PTA-Forum online
Berufspolitik

Start ins Jahr 2013

25.01.2013
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Von Annette van Gessel / Zum Jahreswechsel lassen viele Menschen das alte Jahr einmal kritisch Revue passieren und beginnen das neue voller guter Vorsätze. PTA-Forum befragte Sabine Pfeiffer, erste Vorsitzende des Berufsverbands für PTA, und Barbara Neusetzer, erste Vorsitzende der Apotheken­gewerkschaft Adexa, wie ihr Jahresrückblick aussieht und welche Ziele sie sich für 2013 gesteckt haben.

PTA-Forum: Welches berufspolitische Ereignis war im Jahr 2012 für Sie am wichtigsten? 

Pfeiffer: Im Juni fand in Leipzig der BVpta-Kongresstag statt. Hierzu konnten wir viele Gäste aus Politik, Ministerien und Apothekerschaft begrüßen und zusammen mit ihnen und den vielen PTA über die Zukunft unseres Berufes diskutieren. Inwieweit die Argumente auch Gehör finden, dass es sich bei PTA um einen wichtigen, hoch qualifizierten Gesundheitsberuf handelt, wird das Jahr 2013 zeigen.

Sehr gefreut haben wir uns, dass wir in Leipzig mit Ulrike Flach, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, eine Politikerin begrüßen konnten, die für unsere Belange und Probleme ein offenes Ohr hat. Sie setzt sich, nicht nur bei der Apothekerschaft, für eine zeitgerechte Ausbildungs- und Prüfungsverordnung ein. Außerdem sieht sie die Notwendigkeit einer Neufassung des Berufsgesetzes. Hierbei unterstützt sie dezidiert auch unsere Vorschläge.

Ein weiteres berufspolitisches Highlight ist die Aufnahme des BVpta in den Deutschen Frauenrat – übrigens einstimmig. Gestärkt durch die Unterstützung dieses Gremiums können wir in den für uns wichtigen politischen Gremien, aber auch bei der ABDA, unseren Interessen in Zukunft sicher mehr Gewicht geben.

Neusetzer: Da gab es ja eine ganze Reihe von Ereignissen, die für die Apotheken wichtig waren. Exemplarisch möchte ich zwei herausgreifen. Das eine war die im August in Kraft getretene Apothekenbetriebsordnung, die die Beratungspflicht für alle Apotheken gebracht hat, auch für Versandapotheken. Im Prinzip ist das eine Selbstverständlichkeit, denn Arzneimittel und Beratung gehören einfach zusammen. Die Apothekenleitung muss jetzt schriftlich festlegen, wie weit die Beratung durch die einzelne PTA erfolgen darf und in welchen Fällen ein Apotheker hinzuzuziehen ist. Da das mehr Sicherheit für die MitarbeiterInnen schafft, begrüßen wir von Adexa diese Neuerung.

Das zweite Ereignis betrifft die von den Berufsorganisationen erkämpfte Anhebung des Apothekenhonorars zum Jahresbeginn. Diese entspricht zwar nicht der von der ABDA geforderten Summe, bedeutet aber erstmals überhaupt eine Erhöhung seit 2004. Hinzu kommt die von der Regierung zugesagte Zulage für die Notdienst­bereitschaft. Von der Gesamtsumme werden wir bei der anstehenden Tarifverhandlung eine entsprechende Anhebung der Gehälter für alle MitarbeiterInnen fordern.

PTA-Forum: Welche Ziele haben Sie sich für das neue Jahr gesetzt? 

Pfeiffer: Wir möchten erreichen, dass wir – sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Apothekerschaft – die Anerkennung erhalten, die uns als eigenständiger Gesundheitsberuf zusteht. Natürlich ist der Hauptarbeitsplatz einer PTA immer noch die Apotheke, aber dies ändert sich. Inzwischen arbeiten mehr als 30 Prozent der PTA in anderen Bereichen. Sie finden in ihren neuen Arbeitsplätzen die Wertschätzung und berufliche Erfüllung, die sie vorher vermissten. Weil vielen Kolleginnen in der Apotheke die Möglichkeit für eine Weiterentwicklung fehlt, ergreifen sie ihre Chancen in anderen Arbeitsbereichen. Diese wertvollen Mitarbeiter, da oft hoch motiviert, sind für die Apotheke vor Ort verloren, leider!

Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist ein neues Berufsgesetz. Neben der Politik ist hier auch die ABDA gefragt. Die Vertreter der Apothekerschaft werden sich ernsthaft mit dem PTA-Beruf auseinandersetzen müssen, da sich der Nachwuchsmangel in den nächsten Jahren sicher noch verschärfen wird! Wir werden uns 2013 mit Vertretern der ABDA zu Gesprächen treffen und in diesen unsere Forderungen und Vorstellungen einbringen.

Neusetzer: Die Anhebung der Gehälter im Tarifvertrag ist natürlich ein ganz wesentliches Ziel. Außerdem werden wir uns zusammen mit der PTA-Fachgruppe bei Adexa weiter für die Ausbildungsnovellierung einsetzen und dafür sorgen, dass diese zukunftsfähig und zeitgemäß ausgestaltet auf den Weg gebracht werden kann.

Da unsere Mitgliederzahl kontinuierlich wächst, benötigen wir auch mehr Arbeitsplätze in der Adexa-Hauptgeschäftsstelle, damit wir weiterhin eine zügige Beratung in allen Rechtsanfragen anbieten und unsere Serviceleistungen weiter auszubauen können. Einen ersten Schritt dazu haben wir bereits am Jahresende 2012 durch den Umzug in ein größeres Büro geschafft.

Und am 27. April wollen wir den dritten Erlebnis- und Gewerkschaftstag durchführen, in diesem Jahr in Nürnberg, zu dem wir alle PTA herzlich ein­laden. Das Schwerpunktthema wird Reisemedizin sein. 

PTA-Forum: Was ist Ihr größter Wunsch, den die Politik den PTA im Jahr 2013 erfüllen könnte?

Pfeiffer: Das Jahr 2013 wird geprägt sein durch Wahlen. Dies bedeutet, dass in der Politik niemand seine Wählerschaft durch unpopuläre Eingriffe, auch im gesundheitspolitischen Bereich, verprellen will. Daher sind große Entscheidungen nicht zu erwarten. Uns ist es wichtig, dass wir die Wege ebnen für eine dreijährige Ausbildung. Die Zeit drängt, denn in Gesprächen mit zuständigen Abgeordneten ist uns unmissverständlich klar gemacht worden, dass wir mit zweieinhalb Jahren Ausbildung, als Beruf ohne Kompetenzen und unter Aufsicht arbeitend keine Chance haben werden, beim Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) im Level 4 eingestuft zu werden. Alle anderen Gesundheitsfachberufe werden dieses Level erreichen, eventuell sogar Level 5! Wir sehen uns somit als billige Arbeitskräfte mit einer hoch qualifizierten Ausbildung. Wie soll man das dem interessierten Nachwuchs vermitteln? Der genannte Qualifikationsrahmen wird in Zukunft ein wichtiger Gradmesser der beruflichen Einstufung sein – gerade im europäischen Vergleich, hier kurz EQR genannt.

Nochmals: Die Politik muss begreifen, dass neben Apothekern, Ärzten und der Pflege weitere Gesundheitsberufe – also auch die PTA – in diesem System ein wichtiges Rad sind, um dessen Funktionen zu garantieren. Und wir PTA verlangen nicht mehr und nicht weniger, als dass die Politik unsere Wichtigkeit anerkennt.

Professor Igl hat auf dem Kongress in Leipzig nochmals darauf hingewiesen, dass ein bundesrechtlich geregelter Gesundheitsberuf für die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung steht. Noch deutlicher sagt es das europäische Recht: Erreichung eines hohen Gesundheitsschutzniveaus. PTA sind in allen Bereichen der gesundheit­lichen Versorgung tätig, betonte Igl. Über dieses Thema möchten meine Kolleginnen und ich gern mit der Politik diskutieren. Herr Bahr, Herr Spahn, Frau Dr. Reimann, Frau Dr. Bunge, Frau Bender – wir stehen bereit!

Neusetzer: Dass sich die Politik stärker darum kümmert, mehr Geschlechtergerechtigkeit bei der Bezahlung durchzusetzen. Rang 24 bei der Lohnlücke zwischen Männer- und Frauengehältern im europäischen Raum ist wahrlich eher beschämend. Daher müssen gerade auch in den überwiegend von Frauen ausgeübten Berufen die Gehälter deutlich steigen.

