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Dermatologie

Röte im Gesicht

21.01.2011  14:31 Uhr

Von Tanja Schweig / Die Hautkrankheit Rosazea befällt das Gesicht und ist für alle Mitmenschen sichtbar. Daher belastet sie die meisten Betroffenen sehr. Heilbar ist die Erkrankung nicht. Die frühzeitige Therapie begünstigt ihren Verlauf. Außerdem können die Patienten lernen, wie sie Triggerfaktoren meiden.

Laut Untersuchungen in Schweden leiden circa 10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung unter Rosazea. Eine ähnlich hohe Quote dürfte auch auf Deutschland zutreffen. Trotzdem wissen viele Patienten recht wenig über diese Erkrankung. Wahrscheinlich bricht die Mehrheit der Betroffenen die Therapie ab, weil sie Angst vor den Nebenwirkungen der Medikamente haben. PTA und Apotheker können hier Aufklärungsarbeit leisten, denn in bis zu 90 Prozent der Fälle lassen sich die Symptome durch die Behandlung sichtbar verbessern.

Häufigste Form

Das lateinische Wort rosaceus bedeutet rosenartig und beschreibt das Hauptsymptom der Krankheit: eine ausgeprägte Rötung der Gesichtshaut. Typischerweise erkranken 30- bis 40-Jährige an Rosazea. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Früher haben Mediziner die Erkrankung in Stadien eingeteilt, denn sie gingen davon aus, dass Patienten diese der Reihe nach durchmachen. Mittlerweile ist aber bekannt, dass die Rosazea nur selten voranschreitet. Erst seit kurzem unterscheiden Dermatologen anhand ihrer Lokalisa­tion und Ausprägung nur noch drei Subtypen: den erythematösen, den papulo-pustulösen und den glandulär-hyperplastischen Subtyp.

Bei rund 70 Prozent der Patienten liegt der erythematöse Subtyp vor, auch bekannt als Couperose. Dabei ist die Wangenhaut stark gerötet, in einigen Fällen zusätzlich Nase, Kinn und Stirn. Die Rötung kann innerhalb von Minuten aufflammen und bleibt über Stunden bis Tage bestehen. Manchmal schimmern feine Äderchen durch die oberen Hautschichten oder die Haut wirkt leicht angeschwollen. Oft beschreiben Patienten, dass die betroffenen Bereiche wärmer sind, die Haut dort brennt oder sticht, rau wird und schuppt. Nach wenigen Tagen lässt meist die Phase starker Entzündung nach, und die Rötung geht zurück – bis irgendwann ein neuer Schub einsetzt.

Bei circa 20 Prozent der Betroffenen diagnostiziert der Hautarzt den papulo-pustulösen Subtyp. Dann ist die Gesichtshaut ständig gerötet. In manchen Fällen breitet sich die Rötung sogar auf die Kopfhaut aus. Zusätzlich bilden sich kleine Knötchen und Quaddeln sowie Bläschen, die eine teigige Substanz enthalten. Dringen die Knötchen in tiefere Hautschichten ein, entstehen schließlich kleine Wunden, die später Narben hinterlassen. Auch diese Patienten äußern häufig, dass ihre Haut brennt oder sticht.

Sehr oft verwechseln Betroffene diese Hauterscheinungen mit Akne, obwohl ihr Alter nicht dafür spricht. Der Facharzt erkennt den Unterschied eindeutig daran, dass weiße oder schwarze Mitesser (Komedonen) bei Rosazea immer fehlen.

Nur 5 Prozent der Patienten, hauptsächlich Männer, leiden unter der besonders schweren Form: dem glandulär- hyperplastischen Subtyp. Hierbei sind die entzündlichen Knötchen und Knoten deutlich größer und dringen tief ins Gewebe ein, einige ähneln Furunkeln. Außerdem verdickt und verhärtet sich die Haut immer mehr, und die Poren werden größer. Bei manchen älteren Männern wuchern die Talgdrüsen und das Bindegewebe an der Nase so stark, dass sie ein sogenanntes Rhinophym entwickeln, eine »Knollennase«.

