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Dermatologie

Pflege für die Haut ab 50

23.02.2010
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Dermatologie

Pflege für die Haut ab 50

von Tanja Schweig

Mit zunehmendem Alter beobachten vor allem Frauen mit Besorgnis, wie sich ihre Haut verändert: Sie wird trocken, glanzlos und rau, bei mancher spannt, schuppt und juckt sie. Sie rötet sich, es entstehen Flecken und kleine Warzen. Lässt sich dieser Prozess beeinflussen? Und welche Pflege braucht die Haut?

Wie alle Organe des menschlichen Körpers altern, so verändert sich auch die Haut mit den Jahren. Zunächst lässt die Durchblutung nach, sodass die Hautzellen schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Auch die Zellen teilen sich immer seltener, und wenn sie sich teilen, geschehen dabei immer häufiger Fehler. Zusätzlich nehmen die Zellen Schaden durch freie Radikale. Diese entstehen im körpereigenen Stoffwechsel, aber auch durch Sonneneinstrahlung und andere Umwelteinflüsse.

Die Haut wird schließlich dünner, rissiger und verletzlicher, denn tief in der Haut, im Bindegewebe, bauen sich elastische und kollagene Fasern ab, und immer weniger Wasser wird dort gespeichert. Hautspannung und Elastizität lassen mehr und mehr nach, bis sich schließlich Fältchen und Runzeln bilden.

Empfindlich und trocken

Mit zunehmendem Alter sondern die Talgdrüsen weniger Hauttalg ab, die Schweißdrüsen weniger Schweiß. Dadurch wird der schützende Hydrolipidmantel der Haut dünner und reißt stellenweise auf. Die Haut schuppt, weil kleine Hornschüppchen aus der Oberfläche hinausragen. Zudem reagiert die Haut auf viele Umweltreize empfindlicher und neigt zu Irritationen, rötet sich oder juckt, beispielsweise wenn Menschen mit trockener Haut sich mit alkalischer Seife waschen oder Waschmittelrückstände in der Kleidung die Haut reizen.

Auch die Zusammensetzung der Kittsubstanz zwischen den toten Hornzellen der Epidermis verändert sich mit zunehmendem Alter. Diese Kittsubstanz bewahrt die Haut vor allem davor, dass aus tieferen Hautschichten Wasser verdunstet. Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielsweise der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der Kittsubstanz der Altershaut deutlich abnimmt. Ebenso lässt die Produktion der natürlichen Feuchthaltefaktoren nach, die normalerweise Feuchtigkeit in der Hornschicht zurückhalten. Letztlich verdunstet bei älteren Menschen deutlich mehr Wasser aus tieferen Hautschichten als bei jungen. Die Haut trocknet aus.

Vorzeitige Hautalterung

An lichtexponierten Stellen wie Händen, Unterarmen, Gesicht und Dekolleté entstehen vor allem bei hellhäutigen Menschen immer häufiger Altersflecken (Lentigines seniles oder L. solaris). Bei intensiver UV-Strahlung ohne ausreichenden UV-Schutz vermehren sich im Laufe der Jahre in der Haut Melanozyten. In ihnen reichern sich Pigmente an, die mit der Zeit nicht mehr abgebaut werden und zu dunklen Flecken führen.

Wie früh die Haut altert, hängt vor allem von genetischen Faktoren ab. Die Haut mancher Menschen altert jedoch vorzeitig, wenn sie zum Beispiel jahrelang starker UV-Strahlung ausgesetzt war oder extreme Wettereinflüsse die Haut gegerbt haben. Aber auch Rauchen fördert die Hautalterung.

Die Hersteller von Pflegekosmetika für die reife Haut verfolgen zwei vorrangige Ziele: Die Produkte sollen den Hydrolipidfilm ersetzen und helfen, die Kittsubstanz zu regenerieren. Deshalb enthalten alle Pflegeprodukte reichlich Lipide und Feuchthaltesubstanzen. Außerdem müssen die Kosmetika eine weitere wichtige Voraussetzung erfüllen. Weil die Haut so empfindlich reagiert, sollten alle eingesetzten Wirkstoffe besonders gut verträglich sein. Manche Kosmetika versorgen die Haut zusätzlich mit Liposomen, um entweder die Hautfeuchte zu erhöhen oder Wirkstoffe in der Hornschicht anzureichern.

Für die Beratung in der Apotheke heißt das konkret: Zur Reinigung der Gesichtshaut empfehlen PTA oder Apotheker den Kunden am besten milde Emulsionen oder hydrophile Öle. Tagsüber sollten Frauen ihre Haut mit O/W-Emulsionen pflegen, die einen Lipidanteil von über 50 Prozent aufweisen, zur Nacht W/O-Emulsionen auftragen. 

Zum Duschen oder Baden eignen sich saure, milde Syndets, die allerdings nur tropfenweise verwendet werden sollen. Zur Rückfettung empfiehlt sich ein Ölbad  oder Ölduschbad. Danach sollte die Haut vorsichtig trocken getupft und die noch leicht feuchte Haut sofort mit einer W/O-Emulsion oder einem Körperöl eingerieben werden. Als Lipidkomponente greifen die Kosmetikhersteller gerne auf pflanzliche Öle zurück, zum Beispiel aus den Samen von Nachtkerze oder Borretsch. Diese Öle weisen einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Omega-6-Fettsäuren auf, die die Kittsubstanz der Hornhaut stabilisieren sollen.

