PTA-Forum online
Berufspolitik

Start ins Jahr 2016

11.01.2016
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Von Annette van Gessel / Zum Jahreswechsel lassen viele ­Menschen das alte Jahr kritisch Revue passieren und beginnen ­das neue voller guter Vorsätze. PTA-Forum befragte Sabine Pfeiffer, Vorsitzende des Berufsverbands für PTA, sowie Barbara Stücken-Neusetzer, Erste Vorsitzende der Apothekengewerkschaft Adexa, wie ihr Jahresrückblick aussieht und welche Ziele sie sich für 2016 gesteckt haben.

PTA-Forum: Welches berufspoli­tische Ereignis war im Jahr 2015 für Sie am wichtigsten?

Pfeiffer: Für uns PTA ist das Jahr berufspolitisch ruhig verlaufen. Das neue Berufsbild der Apotheker, so wie es die Politik aktuell sieht, haben wir negativ wahrgenommen – da es auch für unsere Berufsgruppe wenig attraktiv ist. Dazu kommt die Weigerung im BMG, die pharmazeutische Kompetenz von PTA und Apothekern in irgendeiner Form zu honorieren.

Stücken-Neusetzer: Wenn Sie mit der Frage meinen, was sich für die öffentliche Apotheke insgesamt positiv entwickelt hat, dann kann ich leider keine besonderen Highlights nennen. Viele gesundheitspolitische Entscheidungen sind explizit gegen das Votum der Standesvertretung ausgefallen oder aber, besonders im wirtschaftlichen Bereich, auf die lange Bank geschoben worden. Immerhin haben wir als Gewerkschaftsvertretung aller Berufsgruppen in der öffentlichen Apotheke erreicht, dass die Mitarbeiter im Nachtnotdienst nicht mehr unter Mindestlohn bezahlt werden. Und Mitte Dezember haben wir einen neuen Gehaltstarifvertrag mit der Arbeitgebervertretung abgeschlossen, der allen Berufsgruppen ab Januar höhere Gehälter bringt und dem Nachwuchs bessere Ausbildungsvergütungen.

Speziell für die PTA gab es beim Deutschen Apothekertag in Düsseldorf einen guten und positiv beschiedenen Antrag: Die Apothekerschaft fordert darin den Gesetzgeber auf, rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen, mit denen es auch künftig genügend PTA für die ­flächendeckende Arzneimittelversorgung geben wird.

PTA-Forum: Welche Ziele haben Sie sich für das neue Jahr gesetzt?

Pfeiffer: Der BVpta setzt sich schon seit mehr als einem Jahrzehnt für eine Novellierung des Berufsgesetzes und der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung ein. Jetzt, wo sich der PTA-Nachwuchsmangel langsam bemerkbar macht, versuchen viele Apotheker, vertreten durch die ABDA, Kammern und Verbände – aber auch Schulleiter und Lehrkräfte – ihren Einfluss geltend zu machen.

Wichtig ist auch, die Kolleginnen von einer Mitgliedschaft in ihrem Berufsverband zu überzeugen. Der BVpta ist die einzige Interessenvertretung, die alle PTA vertritt. Je mehr Mitglieder wir haben, desto stärker ist unser Durchsetzungsvermögen in der Politik, desto mehr werden wir wahrgenommen und gehört.

Stücken-Neusetzer: Wir wollen in dem von Adexa initiierten zweiten Runden Tisch zur PTA-Novellierung einen Konsens aller Interessengruppen finden, den wir dem Bundesgesundheitsministerium unterbreiten können.

Steigende Mitgliederzahlen und die Anregungen unserer ehrenamtlich ­Aktiven nehmen wir zum Anlass, um neben der Hauptgeschäftsstelle in Hamburg vier weitere regionale Geschäftsstellen einzurichten. Dafür wollen wir zum zweiten Quartal neue hauptamtliche Mitarbeiter einstellen.

PTA-Forum: Was ist Ihr größter Wunsch, den die Politik im Jahr 2016 erfüllen könnte?

Pfeiffer: Wir wünschen uns, dass die Politik mit der Flickschusterei im Gesundheitswesen aufhört. Uns wird seit Jahren vorgegaukelt, wir hätten eines der besten Gesundheitssysteme der Welt – doch das ist schon lange nicht mehr der Fall. Als Gesundheitsminister Gröhe als »Quereinsteiger« sein Amt ­antrat, hatten wir durchaus Hoffnung, dass er sich das Gesundheitssystem als Ganzes anschaut und sich nicht nur auf bestimmte Teile – so wie seine Vorgänger – konzentriert. Seit Jahren haben wir nur noch »Das Jahr der Pflege«. Vielleicht, weil dieses Thema populistisch aufgrund des Generationenwandels und der langsamen Überalterung der Bevölkerung ankommt. Aber gerade deswegen sollten sich die Verantwort­lichen im BMG auch die anderen, für den Wahlkampf weniger attraktiven Gesundheitsberufe anschauen. Denn nur im Zusammenspiel aller funktioniert unser Versorgungssystem – und das bedeutet: nur mit uns PTA.

