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Was ich noch erzählen wollte ...

Schlank durch Achtsamkeit

25.01.2013
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Von Annette Behr / Kaum sind die üppigen Festtage vorbei, denken viele Frauen schon wieder ans Abspecken. Sämtliche Zeitschriften präsentieren die angeblich erfolgreichsten Diäten zum schnellen Abnehmen. Zum Jahresanfang entscheide ich mich für eine ganz entspannte Haltung zu diesem Thema.

Momentan meide ich nicht nur Schokolade, sondern auch alle Zeitschriftenabteilungen. Erstens habe ich zu Weihnachten genug Schokolade gegessen und zweitens warten alle Frauenmagazine momentan mit Diäten auf. Drittens muss ich noch ergänzen, dass ich bestimmte Promi-Frauen nicht ausstehen kann.

Meine größte Abneigung gilt Christine Neubauer. Die Schauspielerin ist omnipräsent. Man kann ihr gar nicht entgehen, denn in Deutschlands erstem Fernsehprogramm ist sie allgegenwärtig, rettet eine Farm, den jugendlichen Liebhaber, bedürftige Menschen, ihre Ehe und Tiere. Seit dem letzten Jahr ist Frau Neubauer vom üppigen Vollweib zur schlank-schönen Fünfzigjährigen mutiert. Angeblich hat sie dies mit Weight Watchers geschafft, wie Bärbel Schäfer und Katarina Witt. Ich hege den ernsten Verdacht, dass ihre neue Liebe zu einem Chilenen sie stärker motiviert hat. Außerdem haben viele Verliebte sowieso wenig Appetit!

Crashdiäten

Obwohl auch Heidi Klum ständig in den Medien präsent ist, hat ihr Auftritt zumindest häufig einen hohen Unterhaltungswert. Immerhin macht sie geradezu blitzartig – nach den Geburten ihrer vier Kinder – selbst in Dessous wieder eine tolle Figur. Auf Obst sowie Brot und Nudeln verzichtet das ehemalige Top-Modell ganz, schreiben die Frauenmagazine. Stattdessen ernährt sie sich mit viel Salat, Gemüse, Geflügel und gekochten Eiern. Davon selbstverständlich auch nur das Weiße, weil das Gelbe vom Ei zu viel Cholesterin und Fett enthält. Zusätzlich absolviert Frau Klum täglich ein zweistündiges Spezial-Workout mit ihrem persönlichen Fitness-Trainer. Ihren Körper verdankt sie also harter Disziplin und Arbeit, kein Wunder.

Andere Hollywood-Schönheiten verderben sich den Appetit mit ausgefallenen Essbremsen wie »in Essig getunkten Salatblättern«. Limetten-Sirup-Pfeffer-Wasser soll beispielsweise den Fettstoff­wechsel ankurbeln. Mir ist die Zitro­nen-Pfeffer-Wasser-Variante, verfeinert mit Ahornsirup, durchaus geläufig. Abgenommen habe ich dadurch zwar kein Pfund, aber der Mix entschlackt den Körper und macht eine schöne Haut. Meine Mutter schwört auf Ananas und Grapefruit als Fatburner. Das hat sie mit Kylie Minogue gemeinsam. Diese löffelt angeblich vor jeder Mahlzeit eine Grapefruit, um ihren Appetit auf fettes Essen zu hemmen.

Eigentlich lassen sich die Redakteure der einschlägigen Magazine nichts wirklich Neues einfallen. Besonders schnell schlank sollen Frauen angeblich durch Tee- und Saftfasten, Suppen, Reis-, Brot- oder Apfel-Essigdiäten werden. Viele Frauen wissen aus eigener Erfahrung: Genauso flott, wie die überflüssigen Kilos durch eine Blitzdiät schwanden, haben sie diese wieder zugenommen. Der berühmt berüchtigte Jo-Jo-Effekt schlägt bei denjenigen besonders hart zu, die extrem viel Gewicht verloren.

Gute Vorsätze

Meiner Freundin Rosa gelang es, im letzten Jahr zehn Kilo abzunehmen. Leider verschwand mit den Kilos auch ihre gute Laune und sie kannte nur noch ein Gesprächsthema: Was sie wann aß, und wie viel sie genau abgenommen hatte. Irgendwann war sie erschlankt aber grau im Gesicht, denn ihren Zigarettenkonsum hatte sie nicht reduziert. Gegen Ende des Jahres hatte der Jo-Jo-Effekt auch sie erwischt und wegen der zurückgekehrten Kilos hatte Rosa noch schlechtere Laune.

Meine pubertierende Tochter machte mit ihren Abspeckversuchen so ihre eigenen Erfahrungen: Auf einmal trank sie Unmengen von grünem Tee und aß nur noch Obst und Nüsse. Sie nahm auch ab, kämpfte aber zwischendurch immer wieder mit Heißhungerattacken. Inzwischen halten wir uns gemeinsam an eine abgespeckte Trennkost-Variante: Wir meiden ab 18 Uhr Kohlenhydrate. Zusammen mit einer vollwertigen Ernährung klappt es mit der schlanken Linie ganz gut. Dass wir ständig Süßigkeiten und Fastfood konsumieren möchten, gaukelt uns doch nur die Lebensmittelindustrie mit ausgeklügelten Werbebotschaften vor.

