minister Gröhe und seine Fachmitarbeiter sich auch mit unseren Anliegen auseinander setzen würden. Pflege ist wichtig, aber ohne die anderen Gesundheitsfachberufe wird es auch in dem Bereich nicht gehen. Ein runder Tisch mit den Vertretern aller bundesrechtlich geregelten Gesundheitsfachberufen sehe ich als bitternötig an.

Ein Fachkräftemangel, gerade im PTA-Bereich, zeichnet sich heute schon ab. Diesen haben auch die Apotheker mit zu verantworten, da sie nicht bereit sind, mit uns auf Augenhöhe über eine Novellierung des Berufsgesetzes zusammen zu arbeiten. In Zukunft wird man sich aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge um die wenigen Bewerber mit vielen anderen Berufen streiten müssen. Da darf die Politik nicht versäumen, durch eine entsprechende Gesetzgebung die immer wieder beschworene wohnortnahe und sichere Arzneimittelversorgung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Hier sind übrigens auch die Bundes- und Landesregierungen gefragt. Alle dürfen nicht vergessen: Wir PTA sind mit über 59 500 PTA bundesweit die größte Berufsgruppe, die in den Apotheken zum Wohl der Patienten tätig ist.

Neusetzer: Das Bundesgesundheitsministerium sollte eben diese Novellierung auf seine Agenda nehmen und ähnlich zügig und effizient bearbeiten wie das Bundesinstitut für Berufsbildung die PKA-Novellierung – natürlich unter Berücksichtigung der Interessen der PTA und ihrer Berufsorganisationen, sprich von Adexa und BVpta. Ein bisschen mehr Vorlauf für die Schulen als bei den PKA wäre allerdings gut.

PTA-Forum: In welche Richtung sollte sich der PTA-Beruf beziehungsweise die Apotheke insgesamt in Zukunft entwickeln?

Pfeiffer: Die Apotheker haben ja ihr Perspektivpapier Apotheke 2030 verabschiedet mit hehren Ideen und Vorstellungen. Immer wieder wird betont, dass man dieses Papier mit anderen Akteuren wie Pflege und Ärzten Wirklichkeit werden lassen will. Aber wo bleiben wir PTA, die ja eigentlich die engsten Mitarbeiter in der Apotheke sind? Wenn man an eine Umsetzung denkt, dann muss jetzt zusammen in einem interdisziplinären Team, gemeinsam mit uns und anderen Akteuren im Gesundheitssystem, gearbeitet werden. Also hin zum Team! Nur so ist eine Öffnung in viele andere Aufgabenfelder möglich. Die Abwehrhaltung der vergangenen Jahre muss aufgegeben werden. Übrigens erwarten wir von unseren Kolleginnen die gleiche Flexibilität, nur so hat die Apotheke von morgen eine Überlebenschance.

Neusetzer: PTA – und Approbierte – werden stärker auf den einzelnen Patienten eingehen müssen und die Beratung noch stärker auf seine Gesundheit beziehungsweise Gesundung ausrichten. Dazu brauchen die pharmazeutischen Angestellten Werkzeuge wie Kommunikationskompetenz, pharmazeutische Evidenz, gute Kontakte zu anderen Heilberufen. Ich wünsche mir dafür offene und angstfreie Teams, in denen Approbierte den PTA nicht die zusätzlichen Kompetenzen neiden, die eine neue dreijährige Ausbildung mit sich bringt. Und Arbeitgeber, die ihre PTA pharmazeutisch einsetzen, weil sie beispielsweise in Warenwirtschaft und Marketing von ihren PKA-Kolleginnen professionell entlastet werden.

PTA-Forum: In den kommenden Jahren werden die Apotheken kaum mehr Mitarbeiter finden. Das gilt auch für PTA. Was müsste sich aus Sicht des BVpta ändern, damit die Zukunft rosiger aussieht?

Pfeiffer: Die Personalmisere PTA ist teilweise hausgemacht. Da in dem total veralteten Berufsgesetz keine Aufstiegschancen oder Weiterentwicklung in dem PTA-Beruf gegeben sind, schreckt diese Aussicht viele Interessenten ab. Noch immer heißt es: Die PTA arbeitet unter Aufsicht des Apothekers. Das lässt fertige PTA nach kurzer Zeit in der öffentlichen Apotheke in andere Bereiche der Gesundheitsbranche abwandern. Neben Aufstiegschancen gibt es dort Anerkennung, Respekt, Wertschätzung. Der Arbeitsplatz Apotheke muss einfach attraktiver gestaltet werden. Warum traut man PTA keine Kompetenzen zu? Warum gibt es keine eigenverantwortlichen Arbeitsfelder für PTA?

Ein weiteres Manko sind die Ausbildungskosten – in manchen Bundesländern bis zu 400 Euro pro Monat. Diese stehen in keinem Verhältnis zu den beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten, ganz zu schweigen von der typischen Frauenbezahlung in Apotheken. Ich denke, dass sich inzwischen viele Apotheker zu Recht dagegen wehren, sich mehr an der PTA-Schulfinanzierung zu beteiligen.

Es ist Pflicht der Landes­regierungen, Bildung – und dazu gehört auch die Ausbildung – zu zahlen. Hier fordere ich die Standesvertreter in ABDA und Landesapothekerkammern auf, mit uns gemeinsam bei Bundes- und Landesregierung dafür einzutreten, dass sich diese nicht immer weiter aus ihren Verpflichtungen heraus stehlen.

PTA-Forum: Was muss auf tarif­politischer Ebene geschehen, damit es künftig genug PTA für die öffentlichen Apotheken gibt?

Kratt: Für Mitte 2015 steht der Abschluss eines neuen Gehaltstarif­vertrages für das gesamte Bundesgebiet außer Nordrhein und Sachsen an. Der Tarifvertrag für Nordrhein läuft noch bis Ende 2015. Wichtig werden die Ausbildungsvergütung für PTA-Praktikanten und das Einstiegsgehalt sein, damit die öffentliche Apotheke für den Nachwuchs attraktiv bleibt. Aber natürlich müssen wir auch für die Kolleginnen und Kollegen mit Berufserfahrung spürbare Gehaltserhöhungen erreichen.

Und in Sachsen gilt es, den weißen Fleck auf der Tariflandkarte zu füllen. Wenn uns das jetzt nach dem Wechsel in Vorstand und Geschäftsführung des sächsischen Arbeitgeberverbands gelingt, wäre das eine wirklich gute Nachricht für die Angestellten in Sachsen – und gleichzeitig ein positives Signal an die dortigen Schulabgänger. Denn es gibt wohl kaum eine überzeugendere Nachwuchswerbung als gute tarifliche Gehälter und Arbeitsbedingungen. /