Stücken-Neusetzer: Unser größter Wunsch ist eine zukunftsorientierte PTA-Ausbildung in Berufskollegs, die anschließend Aufstiegsperspektiven ermöglicht. Und ausgehend vom Mehrwert, den die Apotheken und deren größte Mitarbeitergruppe, die PTA, jeden Tag für die Patienten und das Gesundheitssystem leisten: eine zeitgemäße und adäquate Hono­rierung aller in öffentlichen Apotheken Tätigen, die die Arbeitgeber dann auch an ihre Angestellten weiter­geben.

PTA-Forum: In welche Richtung sollte sich der PTA-Beruf beziehungsweise die neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung entwickeln?

Pfeiffer: Der BVpta wird sich auch ­weiterhin für ein innovatives, zukunftsorientiertes Berufsgesetz einsetzen. Wir fordern aufgrund der gestiegenen Anforderungen und des erweiterten Arbeitsfeldes eine dreijährige Ausbildung. Die Ausbildungsinhalte müssen dem neuen Berufsbild – festgelegt im Berufsgesetz – Rechnung tragen. Eine Ausbildungsverlängerung heißt nicht Praktikumsverlängerung. Aufgrund der knappen Bewerberzahlen muss der ­Beruf wieder attraktiver und vor allem mit einer Aufstiegsperspektive gestaltet werden, welche nicht immer Pharmaziestudium heißen muss.

Wir stellen den Ministerien und Fachgremien gerne unsere Vorschläge vor und sind jederzeit zu einer Zusammenarbeit mit allen Beteiligten bezüglich einer neuen Gesetzgebung bereit.

Stücken-Neusetzer: Wir brauchen eine Verlängerung der Ausbildung, um neue und vertiefende Inhalte zu integrieren, um den PTA-Beruf an andere Gesundheitsberufe anzugleichen und um die Fachhochschulreife zu ermög­lichen. PTA werden die Approbierten bei immer mehr Tätigkeiten unterstützen und entlasten; gleichzeitig müssen sie fit bleiben in Rezeptur und Labor. Sprich, die Arbeit wird noch anspruchsvoller! Das muss sich in der Ausbildung wie im Gehalt abbilden.

PTA-Forum: Mit Blick auf den zukünftigen Mangel an PTA noch eine letzte Frage: Mit welchen Argumenten würden Sie versuchen, junge Frauen für den PTA-Beruf zu gewinnen?

Pfeiffer: Mir selbst hat der PTA-Beruf immer Spaß gemacht – seit mehr als 40 Jahren. Ich arbeite noch heute begeistert in einer öffentlichen Apotheke. Allerdings muss sich für die kommenden Generationen einiges ändern: Wir brauchen eine moderne, den heutigen Ansprüchen gerecht werdende, mindestens dreijährige Ausbildung. Dazu sollte dringend eine Regelung gefunden werden, die Interessentinnen diese Ausbildung in einem kostenverträglichen Rahmen ermöglicht. Für uns ist es nicht nachvollziehbar, dass das Pharmaziestudium kostenfrei ist, zukünftige PTA aber selbst bis zu 12 000 Euro für ihre Ausbildung aufbringen müssen. Außerdem ist es uns wichtig, dass auch für die PTA, die den Arbeitsplatz Apotheke wählen, eine Zukunftsperspektive geboten wird.

Der PTA-Beruf ist für alle ideal, die naturwissenschaftlich interessiert sind. Je nach Interessenlage und Veranlagung gibt es viele Arbeitsbereiche. So sind PTA als hochqualifizierte Fachkraft sehr gesucht in Apotheke, Industrie, Forschung und anderen Gesundheitsbereichen. Arbeitsplatz Apotheke heißt, dass man gern mit Menschen zusammen arbeitet. Hier sind PTA gute Berater in Fragen rund um Gesundheit und Krankheit. Dazu kommt die sehr verantwortungsvolle Arbeit der Herstellung vieler Individualarzneimittel von der Kontrolle der Ausgangsstoffe bis zum Endprodukt.

Unser Fazit: PTA ist ein toller Gesundheitsfachberuf, der – zeitlich und örtlich flexibel – beste Arbeitsplatzchancen eröffnet.

Stücken-Neusetzer: Die Tätigkeit der PTA ist eine inhaltlich interessante und vielseitige Arbeit – im Team und im Kontakt mit Menschen. Die Arbeitsmarktsituation ist gut: PTA werden fast überall gesucht. Und mit Blick auf die älter werdende Bevölkerung wird dies auch künftig so bleiben. Das wird mittelfristig auch die Arbeitsbedingungen einschließlich des Gehaltes sowie die Wertschätzung in der Öffentlichkeit wie im Team verbessern. /