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Interaktionen

Theophyllin und Betablocker

23.02.2010  21:43 Uhr

Interaktionen

Theophyllin und Betablocker

von Andrea Gerdemann und Nina Griese

Beim Einscannen verordneter Arzneimittel meldet sich in vielen Apotheken das Software-Programm, sobald es eine Interaktion registriert. Wie hoch ist das Risiko der Wechselwirkung, wenn ein Patient gleichzeitig einen Betablocker und Theophyllin verordnet bekommt? Welche zusätzlichen Informationen sollten PTA und Apotheker kennen, um den Patienten richtig beraten zu können?

 

 

Theophyllin dient der Dauerbehandlung obstruktiver Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD, zum Beispiel zur Vorbeugung asthmatischer Anfälle. Darüber hinaus findet es Anwendung, wenn der Patient unter plötzlicher Atemnot leidet. Für die Dauertherapie eignen sich Retardtabletten oder -kapseln, zur Akutbehandlung Infusionen. Allerdings gilt Theophyllin sowohl in der Dauertherapie als auch in der Notfallbehandlung nur als Reservemittel, weil seine therapeutische Breite gering ist. Bereits die Verdopplung der therapeutischen Dosis kann beispielsweise Herzrhythmusstörungen auslösen.

 

Im Unterschied dazu gehören Betablocker wie Propranolol, Metoprolol, Atenolol und Bisoprolol zu den Arzneimitteln der ersten Wahl bei Patienten mit arterieller Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, tachykarden Herzrhythmusstörungen oder chronischer Herzinsuffizienz und werden daher sehr häufig verordnet. Betablocker unterbinden das Andocken von Noradrenalin und Adrenalin an die Beta-Rezeptoren. Diese Blockade führt am Herzen dazu, dass Herzkraft und -frequenz abnehmen, und bewirkt an den glatten Muskeln der Bronchien und der Blutgefäße, dass diese erschlaffen. 

 

Auch für die Beurteilung von Interaktionen ist die Unterscheidung zwischen nicht kardioselektiven und kardioselektiven Betablockern wichtig. Während die nicht kardioselektiven Betablocker gleichzeitig an Herz und Bronchien1- und β2-Blockade) angreifen, blockieren die kardioselektiven überwiegend Rezeptoren am Herzen (β1) und hemmen erst in höheren Dosierungen auch die Rezeptoren an den Bronchien2).

 

Zwei Aspekte wichtig

Bei der Wechselwirkung zwischen Theophyllin und Betablockern werden zwei Aspekte diskutiert: Zum einen eine Erhöhung der Plasmaspiegel von Theophyllin durch Betablocker und zum anderen das Auslösen eines Bronchospasmus durch Betablocker

 

So führt Propranolol möglicherweise zu erhöhten Plasmaspiegeln von Theophyllin, indem es dessen Metabolisierung hemmt. Dagegen beeinflussten die kardioselektiven Betablocker Metoprolol, Atenolol und Bisoprolol die Pharmakokinetik von Theophyllin nicht.

 

Unabhängig vom Einfluss auf die Plasmakonzentration des Theophyllins können Betablocker bei Asthampatienten dazu führen, dass sich die Bronchien verengen. In einigen Fällen lösen schon geringe Dosen eines Betablockers eine Bronchokonstriktion aus, insbesondere wenn weitere Risikofaktoren wie ein gleichzeitiger Infekt vorliegen. Hierfür wird unter anderem die Blockade von β2-Adrenozeptoren verantwortlich gemacht. 

 

Das Risiko eines Bronchospasmus ist bei kardioselektiven Betablockern geringer als bei nicht kardioselektiven. Aufgrund dieser möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkung ist die Einnahme von Betablockern bei Patienten mit bronchialer Hyperreagibilität, zum Beispiel mit Asthma bronchiale, kontraindiziert. 

 

Auch Betablocker-haltige Augentropfen können systemisch wirksame Plasmakonzentrationen erreichen und zu einem Bronchospasmus führen, da Betablocker aus Augentropfen zu etwa 80 Prozent resorbiert werden und keinem First-Pass-Effekt unterliegen. 