Die Apothekengewerkschaft Adexa setzt sich sowohl im Rahmen des Equal Pay Day 2013 als auch darüber hinaus für eine leistungsgerechte Bezahlung aller Angestellten in öffent­lichen Apotheken ein. Außerdem unterstützen wir die Forderung nach fairen Einkommens­perspektiven für alle in Gesundheitsberufen Tätigen. Denn nur so kann Deutschland genügend qualifizierte Fachkräfte für eine der wichtigsten Branchen der Zukunft in einer alternden Gesellschaft gewinnen und binden.

PTA-Forum: In welche Richtung sollte sich der PTA-Beruf beziehungsweise die Apotheke insgesamt in Zukunft entwickeln?

Pfeiffer: Wir arbeiten an einer grundständigen Ausbildung zum PTA. Danach soll sich der Absolvent spezialisieren können. Hier ist die Beachtung der europäischen Vorgaben wichtig, die auch eine Durchgängigkeit im Schulsystem beinhalten.

Apotheker Jochen Pfeifer aus Velbert hat in seinem Vortrag auf unserem Kongress eine sehr interessante Vision für die Apotheke der Zukunft vorgestellt, über die wir schon oft diskutiert haben. PTA stehen den Kunden oder Patienten pharmazeutisch beratend zur Seite. Dies kann beinhalten: PTA geben allgemeine Hinweise zu den Arzneimitteln, erklären den Beipackzettel, nutzen Informationssysteme zum Interaktionscheck oder gleichen medikamentenbezogene Probleme ab, was für viele Patienten ausreichend ist. Der Apotheker ist für die pharmazeutische Betreuung zuständig. Hier ist seine wissenschaftliche Kompetenz gefragt, beispielsweise überflüssige Medikamente zu vermeiden, die Dosierung zu korrigieren, immer in Zusammenarbeit mit dem Arzt abzuklären, ob die verordneten Medikamente die optimale Medikation darstellen und mehr. Ich denke, dass unter diesem Aspekt die Apotheke ein Alleinstellungsmerkmal weiter behält beziehungsweise wieder erlangen kann. Diese Facharbeit können nur PTA und Apotheker in einer guten Partnerschaft leisten. Und dieses wird nur möglich sein, wenn diese Beratung und Betreuung entsprechend honoriert werden. Liegt hierin ja auch ein großes Einsparpotenzial für die Krankenkassen. Man denke nur an die vielen Krankenhaus-Einweisungen wegen falscher Medikation!

Medikamente gehören nicht in Drogerien, Supermärkte oder in den Lebensmittelhandel – weder die traditionellen Arzneimittel noch die Medizinprodukte noch die Lebensmittel mit gesundheitsförderndem Wert. Die Abgabe von Arzneimitteln muss in den Händen der Fachfrau oder des Fachmannes bleiben; schließlich steht unser höchstes Gut auf dem Spiel: unsere Gesundheit.

Neusetzer: Die Tätigkeiten der PTA haben in den Jahren seit der letzten Novellierung 1998 starke Veränderungen erfahren. Die Anforderungen sind enorm gestiegen. Schwerpunkt der Tätigkeiten ist derzeit der Handverkauf, die Beratung der Patienten im OTC- und Rx-Bereich. Die Patienten kommen häufiger zuerst in die Apotheke, wenn sie sich krank fühlen. Dadurch ist der Beratungsbedarf enorm gestiegen und die PTA benötigen eine weitergehende Qualifizierung – zum Beispiel im Bereich der Selbstmedikation. Diesen Umständen muss dringend Rechnung getragen werden durch eine solide und umfassende Ausbildung.

Adexa ist es wichtig, eine Vereinheitlichung der Qualität der Ausbildung in allen Bundesländern zu erreichen. Bei der Ausbildungsdauer sollte eine Anpassung an europarechtliche Vorschriften erfolgen. Bei der Prüfung sollten PTA als reguläre PrüferInnen integriert werden. Auch bei den Stunden ist eine neue Gewichtung und insgesamt eine Aufstockung nötig. Die Ausbildungsinhalte könnten um Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache erweitert werden, damit die PTA gegebenenfalls mit ihrem Examen einen Fachhochschulabschluss erreicht oder anschließen kann.

Für die Apotheken insgesamt wünsche ich mir ein Vergütungssystem, das auch die Beratungsleistung angemessen honoriert. Und eine stärkere Zusammenarbeit mit den Ärzten halte ich für sinnvoll – wie im ABDA/KBV-Modell für multimorbide Patienten, das hoffentlich in diesem Jahr an den Start gehen wird. /