Eine schlanke Figur steht allerdings bei vielen Menschen oben auf der Wunschliste. Abnehmen und mehr sportliche Betätigung gehören daher zu den Top-Ten der guten Vorsätze für jedes neue Jahr. In einer Umfrage der DAK gaben 47 Prozent der Befragten an, sie wollten sich 2013 mehr bewegen, und 27 Prozent möchten abnehmen.

Alles ganz einfach?

Die angepriesenen Wege zum Ideal-­gewicht sind so unterschiedlich wie die Autoren der zahlreichen Ratgeber. Wenn jeder nur bei tatsächlichem Hunger essen würde und weitestgehend auf Pizza, Schokolade und Chips verzichten würde, hätte niemand Gewichtsprobleme, lautet ein Rat. Ist der Start in die Bikini-Saison wirklich so einfach und stressfrei? Ohne den täglichen Gang auf die Waage, ohne Kalorientabellen und das Schielen auf den Body-Mass-Index?

Zunächst sollten wir die Diskussion um das Idealgewicht etwas entspannter angehen. Studien der WHO ergaben, dass nur Untergewicht und starkes Übergewicht die Lebenserwartung verkürzen, nicht aber leichtes Über- gewicht. Wer also nur wenig übergewichtig ist, lebt sogar am längsten und ist weniger anfällig für Krankheiten.

Frauen, die dennoch dem aktuellen Schönheitsideal nacheifern möchten, sollten daran denken, dass sämtliche Bilder und Plakate von Bikini-Schönheiten nachbearbeitet wurden.

Schlank im Schlaf

Meine Freundin Anna schwört auf ein paar Regeln aus dem Buch »Schlank im Schlaf«. Beispiels­weise isst sie abends gar keine oder wenig Kohlenhydrate, verzichtet weitestgehend auf Fett und meidet Zucker. »Süßes schmeckt mir gar nicht mehr wie früher«, sagt Anna inzwischen. Allerdings hilft ihr eine neue Leidenschaft, ihr Gewicht zu halten: Sie fährt fast täglich Fahrrad.

Ein Geheim-Tipp und ein Baustein zum Erfolg ist nach meiner Meinung auch das Buch »Achtsam abnehmen«. Achtsamkeit stammt aus der Meditationspraxis buddhistischer Mönche. Diesen geistigen Zustand erlebt eigentlich jeder immer dann, wenn er ganz wach und präsent ist, bei sich und nicht abgelenkt. »Wenn Sie also beispielsweise Auto fahren, werden Sie nicht nebenher Süßigkeiten essen, mit dem Handy telefonieren und zugleich noch im Handschuhfach nach Ihrer Sonnenbrille kramen«, schreibt der Autor Ronald Pierre Schweppe. Wenn wir abgelenkt sind, bemerken wir nicht, was und wie viel wir essen. Es heißt nicht umsonst, dass nebenbei essen dick macht.

Geduld bringt Rosen

Schon meine Oma brachte mir bei, dass man geduldig sein muss, um etwas zu erreichen, wenn es mir als Kind nicht schnell genug ging. »Wenn Sie möchten, dass in Ihrem Garten schöne Rosen wachsen, müssen Sie Geduld haben, denn Rosen gedeihen nicht von heute auf morgen. Ebenso dauert es einige Zeit, bis die Blüten der Achtsamkeit – nämlich innere Ruhe, Freude, Lebendigkeit und Leichtigkeit – offenbar werden. Und daher kann es auch etwas dauern, bis sich erste Effekte auf der Waage bemerkbar machen«, lese ich in demselben Buch. Der Autor stellt keine Regeln auf, sondern macht Vorschläge und nennt alltagstaugliche Übungen. Ganz nebenbei verdeutlicht er die Unterschiede zwischen Hunger und Appetit. Letzterer komme eher aus der Seele beziehungsweise verlange nach Befriedigung.

Wir brauchen also keine Glyx-Tabellen, sondern mehr Zeit, Geduld und Verständnis. Häufig genug für uns selbst. Mit der Achtsamkeit ist es wie mit dem Sport: Beides erfordert Training. Eine Gewohnheit der buddhistischen Mönche übernehme ich häufig, nur zweimal am Tag zu essen. Ich lasse manchmal einfach das Abendessen ausfallen, wenn ich mittags etwas über die Stränge geschlagen habe. Dinner-Cancelling heißt das neumodisch.

Zum Schluss noch ein Geheim-Tipp von mir und von Heidi Klum zur Mo-­tivation: Lächeln Sie! Denn, »Wer während einer Diät die Mundwinkel sinken lässt, bekommt Falten, und die schlechte Stimmung führt zwangsläufig zu Fressattacken.« /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

blaubehr(at)gmx.net