 

Risiko bei COPD recht gering

Das Risiko, eine Bronchioobstruktion durch Gabe von Betablockern auszulösen, ist wesentlich relevanter als die mögliche Erhöhung der Plasmakonzentrationen von Theophyllin. Zur Einschätzung des Risikos einer Bronchioobstruktion beim Einsatz von Betablockern muss zwischen Asthma- und COPD-Patienten differenziert werden. 

 

  • Bei Asthmapatienten ist das Risiko, dass sich die Lungenfunktion verschlechtert, wesentlich höher als bei COPD-Patienten. 
  • Nicht selektive Betablocker sollten weder Patienten mit Asthma noch mit COPD erhalten. 
  • Carvedilol scheint im Einzelfall eine Therapieoption bei COPD-Patienten zu sein, wenn der Arzt die Therapie engmaschig überwacht. 
  • Der Einsatz von kardioselektiven Betablockern ist bei COPD-Patienten aufgrund des geringen Risikos eines Bronchospasmus möglich. 
  • Bei Asthmapatienten kann der Arzt kardioselektive Betablocker einsetzen, wenn er den Nutzen höher als das Risiko einstuft. Insbesondere bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder nach akutem Myokardinfarkt kann dies der Fall sein. Allerdings ist dies vom Schweregrad und dem Grad der Asthmakontrolle abhängig. 
  • Bei Patienten mit kontrolliertem gering- und mittelgradigem Asthma kann der Arzt den Einsatz kardioselektiver Betablocker erwägen. 
  • Menschen mit schwergradigem oder unkontrolliertem Asthma sollten keine Betablocker einnehmen, weder kardioselektive noch nicht kardioselektive. 

 

Verträglichkeit beobachten

Sollten kardioselektive Betablocker bei Asthmatikern zum Einsatz kommen, muss das Asthma bei Therapiebeginn optimal behandelt sein. Wichtig ist, dass der Asthmakranke im Fall eines Bronchospasmus ein rasch wirkendes β2-Sympathomimetikum zur Verfügung hat. Treten Bronchospasmen unter der Therapie mit dem kardioselektiven Betablocker auf, sollte der Patient seinen Arzt informieren.

 

Für andere Indikationen wie arterielle Hypertonie, Migräneprophylaxe und Glaukomtherapie stehen alternative Arzneisubstanzen zur Verfügung. Bei der Glaukomtherapie sind dies beispielsweise Carboanhydrase-Hemmer wie Dorzolamid und β2-Sympathomimetika wie Brimonidin. Kann der Betablocker aber nicht durch einen anderen Arzneistoff ersetzt werden, zum Beispiel weil er nicht ausreichend wirkt oder Kontraindikationen bestehen, kann der Arzt einen selektiven Betablocker wie Betaxolol verordnen.

 

Fallbeispiel aus der Apothekenpraxis

Herr Zimmer, ein 61-jähriger Raucher und Hausapothekenkunde, hat seit einiger Zeit chronischen Husten und leidet manchmal unter Atemnot. Er reicht in der Apotheke ein Rezept über Metoprolol ein. Beim Einscannen des Präparates erscheint auf dem Bildschirm die Interaktion mit Theophyllin, das Herr Zimmer seit einem Jahr einnimmt. Daher fragt die PTA: »Bekommen Sie dieses Arzneimittel zum ersten Mal verordnet?« Herr Zimmer bejaht: »Ich war zur Blutdruckkontrolle beim Arzt. Da mein Blutdruck trotz der anderen Medikamenten, die ich schon nehme, immer noch zu hoch ist, und mein Herz in letzter Zeit auch nicht mehr so will, soll ich jetzt noch dieses neue Medikament einnehmen.«

 

Daraufhin prüft die PTA im PC die Medikationshistorie des Patienten. Herr Zimmer nimmt neben Theophyllin noch Ramipril plus Hydrochlorothiazid ein und bekommt regelmäßig zwei Dosieraerosole mit der Kombination Ipratropium und Fenoterol sowie mit Salbutamol verordnet. Aufgrund der Medikation und der Symptome vermutet sie, dass Herr Zimmer an COPD erkrankt ist. Daher erkundigt sie sich weiter: »Hat Ihnen der Arzt Theophyllin und die Sprays wegen Asthma oder COPD verschrieben?« »Ich habe eine COPD«, antwortet Herr Zimmer. »Warum fragen Sie?« Die PTA erklärt ihm nun, dass das neue Arzneimittel bei Asthmapatienten zu Atemnot führen könne, COPD-Patienten würden es aber gut vertragen und er könne das Arzneimittel ohne Bedenken einnehmen.