Unverzichtbar in Pflegeprodukten sind Feuchthaltefaktoren, zum Beispiel Kollagen, Elastin, Hyaluronate, Harnstoff oder Glycerin. Sie sorgen dafür, dass in der Hornschicht wieder mehr Wasser zurückgehalten wird. Durch die Hydratation der Hornschicht heben sich winzige Hautvertiefungen an, sodass kleinste Fältchen optisch verschwinden. Die Haut wirkt deutlich glatter.

Fruchtsäuren, auch alfa-Hydroxysäuren genannt, erhöhen ebenfalls den Feuchtigkeitsgehalt der Haut und verbessern das Hautbild. Meistens vertragen die Verbraucher geringe Konzentrationen gut. Dennoch: Auf sehr empfindlicher Haut können Fruchtsäuren brennen und zu Rötungen führen. Dann müssen die Produkte abgesetzt werden. Nie dürfen die Cremes in die Augen gelangen!

In höheren Konzentrationen besitzen Fruchtsäuren einen Peeling-Effekt: Sie lockern die Hornhautschuppen, sodass diese leichter abgeschilfert werden. Die Hautoberfläche wird dadurch gleichmäßiger und glatter. In sehr hohen Konzentrationen von über 40 Prozent setzen Ärzte Fruchtsäuren ein, um die Haut zu schälen oder Altersflecken und Warzen zu beseitigen.

Antioxidanzien

Cremes für die reife Haut enthalten fast immer Antioxidanzien wie die Vitamine E und C, Beta-Carotin, Coenzym Q10 oder Flavonoide. Die Antioxidanzien verhindern bereits in den Produkten, dass die enthaltenen oxidationsempfindlichen mehrfach ungesättigten Fettsäuren verderben. Dringen die Antioxidanzien auf der Haut bis in die Nähe der Basalschicht vor, wo neue Hornzellen gebildet werden, können sie dort freie Radikale unschädlich machen. Sie schützen damit vor lichtinduzierter Hautalterung und Altersflecken und sollen auch die Zellteilung in der Basalschicht anregen. Einen bereits entstandenen Schaden können die Antioxidanzien allerdings nicht mehr beseitigen. 

In Cremes für die reife Haut finden sich zudem Zusätze anderer Vitamine. Zum Beispiel erweicht Vitamin A die Haut und glättet sie, in höheren Konzentrationen regt es die Zellteilung an. Aufgrund seiner Fettlöslichkeit gelangt es tief in die Hornschicht. Auch Dexpanthenol dringt in die Haut ein, hemmt dort Entzündungen, fördert die Wundheilung und erhöht die Zellteilungsrate.

UV-Filter

UV-A- und UV-B-Filter sind inzwischen wichtige Bestandteile von Cremes für die ältere Haut geworden. Sie schützen bereits lichtgeschädigte Haut vor weiteren Schäden durch UV-Belastung, beispielsweise vor Spätschäden wie Tumoren. Da UV-Filter und Antioxidanzien die Haut aber vor allem vor den Alterungsprozessen bewahren, sind sie fast immer in Anti-Aging-Produkten enthalten.

Viele Kosmetikhersteller setzen ihren Cremes noch weitere Wirkstoffe zu, die den Zellstoffwechsel anregen sollen, zum Beispiel Extrakte pflanzlichen oder tierischen Ursprungs. Inwieweit diese tatsächlich eine Wirkung in tieferen Hautschichten entfalten, müssen Studien beweisen.

Flecken und Wärzchen

Altersflecken und -warzen sind harmlos und müssen keinesfalls behandelt werden. Alterswarzen (senile Warzen) sind gutartige Wucherungen der Hornhaut. Warum sie entstehen, ist bisher nicht geklärt, jedenfalls nicht durch eine Virusinfektion wie bei den übrigen Warzentypen.

Einige Handcremes mit Vitamin-A-Säure-Derivaten, Lipo-Hydroxy-Säure oder Brunnenkresse-Extrakt sollen die hyperpigmentierten Altersflecke abschälen beziehungsweise bleichen. Die Kunden müssen sie über Monate hinweg anwenden, denn die Wirkung ist eher schwach und die Behandlung braucht Zeit. Mit einem speziellen Make-up, der Camouflage, lassen sich Altersflecken überschminken. Aus einer umfangreichen Farbpalette muss der Kunde den passenden Hautton auswählen. Neuen Flecken beugt nur ein konsequenter UV-Schutz vor.

Alterswarzen darf niemand selbst behandeln. Weil sich Altersflecken und Alterswarzen manchmal kaum von Hautkrebs unterscheiden lassen, sollte ein Hautarzt diese regelmäßig kontrollieren. Stören die Alterswarzen oder -flecken, kann sie der Hautarzt durch Vereisen, Abschaben, mit starken Bleich- und Schälmitteln oder dem Laser beseitigen. Das schützt allerdings nicht davor, dass sie sich an einer anderen Hautstelle neu bilden.

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