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Mobbing

Schlechtes Betriebsklima

26.02.2009  11:39 Uhr

Mobbing

Schlechtes Betriebsklima

von Dragan Pavlovic und Sigrid Joachimsthaler

Einige Angestellte werden am Arbeitsplatz durch ihren Chef oder Kollegen gemobbt.Dies kommt auch in der Apotheke vor und belastet die Betroffenen psychisch und physisch. Häufig beginnt dieser Prozess schleichend oder sorgt dauerhaft für ein schlechtes Betriebsklima. Die neue Serie des PTA-Forums gibt ihnen Ratschläge, wie man schlechte Stimmung vermeiden oder ihr begegnen kann.

Ein Beispiel aus der Praxis: An ihrem ersten Tag in der neuen Apotheke soll Silvia K. von ihrer Kollegin Margot M. in das PC-Programm eingearbeitet werden. Der Chef hat Margot M. mal eben im Vorbeigehen gebeten: »Sie arbeiten Frau K. bitte am Computer ein.« Die Kollegin zeigt Silvia K. nur kurz, wie es geht, und drängelt dann: »Jetzt muss ich aber wieder in den HV. Sie müssten das doch jetzt können!« Als Silvia K. am nächsten Tag noch eine Nachfrage hat, reagiert Frau M. genervt und raunt für alle hörbar einer anderen Kollegin zu: »Wen hat der Chef uns da bloß angeschleppt? Die kann sich ja gar nichts merken.« Bald schon ist Silvia K. im Team als schwarzes Schaf verschrien, die ihre Kolleginnen mit ihren ständigen Fragen bei der Arbeit stört.

Einige Neulinge erleben vergleichbare Situationen. Die Ursache für diesen Stress unter Kolleginnen ist in dem beschriebenen Fall die mangelnde Führungsqualität des Apothekenleiters. Hätte der Chef stattdessen für die Einarbeitung der neuen Kollegin einen Zeitpunkt festgelegt, zu dem in der Apotheke üblicherweise wenig Betrieb herrscht, wäre ein effizientes Lernen möglich gewesen. Zu seiner erfahrenen Mitarbeiterin hätte er sagen sollen: »Bitte arbeiten Sie Frau K. ein, bis sie sich sicher fühlt. Auch hinterher soll sie sich immer wieder an Sie wenden können.« Nach der Einweisung sollte der Chef außerdem die neue Mitarbeiterin fragen, ob sie zufrieden ist und zurechtkommt.

Zuständigkeiten klären

Typische Gründe für ein schlechtes Betriebsklima sind schlechte Führungsqualitäten, schlechte Arbeitsorganisation und mangelnde Kollegialität. Apothekenleiter mit schlechten Führungsqualitäten geben keine klaren Arbeitsanweisungen und keine klare Arbeitsaufteilung. Sie halten sich aus allen Konflikten heraus: »Regeln Sie das unter sich.« Doch es gibt auch Chefs mit Kontrollzwang. Demotivierend wirkt, wenn der Chef trotz guter Umsätze ständig an seinen Mitarbeitern herumnörgelt und unzufrieden ist. Charakteristisch für eine schlechte Arbeitsorganisation sind ungeklärte Zuständigkeiten. Auch der motivierteste Mitarbeiter reagiert letztlich frustriert, wenn er den Chef ständig um Erlaubnis fragen muss bei Dingen, die eigentlich in den eigenen Verantwortungsbereich gehören. Chefs, die ihre Mitarbeiter ständig kontrollieren wollen, sind nicht nur nervig, sondern nehmen ihnen alle Freude an der Arbeit. Auch wer an Personal spart, muss sich nicht wundern, wenn die Mitarbeiter ständig überlastet sind.

Wenn jeder für sich arbeitet

Die anderen Kollegen können ebenfalls Ursache des schlechten Klimas sein, zum Beispiel wenn jeder für sich arbeitet und niemand anderem hilft. Oft beschäftigt ein Chef, der selbst zu wenig Wert auf Teamarbeit legt, genau solche Mitarbeiter. Sich in so ein »Team« einzufügen oder das Klima zu verbessern, ist meist unmöglich. In dieser Atmosphäre entwickelt sich leicht ein Mobbing-Fall, denn die »alten« Angestellten erhalten volle Rückendeckung vom Chef für ihr ausgrenzendes und anmaßendes Verhalten gegenüber neuen Mitarbeitern. 

Was können Mitarbeiter tun, wenn die Atmosphäre im Team nicht stimmt? Hier einige Empfehlungen: Oft ist es hilfreich, in einer Teambesprechung konstruktive Vorschläge zur Veränderung der Arbeitsorganisation zu machen. Regelmäßige Teambesprechungen sind grundsätzlich ein gutes Instrument, um die Ursache schlechter Stimmung zu thematisieren und immer wieder für »reinen Tisch« zu sorgen. Wenn sich dabei herausstellt, dass sich manche Kollegen aus Angst vor Repressalien nicht kritisch äußern wollen, könnte Teams mit vielen Mitarbeitern eine anonyme Befragung zum Betriebsklima weiterhelfen. Die Antworten müssten dann beim nächsten Treffen des Teams besprochen werden.

Informationen aus dem Internet

Kritik fällt oft schwer

Eine heiklere Sache ist es, vom Chef eine Veränderung des Führungsverhaltens einzufordern. Hier sind konkrete und konstruktive Wünsche notwendig, wie es in Zukunft besser laufen könnte. Pauschale Kritik nach dem Motto: »Sie sind ein zu lascher/zu bevormundender Chef«, ist dagegen eher kontraproduktiv und verärgert meist den Arbeitgeber. Möglich ist zum Beispiel auch, interne Regeln für die Kommunikation, für Kritik und Beschwerden einzuführen, damit auch eher schüchterne Kollegen zu Wort kommen. In größeren Apotheken kann das Team einen Betriebsrat wählen – dabei leistet die Apothekengewerkschaft Adexa Hilfestellung. Wenn es in der Apotheke heiß hergeht, und die schlechte Stimmung alle belastet, kann es sinnvoll sein, einen externen Berater hinzuzuziehen. 

Manchmal lässt sich das Betriebsklima auch durch gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeit verbessern, zum Beispiel durch eine Einladung zu einem Essen, einem regelmäßigen Stammtisch, zu kulturellen Unternehmungen oder durch ein privates Telefongespräch. Alles, was die Kollegen einander näher bringt, verhindert, dass einzelne in der Apotheke isoliert werden. Dann wird Mobbing eher unwahrscheinlich.

E-Mail-Adresse der Verfasser:
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