 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
N.Griese(at)abda.aponet.de 

Theophyllin dient der Dauerbehandlung obstruktiver Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD, zum Beispiel zur Vorbeugung asthmatischer Anfälle. Darüber hinaus findet es Anwendung, wenn der Patient unter plötzlicher Atemnot leidet. Für die Dauertherapie eignen sich Retardtabletten oder -kapseln, zur Akutbehandlung Infusionen. Allerdings gilt Theophyllin sowohl in der Dauertherapie als auch in der Notfallbehandlung nur als Reservemittel, weil seine therapeutische Breite gering ist. Bereits die Verdopplung der therapeutischen Dosis kann beispielsweise Herzrhythmusstörungen auslösen.

 

Im Unterschied dazu gehören Betablocker wie Propranolol, Metoprolol, Atenolol und Bisoprolol zu den Arzneimitteln der ersten Wahl bei Patienten mit arterieller Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, tachykarden Herzrhythmusstörungen oder chronischer Herzinsuffizienz und werden daher sehr häufig verordnet. Betablocker unterbinden das Andocken von Noradrenalin und Adrenalin an die Beta-Rezeptoren. Diese Blockade führt am Herzen dazu, dass Herzkraft und -frequenz abnehmen, und bewirkt an den glatten Muskeln der Bronchien und der Blutgefäße, dass diese erschlaffen. 

 

Auch für die Beurteilung von Interaktionen ist die Unterscheidung zwischen nicht kardioselektiven und kardioselektiven Betablockern wichtig. Während die nicht kardioselektiven Betablocker gleichzeitig an Herz und Bronchien1- und β2-Blockade) angreifen, blockieren die kardioselektiven überwiegend Rezeptoren am Herzen (β1) und hemmen erst in höheren Dosierungen auch die Rezeptoren an den Bronchien2).

 

Zwei Aspekte wichtig

Bei der Wechselwirkung zwischen Theophyllin und Betablockern werden zwei Aspekte diskutiert: Zum einen eine Erhöhung der Plasmaspiegel von Theophyllin durch Betablocker und zum anderen das Auslösen eines Bronchospasmus durch Betablocker

 

So führt Propranolol möglicherweise zu erhöhten Plasmaspiegeln von Theophyllin, indem es dessen Metabolisierung hemmt. Dagegen beeinflussten die kardioselektiven Betablocker Metoprolol, Atenolol und Bisoprolol die Pharmakokinetik von Theophyllin nicht.

 

Unabhängig vom Einfluss auf die Plasmakonzentration des Theophyllins können Betablocker bei Asthampatienten dazu führen, dass sich die Bronchien verengen. In einigen Fällen lösen schon geringe Dosen eines Betablockers eine Bronchokonstriktion aus, insbesondere wenn weitere Risikofaktoren wie ein gleichzeitiger Infekt vorliegen. Hierfür wird unter anderem die Blockade von β2-Adrenozeptoren verantwortlich gemacht. 

 

Das Risiko eines Bronchospasmus ist bei kardioselektiven Betablockern geringer als bei nicht kardioselektiven. Aufgrund dieser möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkung ist die Einnahme von Betablockern bei Patienten mit bronchialer Hyperreagibilität, zum Beispiel mit Asthma bronchiale, kontraindiziert. 

 

Auch Betablocker-haltige Augentropfen können systemisch wirksame Plasmakonzentrationen erreichen und zu einem Bronchospasmus führen, da Betablocker aus Augentropfen zu etwa 80 Prozent resorbiert werden und keinem First-Pass-Effekt unterliegen. 

 

Risiko bei COPD recht gering

Das Risiko, eine Bronchioobstruktion durch Gabe von Betablockern auszulösen, ist wesentlich relevanter als die mögliche Erhöhung der Plasmakonzentrationen von Theophyllin. Zur Einschätzung des Risikos einer Bronchioobstruktion beim Einsatz von Betablockern muss zwischen Asthma- und COPD-Patienten differenziert werden. 

