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Hämorrhoidalleiden

Blutgefäße krankhaft erweitert

25.01.2013
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Von Gudrun Heyn / Die meisten Menschen zögern ein Gespräch über Beschwerden im intimen Bereich der Analregion lange hinaus. Bevor sie ihr Problem einem Arzt anvertrauen, suchen viele Betroffene Rat in der Apotheke. Dann sind PTA oder Apotheker besonders gefordert, denn Tabuthemen wie Hämorrhoidalleiden erfordern eine sensible Beratung.

Nach Schätzungen ist jeder zweite über 40-jährige Erwachsene an einem Hämorrhoidalleiden erkrankt. In Deutschland sind dies rund 22 Millionen Menschen. Der überwiegende Teil der Betroffenen scheut den Weg zum Arzt, obwohl die Analregion stark juckt, brennt und nässt. Dies ist den meisten Patienten außerordentlich peinlich, sodass sie nur ungerne darüber sprechen und es unterlassen, sich einer Diagnostik bei einem Facharzt für Proktologie zu unterziehen. Trotz des oft großen Leidensdrucks hat sich daran bis heute nichts geändert.

Abdichtende Polster

Hämorrhoiden sind schwammartig erweiterte Blutgefäßpolster, die im Bereich des Enddarms eine wichtige Aufgabe erfüllen: Im Ruhezustand dichten sie gemeinsam mit den Schließmuskeln des Afters den Darm ab, sodass Stuhl, Gase und Flüssigkeit nicht unkontrolliert entweichen können.

Während die angespannten Muskeln den Verdauungstrakt nur grob verschließen, sind die Gefäßpolster für die Feinabdichtung (Feinkontinenz) verantwortlich. Sie liegen drei bis vier Zentimeter oberhalb des Afters in der Enddarmschleimhaut und umgeben den Analkanal ringförmig. Sobald sich die Hämorrhoidalgefäße mit Blut füllen, wirken sie wie ein abdichtendes Polster. Dies geschieht immer dann, wenn auch die Muskeln den Darm verschließen. Beim Stuhlgang dagegen entspannen die Schließmuskeln, gleichzeitig fließt das Blut aus den Polstern, sodass sie an Volumen verlieren. Durch angestautes Blut können sich die Gefäßpolster (Corpus cavernosum recti) mit der Zeit deutlich vergrößern. Dabei wölben sich die Gefäße wie Krampfadern vor. Erst in diesem Zustand bezeichnen Mediziner die Blutgefäße als Hämorrhoiden. Von einem Hämorrhoidal­leiden sprechen sie dann, wenn die krankhaft vergrößerten Gefäßpolster Beschwerden verursachen.

Brennen und Blutungen

Typisch für Hämorrhoidalleiden sind häufige, aber schmerzlose Blutungen. Auch austretender Schleim und verschmierter Stuhl gehören zum Krankheitsbild, denn die vergrößerten Gefäßpolster können ihre Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen. Aufgrund der gestörten Feinkontinenz leiden viele Betroffene darunter, dass ihre Analregion ständig feucht ist. Dies führt zu den Beschwerden, die die Patienten am meisten belasten: juckende und brennende Haut. Außerdem entstehen in der Folge oft schmerzhafte Entzündungen.

Je nach Schweregrad der Erkrankung unterscheiden Mediziner vier verschiedene Stadien. Im Stadium 1 weisen gelegentliche hellrote Blutspuren auf dem Toilettenpapier oder ein Fremdkörper­gefühl im Analbereich auf die beginnenden Veränderungen hin. Doch noch sind die krampfader­artigen, knotenförmigen Erweiterungen der Blutgefäße nicht tastbar oder sichtbar. Im Stadium 2 werden die Hämorrhoiden während des Stuhlgangs oft nach außen gepresst, ziehen sich danach jedoch von selbst wieder zurück. Im Stadium 3 müssen die Patienten sie mit dem Finger zurückdrücken. Im Stadium 4 ist dies nicht mehr möglich. PTA und Apotheker sollten wissen, dass Juckreiz, Brennen und Nässen in allen Stadien der Erkrankung die Patienten ständig quälen können.

An der Entstehung des Hämorrhoidal­leidens sind wahrscheinlich viele Faktoren beteiligt. Als ein Hauptrisikofaktor gilt die familiäre Veranlagung zu einer Bindegewebsschwäche. Hinzu kommt häufig ein falsches Verhalten: Die Menschen pressen während des Stuhlgangs zu stark. Vor allem zu heftiges Nachpressen beeinflusst die Durchblutung und Druckverhältnisse ungünstig und schädigt auf Dauer das Hämorrhoidalgewebe. Doch auch Schwangerschaften, das häufige Heben von schweren Lasten oder Übergewicht wirken sich auf die Druckverhältnisse ungünstig aus. Eine weitere wichtige Rolle spielen Stuhlkonsistenz und Stuhlhäufigkeit. Das Erkrankungsrisiko ist bei Menschen erhöht, die sich faser- und ballaststoffarm ernähren, also unter Verstopfung leiden, oder die sehr häufig Laxantien anwenden.

