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Reizmagen und Reizdarm

Neuner-Kombination hat sich bewährt

24.02.2010  11:22 Uhr

Reizmagen und Reizdarm

Neuner-Kombination hat sich bewährt

von Brigitte M. Gensthaler, Bad Wörishofen

Ein Klassiker unter den pflanzlichen Magenmitteln feiert seinen 50. Geburtstag: Iberogast® Tropfen kamen zu Beginn des Jahres 1960 auf den deutschen Markt. Das Medikament wird bis heute in unveränderter Rezeptur, aber nach modernen Qualitätsstandards hergestellt.

Ein Expertenteam der Firma Steigerwald stand vor rund 50 Jahren vor der Aufgabe, ein pflanzliches Arzneimittel mit möglichst umfassender Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt zu entwickeln. Das neue Medikament sollte mehr als ein Bittermittel (Amarum) oder ein Antazidum sein. Letztlich hätten die Fachleute Extrakte aus Iberis amara (Bittere Schleifenblume) sowie aus acht weiteren Heilpflanzen kombiniert und damit einen Volltreffer gelandet, berichtete Claudia B. Maier, Leiterin OTC-Management bei Steigerwald anlässlich des Jubiläums-Symposiums in Bad Wörishofen. 

Es ist das einzige Arzneimittel, das vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowohl für die Indikation Reizmagen als auch Reizdarm zugelassen ist. Das Phytopharmakon hilft bei so unterschiedlichen Beschwerden wie Sodbrennen, Völlegefühl, Übelkeit, Blähungen, Schmerzen und Krämpfen im Bauchraum. Auch die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten führt es in ihren Therapieleitlinien unter beiden Indikationen auf. 

Im Unterschied zu chemisch definierten Einzelstoffen gilt bei Phytopharmaka der ganze Extrakt als Wirkstoff. Je nach den Wachstumsbedingungen variieren jedoch die Inhaltsstoffe der Pflanzen erheblich und damit auch die Zusammensetzung des Extrakts. Daher müsse der pharmazeutische Hersteller eine Reihe von Qualitätskriterien beachten, damit der Patient immer ein gleichbleibend hochwertiges Phytopharmakon erhält, erklärte die Biologin Dr. Bettina Vinson von der Wissenschaftlichen Abteilung des Darmstädter Unternehmens. 

Qualität von Anfang an

Der Qualitätsprozess beginnt beim Anbau und der Ernte der Pflanzen, die nach den Regeln der Good Agricultural and Collecting Practice (GACP) erfolgen müssen. Iberis amara gehört zur Familie der Brassicaceae, ist also mit Rettich, Kohl und Senf verwandt. Ursprünglich war die weiß blühende Pflanze im gesamten westlichen Mittelmeerraum verbreitet; heute ist sie vom Aussterben bedroht. Da die Firma für ihr Phytopharmakon jährlich etwa 30 000 Kilogramm Frischpflanzen benötigt, werde Iberis amara auf weiten Feldern rund um Darmstadt kultiviert, berichtete die Biologin. 

Zur Blütezeit im Juni und Juli verströmen die Felder einen intensiven süßlichen Duft. Täglich prüfen Experten dann den Inhaltsstoffgehalt der Pflanzen. Geben sie den Startschuss für die Ernte, werden die »reifen« Pflanzen inklusive der Wurzel sehr rasch von Hand eingesammelt. Bei Ernte, Abfüllung in Säcke und Transport dürfen Stängel und Blätter nicht geknickt werden, da sonst enzymatische Abbauprozesse in Gang kommen. 

Kontrolle bei der Verarbeitung

Die frischen ganzen Pflanzen werden sofort schockgefroren, damit die Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Iberis amara enthält bittere Triterpene, vorwiegend Cucurbitacine, Flavonoide und Glucosinolate. Die Tiefkühllagerung stellt außerdem sicher, dass während des ganzen Jahres Iberis-amara-Pflanzen für die Produktion zur Verfügung stehen. Die weiteren acht Bestandteile des Phytopharmakons sind Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Angelikawurzeln, Kamillenblüten, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzeln. Diese werden als getrocknete Pflanzen (Droge) verarbeitet. Alle Prozesse müssten den üblichen GMP-Richtlinien (Good Manufacturing Practice) entsprechen, sagte Vinson. Für jede Pflanze gebe es zudem hauseigene Vorschriften und Vorgaben. 

Nach der Extraktion – je nach Pflanze durch Perkolation oder Mazeration – folgen weitere Qualitätskontrollen, bevor die Einzelextrakte gemischt werden. Die fertigen Tropfen enthalten 31 Volumenprozent Alkohol. Schließlich wird das Arzneimittel vollautomatisch abgefüllt und konfektioniert. Nach der letzten Kontrolle folgt die Endfreigabe für den Verkauf. 

Für die Zulassung als Arzneimittel seien auch die pharmakologische und toxikologische Sicherheit sowie die klinische Wirksamkeit intensiv überprüft geworden, bestätigte die Biologin. Inzwischen lägen umfangreiche Studien und Anwendungsbeobachtungen vor, die die Wirksamkeit der Neunerkombination bei Magen-Darm-Beschwerden nachweisen. Die Vielfalt der Inhaltsstoffe ermögliche eine umfassende Behandlung der verschiedenen Beschwerden bei Reizdarm und -magen. Iberogast wird nach Firmenangaben auf vier Kontinenten in 19 Staaten vertrieben.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
bm.gensthaler(at)t-online.de