 

  • Bei Asthmapatienten ist das Risiko, dass sich die Lungenfunktion verschlechtert, wesentlich höher als bei COPD-Patienten. 
  • Nicht selektive Betablocker sollten weder Patienten mit Asthma noch mit COPD erhalten. 
  • Carvedilol scheint im Einzelfall eine Therapieoption bei COPD-Patienten zu sein, wenn der Arzt die Therapie engmaschig überwacht. 
  • Der Einsatz von kardioselektiven Betablockern ist bei COPD-Patienten aufgrund des geringen Risikos eines Bronchospasmus möglich. 
  • Bei Asthmapatienten kann der Arzt kardioselektive Betablocker einsetzen, wenn er den Nutzen höher als das Risiko einstuft. Insbesondere bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder nach akutem Myokardinfarkt kann dies der Fall sein. Allerdings ist dies vom Schweregrad und dem Grad der Asthmakontrolle abhängig. 
  • Bei Patienten mit kontrolliertem gering- und mittelgradigem Asthma kann der Arzt den Einsatz kardioselektiver Betablocker erwägen. 
  • Menschen mit schwergradigem oder unkontrolliertem Asthma sollten keine Betablocker einnehmen, weder kardioselektive noch nicht kardioselektive. 

 

Verträglichkeit beobachten

Sollten kardioselektive Betablocker bei Asthmatikern zum Einsatz kommen, muss das Asthma bei Therapiebeginn optimal behandelt sein. Wichtig ist, dass der Asthmakranke im Fall eines Bronchospasmus ein rasch wirkendes β2-Sympathomimetikum zur Verfügung hat. Treten Bronchospasmen unter der Therapie mit dem kardioselektiven Betablocker auf, sollte der Patient seinen Arzt informieren.

 

Für andere Indikationen wie arterielle Hypertonie, Migräneprophylaxe und Glaukomtherapie stehen alternative Arzneisubstanzen zur Verfügung. Bei der Glaukomtherapie sind dies beispielsweise Carboanhydrase-Hemmer wie Dorzolamid und β2-Sympathomimetika wie Brimonidin. Kann der Betablocker aber nicht durch einen anderen Arzneistoff ersetzt werden, zum Beispiel weil er nicht ausreichend wirkt oder Kontraindikationen bestehen, kann der Arzt einen selektiven Betablocker wie Betaxolol verordnen.

 

Fallbeispiel aus der Apothekenpraxis

Herr Zimmer, ein 61-jähriger Raucher und Hausapothekenkunde, hat seit einiger Zeit chronischen Husten und leidet manchmal unter Atemnot. Er reicht in der Apotheke ein Rezept über Metoprolol ein. Beim Einscannen des Präparates erscheint auf dem Bildschirm die Interaktion mit Theophyllin, das Herr Zimmer seit einem Jahr einnimmt. Daher fragt die PTA: »Bekommen Sie dieses Arzneimittel zum ersten Mal verordnet?« Herr Zimmer bejaht: »Ich war zur Blutdruckkontrolle beim Arzt. Da mein Blutdruck trotz der anderen Medikamenten, die ich schon nehme, immer noch zu hoch ist, und mein Herz in letzter Zeit auch nicht mehr so will, soll ich jetzt noch dieses neue Medikament einnehmen.«

 

Daraufhin prüft die PTA im PC die Medikationshistorie des Patienten. Herr Zimmer nimmt neben Theophyllin noch Ramipril plus Hydrochlorothiazid ein und bekommt regelmäßig zwei Dosieraerosole mit der Kombination Ipratropium und Fenoterol sowie mit Salbutamol verordnet. Aufgrund der Medikation und der Symptome vermutet sie, dass Herr Zimmer an COPD erkrankt ist. Daher erkundigt sie sich weiter: »Hat Ihnen der Arzt Theophyllin und die Sprays wegen Asthma oder COPD verschrieben?« »Ich habe eine COPD«, antwortet Herr Zimmer. »Warum fragen Sie?« Die PTA erklärt ihm nun, dass das neue Arzneimittel bei Asthmapatienten zu Atemnot führen könne, COPD-Patienten würden es aber gut vertragen und er könne das Arzneimittel ohne Bedenken einnehmen.

 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
N.Griese(at)abda.aponet.de 

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