PTA-Forum online
Plaque und Zahnstein

Auf sauberen Zähnen chancenlos

04.01.2017  11:17 Uhr

Von Barbara Erbe / Allen gesetzlich Krankenversicherten bezahlt die Kasse einmal jährlich die Zahnsteinentfernung. Sie ist sinnvoll, weil Zahnstein einen Nährboden für Bakterien bildet, die früher oder später zu Karies und Zahnfleischentzündungen führen. Der wichtigste Schutz vor Gingivitis und Zahnschmelz­verlust ist nach wie vor die regelmäßige gründliche Zahnhygiene.

Wann immer sich Spuren von Speiseresten auf den Zahnoberflächen ansiedeln, locken sie Bakterien aus der Mundhöhle an, erläutert Dr. Celina Schätze, Vorsitzende des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde. Diese Mikroorganismen ernähren sich vor allem von Zuckern. Je mehr Nahrung sie in den Ablagerungen vorfinden, desto besser wachsen sie und bilden dabei eine zusammenhängende Schicht, die Plaque. Sie enthält Eiweiße, Kohlenhydrate und Phosphate. An Stellen, die mit der Zahnbürste schlecht erreichbar, aufgeraut oder uneben sind, lagern sich im Laufe der Zeit Mineralien aus dem Speichel, sodass die Schicht immer härter wird. »Das Ergebnis ist eine Verkalkung der Plaque, ganz so wie wir das auch von kalkhaltigem Wasser auf nicht abgetrocknetem Geschirr kennen. Im Mund ist das dann der Zahnstein«, erklärt Schätze. Zahnstein bildet sich vor allem an der Innenseite der unteren Schneidezähne und an den ersten Backenzähnen im Oberkiefer, denn dort befinden sich auch die Austrittsöffnungen der Speicheldrüsen. Die Mineralisierung der Beläge kann aber auch in Zahnfleischtaschen entstehen – diese nennen Zahnärzte dann Konkremente.

Bakterien gleich Säure

Zwar führt Zahnstein selbst nicht zu Karies, aber er ist ein idealer Nähr­boden für Kariesbakterien. Diese produzieren Säuren, die die Zähne regelrecht anfressen. »Aus den Rauigkeiten, die so entstehen, werden dann irgendwann Löcher«, informiert die Berliner Zahnärztin. »Darüber hinaus greifen die Bakterien nicht nur die Zähne, sondern auch das Zahnfleisch an. Die Folge sind oft Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und – wenn die Entzündung bis zum Knochen fortschreitet – Parodontitis.«

Um sich vor Zahnstein und seinen Folgen zu schützen, hilft nur eines, betont Schätze: »Mindestens einmal am Tag wirklich die gesamte Plaque wegputzen – am besten abends. Denn ein sauberer Zahn kriegt keinen Zahnstein.« Ob das gründliche Putzen mit einer elektrischen oder mit einer Handzahnbürste geschieht, ist dabei zweitrangig. »Mit der Hand dauert es nur ein wenig länger. Der entscheidende Faktor ist aber immer noch der Mensch, der die Bürste führt!«

Die Zahnbürste sollte weiche bis mittelweiche Borsten und einen kleinen Kopf haben, um damit in die Ecken zu gelangen. Darüber hinaus sind Zahnseide und/oder Zwischenraumbürsten unerlässlich. Denn nur mit ihrer Hilfe lassen sich anfällige Zwischenräume und Mulden reinigen. »Es gibt acht verschiedene Größen von Zwischenraumbürsten«, berichtet die Expertin. »Da findet sich immer eine passende Größe. Wer es nicht selbst ausprobieren möchte, bittet am besten beim nächsten Besuch den Zahnarzt um Rat.« Die beste Wirkung erzielt, wer auch mit der Zwischenraumbürste von Wangen- und Mund­innenraumseite arbeitet. »Das ist natürlich aufwändig. Aber wer beispielsweise an geraden Tagen von außen putzt und an ungeraden von innen, kann das Putzergebnis allein dadurch schon enorm verbessern.«

