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Metabolisches Syndrom

Risikofaktor Übergewicht anprangern

27.02.2008  10:02 Uhr

Metabolisches Syndrom

Risikofaktor Übergewicht anprangern

PTA-Forum / Mediziner sind sich einig in ihrer Forderung: Die Bevölkerung der Industrieländer muss mit großen Kampagnen über den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgeklärt werden. Es gilt als erwiesen, dass die übergewichtigen Kinder und Jugendlichen von heute die Diabetiker von morgen sind und Diabetes ein wichtiger Risikofaktor für Herzinfarkt oder Schlaganfall ist.

Seit Jahren haben Krankenkassen und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen exzessiven Zigarettenkomsums informiert. Das unermüdliche Engagement trägt nun erste Früchte, unter anderem in den gesetzlichen Regelungen zum Schutz der Nichtraucher.

»Was wir beim Rauchen geschafft haben, müssen wir nun beim Übergewicht erreichen«, forderte der Diabetologe Professor Dr. Stephan Martin auf einer Fortbildungsveranstaltung für Ärzte und Apotheker in Aachen. Martin ist Ärztlicher Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ) am Krankenhaus Gerresheim Sana Kliniken in Düsseldorf. »Wir müssen uns sehr viel mehr um die Gewichtsreduktion junger Menschen kümmern«, so Martin weiter. »Immer noch betrachten zu viele Menschen Übergewicht als ein ästhetisches Problem.«

Zahlreiche Studien hätten eindeutig den Zusammenhang zwischen Adipositas von Kindern und Jugendlichen und der Entstehung von Typ 2 Diabetes gezeigt. Neue Berechnungen ergäben, dass die Behandlungskosten der Diabetes-Folgeerkrankungen höher sind als die Summe der Kosten für Antidiabetika, Insulin und Arztbesuche. Die kardiovaskulären Folgen eines Diabetes Typ 2 müssten sehr viel mehr beachtet werden. »Ich behaupte, fast jeder Herzinfarktpatient hat einen Diabetes oder eine diabetische Stoffwechselstörung, beim Schlaganfall dürfte das ähnlich sein«, so die Einschätzung Martins.

Eine Untersuchung aus den USA bestätigt die Vermutung des Diabetologen. Wissenschaftler um John A. Morrison vom Children’s Hospital Medical Center in Cincinnati, Ohio, werteten die Daten von 771Kindern und Jugendlichen aus, die zwischen 1973 und 1976 an der »National Heart, Lung and Blood Institute Lipid Re-search Clinics Princeton Prevalence Study« teilgenommen hatten. In dieser Studie wurden folgende Werte der 6- bis 19-Jährigen dokumentiert: Blutglucose, Triglyzeride, HDL-Cholesterol, Körpergewicht und Blutdruck. Als Morrison und seine Kollegen diese Werte überprüften, stellten sie fest, dass bereits damals 31 der 771 untersuchten Kinder und Jugendlichen unter dem Metabolischen Syndrom litten. Zum Metabolischen Syndrom gehören Übergewicht, Insulinresistenz, Hypertonie und Dyslipidämie.

Im Rahmen der »Princeton Follow-up Study« im Zeitraum zwischen 2000 und 2004 wurden alle Studienteilnehmer noch einmal untersucht. Ein wichtiges Ergebnis dieser zweiten Studie: Das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhte sich um ein Vielfaches, wenn bereits in der Kindheit ein Metabolisches Syndrom vorlag. Die Autoren schließen daraus, dass bei Kindern und Jugendlichen insbesondere Übergewicht, aber auch Gesundheitsstörungen, die auf ein Metabolisches Syndrom hinweisen, sehr ernst genommen werden müssen. Nur die rechtzeitige Diagnose und geeignete Gegenmaßnahmen könnten die frühzeitige Entwicklung von Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern oder zumindest aufhalten, so die Wissenschaftler.