PTA-Forum online
Berufspolitik

Start ins Jahr 2017

04.01.2017  11:17 Uhr

Von Annette van Gessel / Zum Jahreswechsel lassen viele Menschen das alte Jahr kritisch Revue passieren und beginnen das neue mit guten Vorsätzen. PTA-Forum befragte Sabine Pfeiffer, Vorsitzende des Berufsverbands für PTA, sowie Andreas May, Erster Vorsitzender der Apothekengewerkschaft Adexa, wie ihr Jahresrückblick aussieht und welche Ziele sie sich für 2017 gesteckt haben.

PTA-Forum: Welches berufspoli­tische Ereignis war im Jahr 2016 für Sie am wichtigsten?

Pfeiffer: Ohne Frage war dies das Urteil des EuGH, welches den auslän­dischen Versandapotheken die Gewährung von Rabatten auf verschreibungspflichtige Arzneimittel zugestand, während den Apotheken in Deutschland dieses weiterhin – aus gutem Grund – untersagt ist. Dieses Urteil sehen wir als ausgesprochen negatives berufspolitisches Ereignis und es wird auch uns PTA betreffen, die wir tagtäglich unsere Arbeit in der Apotheke verrichten. Hier ist die Politik gefragt, möglichst schnell eine juristisch haltbare Lösung zu finden!

May: Ich möchte mit den positiven Dingen beginnen: Als PTA war für mich der zweite Runde Tisch zur PTA-Novellierung, zu dem Adexa Mitte März eingeladen hatte, ein bedeutsames Ereignis. Das Treffen hat gezeigt, dass die Interessenvertreter sich einem Konsens annähern könnten. Sehr wichtig war für mich auch das Signal, dass die Politik Rezepturen und die Abgabe von BtM besser honorieren will.

Und für mich persönlich war natürlich die Wahl zum Ersten Vorsitzenden von Adexa wichtig. Dies ist ein großer Vertrauensbeweis und mit vielen Aufgaben verbunden, die berufspolitischen Interessen meiner Kolleginnen und Kollegen in den Apotheken – und zwar nicht nur der PTA, sondern aller Berufsgruppen – in der Fachöffentlichkeit und der Politik zu vertreten. Dass man 2016 nicht ohne das EuGH-Urteil sehen kann, versteht sich von selbst – ich bin aber optimistisch, dass es hier für die Apotheken in Deutschland eine gute Lösung geben wird.

PTA-Forum: Welche Ziele haben Sie sich für das neue Jahr gesetzt?

Pfeiffer: Die Novellierung des Berufsgesetzes steht nach wie vor obenan – besonders in diesen Zeiten, in denen es um den Erhalt der Vor-Ort-Apotheken geht! In der Verlängerung der Ausbildungszeit auf drei Jahre sehen wir auch eine Chance für die Apotheken. Denn nur so können die zukünftigen PTA den permanent steigenden Anforderungen gewachsen sein. Zudem sollte in der geänderten Ausbildung neuen Arbeitsmöglichkeiten der PTA in weiteren Tätigkeitsfeldern der Gesundheitsbranche Rechnung getragen werden.

Schließlich wollen wir, dass unser Beruf mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung rückt. Wir möchten durch Image-Kampagnen den Beruf in der breiten Öffentlichkeit bekannt machen, vor allem positiv darstellen.

May: Ein zentrales Ziel ist es, dass wir tarifpolitisch wegen des EuGH-Urteils nicht die Segel streichen. Gerade jetzt brauchen wir gute, motivierte Beratung im HV, damit die Patienten den Unterschied zu ausländischen Versendern spüren. Wenn die Arbeitgeber ihre Mitarbeiter jetzt finanziell im Regen stehen lassen, ist das kontraproduktiv. Und man könnte es den Kolleginnen und Kollegen dann auch nicht verdenken, wenn sie verstärkt über einen Wechsel, zum Beispiel in die Industrie, nachdenken.

Hierzu gehört für mich aber nicht nur eine Gehaltserhöhung, sondern auch das Thema tarifliche Honorie­rung von Fort- und Weiterbildung – und eine tarifliche Einstufung der Filialleiter.

Das zweite große Ziel für mich ist, dass wir in Ostdeutschland wieder eine geschlossene Tariflandschaft erreichen. Es gab Ende 2016 positive Signale aus Sachsen – wenn wir hier im Laufe des Jahres zu Ergebnissen kommen, wäre 2017 für mich auf jeden Fall ein gutes Jahr.

PTA-Forum: Was ist Ihr größter Wunsch, den die Politik den PTA im Jahr 2017 erfüllen könnte?

