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Pharmacon Davos

Frischer Wind vom Zauberberg

27.02.2008  09:56 Uhr

Pharmacon Davos

Frischer Wind vom Zauberberg

Sven Siebenand, Davos

Die Fortbildungswoche der Bundesapothekerkammer in Davos beschäftigte sich in diesem Jahr mit Hals, Nase, Ohren und den Atemwegen. Aus den Seminaren und Vorträgen nahmen die Teilnehmer viele wertvolle Tipps für das Beratungsgespräch mit nach Hause.

Grippe oder grippaler Effekt? Im Beratungsgespräch gilt es, die banale Erkältung von der echten Influenza abzugrenzen. Apothekerin Dr. Birgid Merk, München, verwies in Davos auf wichtige Unterschiede im Verlauf und in der Schwere des Krankheitsbildes. So ist die Influenza meist durch einen plötzlichen Krankheitsbeginn gekennzeichnet. Charakteristische Symptome der Grippe sind hohes Fieber (> 38 °C), Schüttelfrost, Muskel- und Gliederschmerzen, Husten, Halsschmerzen sowie Heiserkeit. Während sich Patienten mit einer banalen Erkältung meistens schnell wieder erholen, sind Grippepatienten oft ein bis zwei Wochen ans Bett gefesselt.  

Handelt es sich um eine Erkältung, gilt es die genauen Symptome zu hinterfragen. Husten, Schnupfen oder Halsweh: PTA oder Apotheker wählen dann die geeigneten Arzneimittel für die Selbstmedikation aus. Neben den gängigen Halsschmerzpräparaten, die Lokalantiseptika, -antibiotika, -anästhetika oder -analgetika enthalten, verwies Merk auch auf Phytopharmaka mit Salbei, Kamille oder Isländischem Moos. Als Tipp für Anhänger der Homöopathie ergänzte sie: »Das klassische Homöopathiemittel gegen Halsschmerzen sind Globuli mit Phytolacca americana.«

Dass Nasensprays und -tropfen mitlokalen b-Sympathomimetika maximal zwei bis dreimal pro Tag über höchstens sieben Tage angewendet werden sollten, wissen die meisten Patienten. Nicht jeder weiß jedoch, dass konservierungsmittelfreie Nasensprays nur begrenzt haltbar sind. Als Richtschnur nannte Merk zwei bis drei Monate für Dosiersprays und circa vier Wochen für Quetschflaschen und Tropfen.

Impfung nützt und schützt

Während eine banale Erkältung in der Regel komplikationslos verläuft, ist die Influenza potenziell lebensgefährlich. Pro Jahr sterben hierzulande zwischen 5 000 und 10 000 Menschen an ihren Folgen. 90 Prozent der grippe-bedingten Todesfälle betreffen Senioren. »Den besten Schutz vor Influenza bietet die Impfung«, sagte Professor Dr. Thomas Weinke aus Potsdam im Rahmen seines Vortrages. Die Durchimpfungsraten ließen zu wünschen übrig: Bei der Generation 60+ liegt sie nur bei etwa 50 Prozent und bei den im Gesundheitswesen Tätigen aller Altersgruppen und damit besonders Infektionsgefährdeten sogar nur bei 25 Prozent. Die optimale Zeit für die Impfung sind die Monate September bis November. Im Falle einer drohenden Grippewelle ist eine Impfung aber auch noch zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll. »Bis sich der Impfschutz voll ausgebildet hat, dauert es etwa zwei Wochen, danach hält er für etwa sechs Monate an«, informierte der Mediziner.

Hat man sich mit den Viren ansteckt, dann stehen für die spezifische Therapie vor allem die Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir (Tamiflu®) und Zanamivir (Relenza®) zur Verfügung. Die Therapie sollte unbedingt innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome einsetzen. »Danach macht es keinen Sinn mehr«, sagte Weinke. Während Zanamivir bei Kindern ab fünf Jahren zugelassen ist, hat Oseltamivir die Zulassung bereits für Kleinkinder ab einem Jahr.

Ohne Rauch geht’s auch

Täglich sterben in Deutschland mehr als 300 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das sind mehr als 110 000 Tote pro Jahr. Schätzungen zufolge sind rund 40 Prozent der Raucher in Deutschland, etwa 6,8 Millionen Menschen, tabakabhängig. »Unter den drei Risikofaktoren Alkohol, Adipositas und Rauchen ist letzteres der empfindlichste Gesundheitsparameter«, erklärte Professor Dr. Walter Schunack, Berlin, im Rahmen seines Vortrages. 

Keine probaten Entwöhnungsmittel seien die Rauchfrei-Spritze, das Ausreden der Lust am Rauchen in Sechs-Stunden-Seminar nach Allen Carr oder die Aversionstherapie, das heißt Rauchen bis einem schlecht wird. 

Den höchsten Stellenwert unter den medikamentösen Methoden habe die Nicotinersatztherapie. Obwohl die Präparate nicht verschreibungspflichtig sind, bestehe Beratungsbedarf. Pflaster, Kaugummi oder Tabletten: Die Wahl der Darreichungsform richtet sich nach dem Rauchverhalten. Aus Pflastern flutet Nicotin eher langsam, dafür aber kontinuierlich an. Sie eignen sich für Raucher, die in regelmäßigen Abständen zur Zigarette greifen. Die Behandlung sollte maximal zwei bis drei Monate dauern. Jeden Morgen muss der Patient ein neues Pflaster auf eine andere unbehaarte Körperstelle kleben. Da Nicotin aus den Kaugummis schneller anflutet, eignen sich diese besser, um das spontane Verlangen nach einer Zigarette zu unterdrücken. Ein Tipp für die Anwendung: Das Kaugummi im Backenzahnbereich abwechselnd rechts und links 30 Sekunden ein- bis zweimal kauen. Bei zu schnellem und häufigem Kauen drohen Übelkeit und Sodbrennen.

Um Schleimhautläsionen zu vermeiden, gilt als Empfehlung für Nicotin-Lutschtabletten, ebenfalls zwischen beiden Seiten der Mundhöhle regelmäßig zu wechseln. Unter keinen Umständen darf der Patient sie hinunterschlucken oder zerkauen. Für Raucher, die später als 30 Minuten nach dem Aufstehen zum Glimmstengel greifen, reichen die 2-mg-Tabletten. Wer schon früher die erste Zigarette anzündet, ist mit den 4-mg-Tabletten besser bedient. Zielgruppen für die Sublingualtabletten mit Nicotin sind zum Beispiel Zahnprothesenträger. 

»Wenn der Betroffene wieder anfängt zu rauchen, muss die Nicotinersatztherapie sofort abgebrochen werden, denn es besteht Vergiftungsgefahr«, betonte Schunack. Abschließend nannte er noch ein weiteres Argument, um Menschen vom Rauchen abzubringen. »Nichtraucherküsse schmecken besser!«

 

E-Mail-Adresse des Verfassers:
S.Siebenand(at)govi.de 

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