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Propranolol

Vielseitiger Betablocker

15.12.2014  10:16 Uhr

Von Verena Arzbach / Propranolol wurde als erster Betablocker bereits in den 1960er-Jahren entwickelt. Der Arzneistoff ist nicht nur bei kardiovaskulären Erkrankungen indiziert, auch bei vielen anderen Krankheiten setzen Ärzte den Wirkstoff inzwischen erfolgreich ein. PTA und Apotheker können Patienten, die Propranolol einnehmen, einige Hinweise geben.

Propranolol ist der Prototyp der nicht­selektiven Betablocker. Der Arzneistoff gehört zu den älteren, nicht-herzselektiven Betablockern, das heißt, er blockiert sowohl β1- als auch β2-Rezeptoren. β1-selektive Betablocker haben dagegen eine höhere Affinität zu β1-Rezeptoren, die im Herz in hoher Dichte vorkommen; die sogenannte Kardioselektivität der neueren Betablocker ist also bei vielen Indikationen erwünscht.

Betablocker vermindern über die β1-Rezeptoren die Erregbarkeit des Herzens (negativ bathmotrop), verlangsamen den Herzschlag (negativ chronotrop) und die Erregungsleitung (negativ dromodrop) und reduzieren die Pumpkraft des Herzens (negativ inotrop). Die Hemmung von β2-Rezeptoren hat vor allem zur Folge, dass die glatte Muskulatur erschlafft. Daher verengen die Substanzen zum Beispiel die Atem­wege und Blutgefäße.

Propranolol ist bei einer Vielzahl von Indikationen zugelassen, unter anderem bei arterieller Hypertonie, koro­narer Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen sowie zur Reinfarktprophylaxe. Bei diesen kardiovaskulären Einsatzgebieten verschreiben Mediziner heute eher kardioselektive Betablocker. Propranolol hat sich aber auch bei einigen anderen Indikationen bewährt: unter anderem beim primären Angstsyndrom, in der Migräneprophylaxe und bei essenziellem Tremor. Bei Patienten mit essenziellem Tremor zittern unkontrollierbar verschiedene Muskelgruppen, häufig die Hände. Der Tremor wird vorwiegend über die Stimulation von β2-Rezeptoren hervorgerufen. Wegen dieser Antitremor-Wirkung verwenden unter anderem Sportschützen Beta­blocker missbräuchlich. Für bestimmte Sportarten stehen Betablocker daher auf der Doping-Liste. Propranolol kann außerdem zusammen mit spezifischen therapeutischen Maßnahmen bei Pa­tienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion angewandt werden. Die β2-Blockade hemmt die Umwandlung des Schilddrüsenhormons Tetraiodthyronin (T4) zu Triiodthyronin (T3).

Nimmt ein Patient Propranolol bereits längere Zeit ein und soll die Behandlung unterbrochen oder abgesetzt werden, ist es wichtig, die Dosis langsam zu verringern. Abruptes Absetzen kann zu einem Angina pectoris-Anfall, zu einem Herzinfarkt oder zu einem plötzlichen Blutdruckanstieg führen. Hintergrund dafür ist das sogenannte Rebound-Phänomen: Unter einer länger andauernden Therapie mit Betablockern nimmt die Zahl der β-Rezeptoren zu. Außerdem wird der Neurotransmitter Noradrenalin vermehrt freigesetzt. Endet die Blockade der Rezeptoren plötzlich, schießt der Blutdruck schnell in die Höhe. Daher muss das Medikament in langsamen Schritten abgesetzt werden, wenn es nicht mehr benötigt wird.

Allgemein gehören Betablocker zu den besonders verträglichen Arzneisubstanzen. Als unspezifische Nebenwirkungen können unter anderem Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Müdigkeit, Schwindel oder Kopfschmerzen auftreten, sehr selten allergische Reaktionen. Als spezifische Nebenwirkungen, die durch den Wirkmechanismus der Betablocker bedingt sind, treten zum Beispiel Herzrhythmusstörungen (Bradykardien), Kreislaufprobleme durch einen zu niedrigen Blutdruck auf, der Atemwegs­widerstand kann zunehmen, die Kontrak­tionskraft des Herzens sinken und periphere Durchblutungsstörungen sich verschlechtern.

Besonders vorsichtig muss der Arzt sein, wenn er Diabetikern einen Betablocker verordnen möchte. Unselektive Betablocker wie Propranolol verzögern den Blutzuckeranstieg, indem sie die β2-Rezeptoren hemmen. So kann die Wirkung von Insulin oder oralen Anti­diabetika verstärkt oder verlängert werden. Über die Blockade der β1-Rezeptoren werden außerdem sympathische Impulse gestört, sodass der Diabetiker typische Warnzeichen einer Unterzuckerung wie Zittern und Herzklopfen nicht rechtzeitig wahrnimmt, weil sie maskiert sind oder nur sehr abgemildert auftreten. /

Wichtige Hinweise zu Propranolol

  • Kontraindiziert bei Asthma und Hypotonie
  • Achtung bei Diabetikern: Beta­blocker können die Wirkung von Insulinen oder oralen Antidiabetika verstärken oder verlängern und die Wahrnehmung einer Hypo­glykämie verändern.
  • Keinesfalls ohne Rücksprache mit dem Arzt einfach absetzen, Dosis langsam ausschleichen.