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Pflanzen des Jahres 2017

Ein Jahr lang im Rampenlicht

04.01.2017
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Von Brigitte M. Gensthaler / Klein wie das Gänseblümchen, mächtig wie die Fichte, nahrhaft wie der Hafer: Das sind die »Pflanzen des Jahres 2017«. Bei der »Giftpflanze des Jahres« gibt es wieder mehrere Kandidaten – und einen Sieger.

Für ein Jahr im Rampenlicht stehen die Pflanzen des Jahres, die verschiedene Organisationen Jahr für Jahr auswählen. Dem Gänseblümchen (Bellis perennis) wird solche Aufmerksamkeit selten zuteil, gilt es doch entweder als hübsche Wiesenblume oder als Unkraut im Einheitsrasen. Frisch Verliebte kennen das Gänseblümchen durch das Spiel »Er liebt mich – er liebt mich nicht«. Nun wird dem Blümchen eine besondere Ehre zuteil: Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (NHV Theophrastus), hat es zur Heilpflanze des Jahres 2017 gekürt.

Bewährt habe es sich besonders in der Kinderheilkunde, schreibt der Verein in einer Pressemeldung und zitiert den Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857–1945): »Eine Prise soll man jeder Mischung Kindertee beifügen.« Die Blüten könnten bei Schwächezuständen, Erkältung und Durchfall helfen. Die Erfahrungsheilkunde verwendet die Pflanze zudem bei Hautausschlägen und Verletzungen, als Husten­mittel und bei Menstruations­beschwerden.

Bellis in der Homöopathie

PTA und Apotheker kennen Bellis perennis vor allem aus der Homöopathie, zum Beispiel als bewährtes Mittel bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen und Quetschungen, meist mit Bluterguss, sowie bei Schmerzen nach Verletzungen, beispielsweise nach einer Operation. Bellis, meist als D6, unterstützt die Abheilung kleinflächiger Blutergüsse.

Ganz besondere Bedeutung hat das Gänseblümchen in der Frauenheilkunde, genauer gesagt nach der Geburt. Häufig wird es als »Arnica der Geburtshilfe« bezeichnet. Es fördert die Wundheilung bei Dammriss oder einer schmerzhaften Dammnaht sowie nach Kaiserschnitt. Zudem hat sich Bellis bei starken Wundschmerzen in der Gebärmutter bewährt, wenn die Frauen sagen, Kälte mache alles noch schlimmer, während sie Wärme, Essen, leichte Bewegung und Massage als wohltuend empfinden. Bellis fördert die Heilung der Geburtswege, die Rückbildung der Gebärmutter und normalisiert den Wochenfluss.

Hafer sticht nicht immer

Eine Getreideart und zwar den Saat­hafer Avena sativa, auch Weißer oder Echter Hafer genannt, wählte der Stu­dienkreis »Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde« am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017. Hafer gehört wie Weizen, Roggen und Gerste zu den Süßgräsern (Poaceen), trägt seine Körner aber in vielfach verzweigten Rispen. Sein Nährwert ist anderen Getreidearten überlegen. Unter dem Arzneipflanzenaspekt liefert Hafer drei Heilmittel: Stroh (Avenae stramentum), Kraut (Avenae herba) und Korn (Avenae fructus).

Haferstroh wird für Bäder verwendet, die bei Hautverletzungen und Juckreiz helfen sollen. Ebenfalls äußerlich angewendet werden Extrakte aus dem Kraut, das aus dem vor der Blüte geernteten Hafer besteht. Dieses ist reich an Flavonoiden, Saponinen und Mineralien wie Kalium, Calcium und Magnesium. Die Flavonoide sollen entzündungshemmend, die Saponine immunmodulierend wirken. Haferkrautextrakte werden bei empfindlicher, trockener und atopischer Haut, Wunden sowie bei Rosacea und Psoriasis verwendet. Sie sollen zudem beruhigen, gegen Stress helfen sowie Konzentra­tion und Lernfähigkeit verbessern. Die Experten für pflanzliche Arzneimittel bei der europäischen Arzneimittelagentur EMA bescheinigen dem Kraut in der Monographie Avenae herba (2008) die traditionelle Anwendung bei milden Stresssymptomen sowie zur Schlafförderung.

Das reife Haferkorn enthält hohe Konzentrationen an Vitamin B1 und B6 sowie zu etwa gleichen Teilen an unlöslichen und löslichen Ballaststoffen. Mehr als drei Viertel der löslichen Haferballaststoffe bestehen aus Beta-Glucanen; das sind hochmolekulare, linear unverzweigte Polysaccharide.

Die bekannte Cholesterol-senkende Wirkung von Hafer soll auf der Fähigkeit der Beta-Glucane beruhen, Gallensäuren zu binden und deren Ausscheidung zu erhöhen. In der Folge muss der Körper vermehrt endogenes Cholesterol in Gallensäuren umwandeln. Letztlich sinken Gesamt- und LDL-Cholesterolspiegel. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) habe 2011 bestätigt, dass der Verzehr von Beta-Glucanen aus Hafer zur Senkung des Cholesterolspiegels beitragen kann, so die Pressemeldung des Würzburger Instituts.

Volles Korn

Haferprodukte nützen auch bei Typ-2-Diabetes. Die lös­lichen Ballaststoffe verzögern die Aufnahme von Kohlen­hydraten aus dem Nahrungsbrei, sodass der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr von Haferprodukten nicht so stark ansteigt. Eine Studie am Diabetologikum in Berlin hat ergeben, dass die Insulingabe bei Patienten mit hohem Insulinbedarf nach zwei Hafertagen um bis zu 30 Prozent gesenkt werden konnte. Der positive Effekt soll bis zu vier Wochen anhalten.