Beschwerden lindern

Zur Linderung akuter Beschwerden kommen hauptsächlich topische Arzneimittel in Form von Salben und Cremes sowie Zäpfchen und Analtampons zur Anwendung. Doch vor einer Selbstbehandlung sollten Patienten mit erstmaligen Symptomen unbedingt einen Arzt konsultieren, damit dieser andere Ursachen wie Darmkrebs ausschließen kann. Außerdem kann nur der Facharzt beurteilen, ob eine Operation notwendig ist, die Hämorrhoiden durch Injektion des Wirkstoffs Poli­docanol (Sklerosierungstherapie) geschrumpft werden können oder ob aufgrund eines massiven Analekzems verschreibungspflichtige Glucocorticoide erforderlich sind.

Gegen akute Beschwerden wie Schmerzen und Juckreiz helfen rezeptfreie Präparate mit schmerz­lindernden Wirkstoffen wie Lidocain (zum Beispiel Posterisan® akut Salbe / Zäpfchen) oder Quinisocain (zum Beispiel Haenal® akut Creme). Vor allem Lidocain gilt wegen seines schnellen Wirkungseintritts, seiner langen Wirkdauer und seiner geringen allergischen Potenz als das Lokalanästhetikum der Wahl. Allerdings sollten PTA oder Apotheker die Patienten darauf hinweisen, orale rezeptfreie Schmerzmittel nicht über längere Zeit einzunehmen.

Pflanzliche Mittel

In der Selbstmedikation seit Jahren bewährt haben sich zudem pflanzliche Hämorrhoidenmittel. Mit Zubereitungen aus Teilen der nordamerikanischen Zaubernuss (Hamamelis virginiana) lassen sich die häufigsten Grundbeschwerden der Patienten behandeln, denn Hamamelis-Präparate (zum Beispiel Hametum® Hämorrhoidensalbe / Hämorrhoidenzäpfchen, Posterine® Salbe/Zäpfchen, Haenal® fact Hamamelis Salbe/Zäpfchen) zeichnet ein breites Wirkspektrum aus. Nachgewiesen sind adstringierende, entzündungshemmende und lokal blutstillende Eigenschaften. Hämorrhoidenmittel mit den Inhaltsstoffen der Hamamelis sind daher gut geeignet, um quälenden Juckreiz zu lindern, ekzematöses Nässen zu reduzieren und brennende Haut zu beruhigen. Außerdem gehen die Schmerzen durch die Blockade der Entzündung zurück. Während die Anwendung von Salben oder Cremes besonders am Tag sinnvoll ist, sind Hämorrhoidenzäpfchen eine gute Empfehlung für die Nacht.

Zur Pflege der Haut und zum Schutz vor weiteren Reizungen eignen sich zudem Präparate mit Jojobawachs, gelbem Bienenwachs und Cetiol (zum Beispiel in Posterisan® protect Salbe / Zäpfchen). Zur Erleichterung des Stuhlgangs haben sich Produkte mit Wollwachs, Bismutgallat und Hamamelisrindenextrakt bewährt (zum Beispiel Eulatin® NH Salbe).

Obwohl Hämorrhoidalleiden ein sensibles Thema sind, sollten PTA oder Apotheker bei der Beratung auch die Analhygiene ansprechen. So lautet eine wichtige Empfehlung: nach jedem Stuhlgang den Analbereich gründlich reinigen. Um die empfindliche Haut nicht noch weiter zu reizen, ist klares Wasser das Mittel der Wahl. Für unterwegs sind parfümfreie Feuchttücher (zum Beispiel Hametum® Feuchttücher, Faktuclean®) empfehlenswert. Diese ermöglichen eine milde und gründliche Reinigung der gereizten Analzone.

Weitere Tipps

Zur Therapie gehört zudem, Verstopfung zu verhindern. Der Patient soll den Darm ohne Pressen entleeren können. Hier können PTA oder Apotheker den Betroffenen zu einer ballaststoffreichen Kost raten. Auch viel zu trinken, das heißt zwei Liter pro Tag, ist eine sinnvolle Empfehlung. Außerdem sollten die Patienten sich möglichst viel bewegen, um den trägen Darm anzuregen und die Durch­blutung zu fördern. Nicht ratsam sind dagegen extremer Alkohol- und Kaffeegenuss sowie scharfe Gewürze. Das Sitzen auf kalter Unterlage sollten Betroffene ebenso vermeiden. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

gheyn(at)gmx.de