Hände weg von Zahnweiß

Von Zahncremes, die für besonders weiße Zähne sorgen sollen, rät der Arbeitskreis eher ab. Diese Präparate sind häufig mit aggressiven Säurezusätzen versehen oder ihr Abrasionsgrad ist so hoch, dass sie die Zahnoberfläche zerkratzen – wie Scheuersand eine Spiegelfläche. Zudem führen sie oft zu Empfindlichkeiten. Wichtig ist dagegen, dass die Zahnpasta Fluorid enthält, denn das stärkt den Zahnschmelz und verringert die Säureempfindlichkeit der Zähne. Aufgrund dieses Effekts hat die Stiftung Warentest alle Zahnpasten ohne Fluorid als mangelhaft bewertet. Desinfizierende Zahnspülungen empfiehlt Schätze nur für besondere Fälle, beispielsweise nach einer Operation im Mund. Das wichtigste sei immer die mechanische Reinigung: »Wir schrubben unseren Dreck ja auch aus Kleidung oder Geschirr raus und desinfizieren ihn nicht nur!«

Wie man es also dreht und wendet: Das Putzen spielt die wichtigste Rolle, auch wenn es viel Zeit und Mühe braucht, erst recht dann, wenn das Zahnfleisch ab und zu blutet. Denn Zahnfleischbluten zeugt von entzünd­lichen Stellen im Mund, und die gilt es besonders sauber zu halten, vor allem für Menschen, die zu Parodontitis neigen oder deren Speichelzusammensetzung Zahnstein eher fördert.

Nach dem Putzen sollten die Zähne im Spiegel sauber strahlen und sich überdies schön glatt anfühlen. Für alle, die sich in Sachen Putzerfolg unsicher sind, gibt es Färbetabletten zur gelegentlichen Überprüfung. Die Tabletten färben alles organische Material ein, sodass unzureichend gereinigte Stellen deutlich sichtbar werden. Nicht zuletzt unterstützt die regelmäßige professionelle Zahnreinigung den Kampf gegen Beläge und deren Folgen. /

Zähneputzen: Wie, wie oft und wie lange?

Zweimal täglich sollten die Zähne geputzt werden, betont Professor Dr. Stefan Zimmer, Fachzahnarzt für Öffentliches Gesundheitswesen und Leiter des Departments für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Universität Witten/Herdecke, und weist auf drei Punkte besonders hin: die Systematik, die Technik und die Dauer.

Die Systematik: Am besten ist es, immer auf einer Seite des Zahnbogens zu beginnen, beispielsweise rechts oben außen, und dann kontinuierlich bis zum letzten Zahn links oben putzen. Dann geht es auf der Innenseite zurück, denn selbstverständlich ist die Innenseite der Zähne genau so wichtig. Zum Abschluss werden die Kau­flächen gereinigt. Auch hier gilt: Auf einer Seite am letzten Zahn beginnen und beim letzten Zahn der Gegenseite aufhören. Nach dem Oberkiefer kommt der Unterkiefer dran – so wird kein Zahn vergessen.

Die Technik: Die Zahnbürste soll mit den Borstenenden in einem Winkel von circa 45 Grad so zum Zahnfleisch hin angesetzt werden, dass das Borstenfeld etwa zur Hälfte auf dem Zahnfleisch und mit der anderen Hälfte auf dem Zahn liegt. Im Oberkiefer heißt das also schräg nach oben und im Unterkiefer schräg nach unten. Dann fegt man einfach vier bis fünf Mal pro Zahn »von Rot nach Weiß« aus, also vom Zahnfleisch zum Zahn. Niemals darf das umgekehrt geschehen, weil sonst Zahnbeläge unter das Zahnfleisch geschoben werden können. Bitte nicht zu fest drücken und auch nicht in die beliebte, aber falsche »Schrubb-Technik« verfallen.

Die Dauer: Häufig werden für die Dauer des Zähneputzens zwei oder drei Minuten angegeben. Doch jedes Gebiss ist anders und außerdem ist nicht jeder gleichermaßen geschickt. Am besten einige Male mit Hilfe von Plaque-Färbetabletten putzen und dabei die Zeit stoppen, bis alle Beläge weg sind. Das können drei, aber auch sieben Minuten sein.

Und zu guter Letzt: Vergessen Sie nicht die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide, Zwischenraumbürstchen oder speziellen »Zahnhölzern«, die heute meist aus Kunststoff bestehen.