Augen oft mitbetroffen

In 30 Prozent der Fälle greift die Erkrankung auf die Augen über. Die Patienten haben ständig ein Fremdkörpergefühl und klagen über trockene Augen, weil sich die Lidränder oder die Bindehaut des Auges entzündet haben. Eher selten breitet sich die Krankheit auf Hals, Dekolleté, Brust und Rücken aus.

Die genaue Ursache der Rosazea ist nicht bekannt. Fachleute vermuten, dass eine Kombination aus verschiedenen Faktoren die Hauterkrankung auslöst. Auch eine genetische Disposition könnte eine Rolle spielen, denn bei 30 bis 40 Prozent der Patienten sind Familienangehörige ebenfalls erkrankt.

Für die Pathogenese ist wohl entscheidend, dass die Regulation der kleinsten Blutgefäße gestört ist: Sie erweitern sich zwar, ziehen sich aber danach nur noch sehr langsam zusammen. Im Verlauf der Erkrankung gelingt die Kontraktion nicht mehr, und ihr Endothel geht zugrunde. Irgendwann treten Flüssigkeit und Entzündungsmediatoren aus den Kapillaren in das umliegende Gewebe aus und locken Granulozyten an, was zu lokalen Ödemen und Entzündungen führt.

Beobachten die Betroffenen genau, wann ihre Haut »aufblüht«, können sie einige Triggerfaktoren ausmachen, vor allem alle, die die Durchblutung anregen wie Hitze, aber auch Sonnenlicht.

Noch spekulieren Wissenschaftler darüber, ob Bakterien die Erkrankung beeinflussen. Sie verdächtigen ein Bakterium im Darm bestimmter Milben, die die Haut des Menschen besiedeln. Ein erstes Indiz für den Hautarzt ist die symmetrische Rötung im Gesicht. Berichtet der Patient, dass sich die Symptome nach einem Sonnenbad verschlechtern oder die Rötung schlagartig aufflammt, wenn er aus der Kälte in eine warme Wohnung kommt, erhärtet sich der Verdacht.

Kombinationstherapie

Bei Patienten mit den beiden selteneren Formen der Rosazea erzielen Hautärzte sehr gute Behandlungserfolge. Etwas weniger zufrieden stellend ist die Therapie des erythematösen Subtyps. Doch auch hier sind etwa 60 bis 80 Prozent der Betroffenen mit dem Ergebnis der Behandlung zufrieden. Da es derzeit keine Leitlinie zur Therapie der Rosazea gibt, variieren die Konzepte der Dermatologen.

Als Standard beim erythematösen und papulo-pustulösen Subtyp hat sich die Kombination aus lokalem Metronidazol und systemischen Doxycyclin durchgesetzt. Das rezeptpflichtige Doxycyclin (wie Oraycea®) müssen die Patienten drei Monate lang einnehmen, bei gleichzeitigen Augenproblemen sogar sechs Monate lang. Die Dosierung beträgt zweimal täglich 40 bis 50 Milligramm. Wichtiger Tipp für die Anwender: Weil das Antibiotikum die Sonnenempfindlichkeit der Haut erhöht, müssen sie während der Therapie konsequent Sonnenschutzmittel mit einem Lichtschutzfaktor über 15 auftragen. Außerdem überprüft der Arzt bei längerem Gebrauch regelmäßig die Leberwerte.

Metronidazol-Präparate gibt es als Gel, Lotion oder Creme, zwischen denen der Patient je nach Hauttyp wählen kann. Alle Produkte sind verschreibungspflichtig, zum Beispiel Rosiced® Creme, Rozex® Gel/Creme, Metrosa® Gel, Metrocreme®, Metrogel® oder Metrolotion®. Der Patient muss sie ein- bis zweimal täglich auftragen, die Konzentration beträgt in der Regel 0,75 Prozent. Die Präparate eignen sich auch zur Rezidivprophylaxe.

Unter der Kombinationstherapie heilen die Pusteln schon nach wenigen Wochen ab, und das Hautbild verbessert sich deutlich. Die Betroffenen dürfen die Behandlung keinesfalls zu früh beenden, denn die Wirkung der Medikamente kann sich im Verlauf der Therapie noch steigern.

