PTA-Forum online
Glosse

Steine im Oberstübchen

05.01.2017  16:07 Uhr

Von Ullrich F. J. Mies / Jeder hat schon einmal von Gallensteinen, Blasensteinen oder Nierensteinen gehört, mancher war von diesen sehr schmerzhaften Steinleiden sogar schon selbst betroffen. Im Vergleich dazu sind Speichel- und Mandelsteine eher selten und daher auch weniger bekannt. Kaum zu glauben, selbst Kotsteine gibt es. Und wenn Ohrsteinchen in Unordnung geraten, stellt sich ein nachhaltiges Schwindelgefühl ein.

Eine neue medizinische Entdeckung hingegen sind die Hirnsteine. Insbesondere in Deutschland - dem Hort der aussterbenden Dichter und Denker - treten Hirnsteine in den letzten Jahren, von der Öffentlichkeit hartnäckig ignoriert, in geradezu epidemischem Ausmaß auf. Nicht nur die zunehmende Häufigkeit des Hirnsteinbefalls ist Besorgnis erregend, auch der rapide Verlauf dieser gefährlichen Zerebralerkrankung stellt die Fachwissenschaft noch vor große Rätsel.

Die Hirnsteinerkrankung ist insbesondere deshalb so gefährlich, weil sich die Hirnsteine im Kopfgehäuse vieler Zeitgenossen bereits kurz nach Auftreten des Erstbefalls in immer neuen Schüben zu wahren Geröllhalden auftürmen und den Denkapparat letztlich vollständig lahmlegen. Auch wenn die medizinische Erforschung der Hirnsteine erst am Anfang steht, können einige Experten schon heute sagen, dass bereits nach wenigen Hirnstein-Schüben die ursprüngliche Hirnmasse vollständig von Konkrementen verdrängt wird und es folglich im Oberstübchen ganz gewaltig rappelt. 

Diagnose und Therapie

Die Diagnose „Hirnsteine“ bedeutet für den behandelnden Mediziner: Er kann seinem Patienten kaum noch helfen, da die Erkrankung stets schnell und irreversibel verläuft. Dabei hätten Betroffene die ersten Veränderungen im Oberstübchen schon frühzeitig bemerken können. Stattdessen ignorieren sie die unverkennbaren Rasselgeräusche bei jeder Kopfbewegung. Zunächst sind diese nur leise hörbar, nach weiterer Progression der Hirnsteinerkrankung jedoch deutlich zu vernehmen. Im Endstadium der Erkrankung stellt sich totale Stille ein, dann, wenn sich das Geröll zu Beton versteinert hat. Hirnsteinerkrankung und Betonkopf stehen - soweit ist die Forschung bereits - in einem direkten und unauflöslichen Zusammenhang.

Die ersten zaghaften Ansätze einer Theoriebildung haben unter den Experten bereits zu zwei Schulen geführt: Während die eine Gruppe der Hirnstein-Theoretiker fest davon überzeugt ist, dass bei den Betroffenen eine genetische Disposition vorliegt, ist die andere Gruppe sich sicher, dass das Befeuern stets derselben Synapsen mit Fake News zu kristallinen Ausfällungen im Gehirn führt, die sich schließlich zu Hirnsteinen verfestigen. Stichhaltige Beweise für ihre Hypothesen konnte bislang weder die eine noch die andere Wissenschaftlergruppe vorlegen.

Da alle bisher bewährten Therapien zur Steinentfernung, wie minimal-invasive chirurgische Eingriffe, traditionelle Operationsmethoden, Lithotripsien (extrakorporale Zertrümmerung durch Ultraschall oder Stoßwellen) sowie die Litholyse (Auflösung der Steine) zum Scheitern verurteilt sind, hilft gegen Betonköpfe wohl nur noch die Abrissbirne. /

TEILEN
Datenschutz
THEMEN
Nieren