Pfeiffer: Die Politik soll sich aufraffen und als erstes die Änderung des Berufsgesetzes auf den Weg bringen! Schließlich ist dieses das längste nicht novellierte Gesundheitsberufsgesetz. Und in einem Atemzug muss dann auch die Novellierung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung folgen. Und wenn wir schon dabei sind: Die Ausbildungsfinanzierung sollte auch bundesweit einheitlich geregelt werden. Immerhin steht Bildung bei allen Parteien obenan! Aber wenn es dann um die Ausbildung zum PTA geht, zieren sich die Regierungen. Und natürlich stärkt ein Versandverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel die Apotheken vor Ort und kann somit unsere Arbeitsplätze dort ­sichern.

May: Für PTA, aber auch für die anderen Apothekenberufe, wünsche ich mir eine sichere Zukunft. Das heißt vor allem: gute finanzielle Rahmenbedingungen für die PTA-Schulen und die pharmazeutischen Institute, damit der Berufsnachwuchs nicht ausbleibt. Aber auch für die öffentlichen Apotheken als ihr wichtigster Arbeitgeber. Auch wir Angestellten brauchen Planungssicherheit und wollen nicht zittern müssen, ob wir unserem wunderbaren Beruf auch künftig noch wohnortnah und existenzsichernd nachgehen können.

PTA-Forum: In welche Richtung sollte sich der PTA-Beruf beziehungsweise die neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung entwickeln?

Pfeiffer: Inzwischen gibt es in der Gesundheitsbranche ganz viele Arbeitsbereiche, in denen sich pharmazeutisch-technische Assistentinnen als Angehörige eines Gesundheitsfachberufes etabliert haben. Ein Berufsgesetz sollte dem Rechnung tragen.

Das so entstehende neue Berufsbild muss natürlich auch in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung berücksichtigt werden. Insgesamt müssen die für uns geltenden Gesetze und Verordnungen zukunfts- und kompetenzorientiert neu gestaltet werden.

May: Dass eine neue Ausbildungs- und Prüfungsordnung nun wohl doch erst in der nächsten Legislaturperiode kommen wird, ist ärgerlich. Wenn wir als Apotheken stärker in Richtung Medikationsmanagement und Zusammenarbeit mit den Ärzten auf Augenhöhe gegen wollen, müssen auch die nichtapprobierten Mitarbeiter mehr und neue Kompetenzen erwerben. Dafür muss schon die Ausbildung die richtige Grundlage liefern. Daher hat sich Adexa seit Jahren für eine Verlängerung der schulischen Ausbildung stark gemacht. Die längere Ausbildungszeit ist auch den Betroffenen selbst wichtig, wie unsere Umfrage gezeigt hat. Aber wenn es auf ein längeres Praktikum hinauslaufen würde, dann nur mit begleitendem Unterricht und entsprechender tariflicher Honorierung.

PTA-Forum: Mit Blick auf den zukünftigen Mangel an PTA noch eine letzte Frage: Mit welchen Argumenten würden Sie versuchen, junge Frauen für den PTA-Beruf zu gewinnen?

Pfeiffer: Zum Beruf brauche ich eigentlich keinen neuen Argumente aufzuzählen. Ich kenne fast nur Vorteile: Er ist abwechslungsreich, interessant, vielseitig und spannend.

Eigentlich sind es die Rahmenbedingungen, bei denen es hapert und die oft erklärungsbedürftig sind: Man muss zur Ausbildung verdammt viel Geld mitbringen, die Karrierechancen sind mangelhaft, die Arbeitszeit, zumindest in öffentlichen Apotheken, ist nicht ideal. Aber wer gern mit Menschen zusammenarbeitet, naturwissenschaftlich interessiert ist, der trifft mit dem PTA-Beruf die richtige Wahl.

Und Zweiflern sei gesagt: Es gibt 2017 gute Aussichten auf positive Veränderungen der Rahmenbedingungen. Wir vom BVpta lassen nicht locker und werden unsere Forderungen, sowohl in der Politik als auch bei der ABDA, immer wieder aufs Tapet bringen!

May: Diese Frage finde ich als männ­licher PTA ein bisschen kritisch. Es ist schade, dass die Argumentation pro PTA immer in Richtung Frauenberuf mit guten Teilzeitmöglichkeiten geht, also eher als Zuverdienst im traditionellen Familienmodell angepriesen wird. Unser Beruf ist so wahnsinnig vielseitig, er hat naturwissenschaftlich-mathematische und soziale Komponenten. Wir erleben jeden Tag großes Kino in der Apotheke, stehen jeden Tag vor neuen Herausforderungen durch und für unsere Kunden. Dieser Beruf ist auch attraktiv für Männer und er sollte so vergütet werden, dass er auch für Familienernährer und Allein­erziehende geeignet ist. Und außerdem auch eine vernünftige Altersvorsorge ermöglicht! Wenn wir vom Image des Frauenberufs wegkommen, wäre das für alle PTA – die weiblichen wie die männlichen – von Vorteil. /

Adexa und BVpta online

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