Wenn die Haut der Patienten durch Metronidazol zu stark brennt oder darauf allergisch reagiert, ist Azelainsäure (Skinoren® 15% Gel) eine Alternative. Allerdings reizt dieser Arzneistoff die Haut oft noch stärker, weshalb er nicht als Wirkstoff erster Wahl gilt. Das Gel wird zweimal täglich dünn aufgetragen und darf nicht auf Schleimhäute und in die Augen gelangen. Bleibt der gewünschte Effekt aus, kann der Hautarzt mit einem Laser winzige Blutgefäße veröden. In der Forschung wird derzeit die Wirkung von Oxymetazolin-Nasenspray als Hautspray gegen Rosazea getestet. Das Vasokonstriktum soll die Blutgefäße in der Haut zusammenziehen.

Therapieresistente Fälle

Patienten mit dem glandulär-hyperplastischen Subtyp, aber auch die am papulo-pustulösen Subtyp Erkrankten, bei denen die Kombinationstherapie versagt, behandeln Dermatologen versuchsweise mit oralem Isotretinoin statt Doxycyclin. Dieses Vorgehen ist allerdings ein Off-Label-Use. Frauen müssen während der Therapie strikt verhüten. Bei der schwersten Form der Rosazea setzen die Fachärzte auch chirurgische Methoden wie das Abschleifen der Haut ein. Bei Symptomen an den Augen müssen die Betroffenen einen Augenarzt aufsuchen.

Kortikoide gelten bei Rosazea bis auf wenige Ausnahmen als kontraindiziert. Zwar bessern sich unter der Behandlung zunächst die Hauterscheinungen, doch schon bald verdünnt sich die Haut und Blutgefäße treten sichtbar hervor. Doch vor allem erleben die Patienten oft einen heftigen neuen Erkrankungsschub, nachdem sie die Creme abgesetzt haben. Daher sollten PTA oder Apotheker Patienten mit Rosazea vom Kauf eines Kortikoidpräparats abraten.

Trigger meiden

Vielmehr können sie ihnen einige Tipps geben, die zur Verbesserung beitragen. Beispielsweise sollten Betroffene extreme Hitze oder Kälte meiden, also auf Sauna, heiße Bäder oder warme Gesichtskompressen verzichten. Auch intensive UV-Bestrahlung schadet der Haut. So weit wie möglich sollten die Patienten Stresssituationen aus dem Weg gehen, vor allem solchen, die ihnen vor Wut oder Scham die Röte ins ­Gesicht treiben könnten. Alkoholische Getränke sowie heißer Kaffee oder Tee verstärken bei vielen Patienten die Hautprobleme. Dasselbe gilt für sehr scharfe Speisen. Manchmal hilft den Patienten folgender Trick: Sobald sie spüren, dass die Rosazea aufflammt, einfach ein paar Eiswürfel im Mund zergehen lassen.

Unterstützende Pflege

Gegen Ende der Therapiephase sollten PTA oder Apotheker den Patienten empfehlen, ihre Gesichtshaut sorgfältig zu pflegen. Dadurch lassen sich Rezidive verhindern. Die Hersteller von dermokosmetischen Produkten haben apothekenexklusive Pflegeserien für Rosezea-Patienten entwickelt und diese optimal auf deren Bedürfnisse abgestimmt (wie Abilaine® von Taurus Pharma, Avène Antirougeurs von Pierre Fabre oder Rosalic von La Roche-Posay). Die Reinigungs- und Pflegeprodukte gibt es für alle Hauttypen. Sie enthalten beruhigende und entzündungshemmende Inhaltsstoffe und sind frei von Alkohol, Duftstoffen und ätherischen Ölen. Außerdem verbessern sie die Widerstandskraft der Haut, viele haben hohe Lichtschutzfaktoren bis zu 25. Wer sehr unter den Hauterscheinungen leidet, kann diese tagsüber mit getönten Cremes, Abdeckstiften oder Camouflage-Produkten kaschieren. /

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tschweig(at)online.de

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