Wie wohltuend warmer Haferschleim sein kann, wissen alle Menschen mit einem empfindlichen Magen. Die löslichen Ballaststoffe schützen die Darmwand vor Reizen und beruhigen den sensiblen Magen. Die unlöslichen Ballaststoffe wirken regulierend auf die Verdauung.

Auch für Avenae fructus haben die Phyto-Experten der EMA 2008 eine Monographie verabschiedet. Darin wird die traditionelle Anwendung zur symptomatischen Behandlung von Hautentzündungen, zum Beispiel Sonnenbrand, und zur Wundheilung beschrieben.

In der Homöopathie wird Avena sativa in Einzel- und Komplexmitteln eingesetzt. Das Mittel soll vor allem bei nervöser Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und Schlaflosigkeit die Nerven stärken und beruhigen. Avena, meist als D2 gegeben, gilt daher als Aufbaumittel.

Baum des Jahres

Zum Baum des Jahres 2017 wählte das Kuratorium Baum des Jahres die häufigste Baumart Deutschlands: die Gemeine Fichte (Picea abies). Dieser Nadelbaum polarisiert Waldexperten und Naturfreunde: Für die einen ist die Fichte der »Brotbaum« der deutschen Forstwirtschaft, für die anderen der Inbegriff naturferner Monokulturen. Das hat einen historischen Grund.

Die Fichte steht für die gelungene Wiederbewaldung Deutschlands nach dem 18. Jahrhundert. Die anspruchs­lose Baumart eignete sich hervor­ragend zur Wiederaufforstung heruntergewirtschafteter Standorte. Wo ursprünglich Laubwälder standen, wuchsen bald ausschließlich Fichtenwälder heran, die große Holzmengen lieferten. Allerdings ist in reinen Fichtenwäldern das Risiko von Sturmschäden und des Befalls mit Forstschädlingen hoch. Zudem führen reine Fichtenbestände zu Versauerung und Nährstoffverlusten des Waldbodens.

Die Fichte gilt als die heimische Baumart, die sich am schlechtesten an klimatische Veränderungen anpassen kann. Sie benötigt nur wenige Nährstoffe, aber eine sichere Wasserversorgung. In Deutschland kommen Fichten in höheren Lagen der Mittelgebirge und in den Alpen vor. Oberhalb von 1000 Metern bilden sie oft natürliche Reinbestände.

Laien fällt es oft schwer, zwischen Fichten und Tannen zu unterscheiden. Wie gelingt das am besten? Bei der Fichte hängen die länglichen, braunen Zapfen von den Zweigen herab und fallen im Herbst zu Boden; bei Tannen dagegen stehen die Zapfen aufrecht auf den Zweigen und bleiben dort sitzen. Fichtennadeln sind spitz und stechen bei Berührung, wohingegen Tannennadeln weich sind.

Von Harz bis Honig

Früher nutzten die Menschen das Harz der Fichte zur Herstellung von Lacken, Terpentin oder Kolophonium. Da die Rinde relativ viel Gerbsäure enthält, wurde sie in der Lederproduktion eingesetzt. Die Nadeln enthalten äthe­rische Öle, die bakterizid wirken. Traditionell hat sich Fichtennadelöl innerlich und äußerlich bei entzündlichen Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege bewährt. Äußerlich angewendet fördert das duftende Öl die Durchblutung und lindert Beschwerden bei rheumatischen Erkrankungen, Verstauchungen und Prellungen. Wunderbar entspannend wirkt Fichten­nadelöl in Badeessenzen; in Raumsprays soll es den Geruch in Wohnräumen verbessern.

Die Fichte liefert aber auch Genuss pur. Sie gehört zu den Hauptlieferanten von Waldhonig. Der stammt von Honigtau ausscheidenden Schild- und Rindenläusen, die während der Austriebszeit der Fichte die dann sehr zuckerhaltigen Leitungsbahnen anzapfen. Die Bienen sammeln den Honigtau ein und verarbeiten ihn weiter zu einem hell- bis dunkelbraunen würzigen Honig. /

Ganz schön giftig

Im November 2004 rief der Botanische Sondergarten Wandsbek erstmals dazu auf, sich online an der Wahl zur »Giftpflanze des Jahres« zu beteiligen. Für 2017 standen fünf Pflanzen zur Wahl: Hanf, Stechpalme, Tränendes Herz, Dieffenbachie und Kaffee. Mit Kaffee wurde erstmals die Kategorie der giftigen Nahrungspflanzen mit aufgenommen.

Unter den aktuellen Kandidaten zählen Stechpalme (Ilex aquifolium) und die Zierpflanze Dieffenbachie, ein Aronstabgewächs, zu den stark giftigen Pflanzen, während Hanf (Cannabis sativa), die Gartenzierpflanze Tränendes Herz (Lamprocapnos spectabilis) und Kaffee (Coffea arabica) zu den giftigen Vertretern gehören. In der online-Abstimmung setzte sich »Tränendes Herz« als Giftpflanze des Jahres 2017 klar durch. Auf Platz 2 landete die Stechpalme, dann folgen Hanf, Kaffee und Dieffenbachie. Das Tränende Herz ist ein Mohngewächs (Papaveraceae) und blüht von Mai bis Juli. Ihre wunderschöne und extravagante Blütenform macht sie zu einer beliebten Zierpflanze im Garten. Vor allem Kinder sollten wissen, dass die Pflanze giftig ist und ihr Pflanzensaft Kontaktallergien hervorruft.