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Syphilisfälle nehmen auch hierzulande zu

11.01.2016  11:22 Uhr

Von Elke Wolf / Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 5722 Syphilisfälle registriert. Das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit setze sich auch hierzulande der in zahlreichen an­deren Ländern beobachtete Anstieg unvermindert fort, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) kürzlich mit und weiter: Die für das erste Halbjahr 2015 vor­liegenden Zahlen bestätigten den Trend.

Während die Zahl der wahrscheinlich auf heterosexu­ellem Weg erwor­benen Syphilis- Infektionen auf dem Niveau vom Jahr 2013 geblieben und bei Frauen sogar um 2,9 Prozent gesunken ist, verzeichnet das RKI hingegen mit 20,2 Prozent eine deutliche Zunahme bei Männern, die mit anderen Männern Sex haben.

Großstädte liegen bei den Fallzahlen klar vorn. Die Rate der Neuerkrankungen lag in Berlin im Jahr 2014 bei 31 Fällen je 100 000 Einwohner, das ist im Vergleich zum Bundesdurchschnitt das Vierfache. Hamburg steht mit 19,7 Meldungen je 100 000 Einwohner an zweiter Stelle. Grund dafür seien zum einen der hohe Bevölkerungsanteil homosexueller Männer sowie die Zahl potenzieller Sexualpartner und in diesem Zusammenhang die »sehr vielfältigen Möglichkeiten zur Anbahnung sexueller Kontakte« wie Clubs, Saunas und Pornokinos, so im RKI-Bericht.

Die RKI-Zahlen legen noch ein weiteres Problem offen: Die Bakterien­infektion wird zu spät diagnostiziert. Nur in etwa einem Drittel der Fälle erfolgt die Diagnose in einer frühen ­Phase. Daher rät beispielweise die Aids-Hilfe gefährdeten Personen, mindestens einmal jährlich einen Test ­machen zu lassen. Den bezahlt die ­Kasse allerdings nur bei bereits vorhandenen Symptomen. Dazu zählen Geschwüre an Penis oder Scheide und Lymphknotenschwellungen, später auch schmerzhafte Hautknötchen sowie Organveränderungen. In anderen EU-Ländern sieht es dem RKI-Bericht zufolge sowohl beim Zugang zu Tests als auch bei spezi­fischen Untersuchungen weit besser aus. /

Quelle: Epidemiologisches Bulletin RKI 49/2015