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Berufsfelder

PTA in der Zytostatika­herstellung

24.01.2014
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Von Annette Immel-Sehr / PTA Christine Rottstädt arbeitet in der Krankenhausapotheke der Zentralklinik Bad Berka in Thüringen. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist die Herstellung steriler Lösungen – ein interessantes und verantwortungsvolles Tätigkeitsfeld. Allein 5000 bis 6000 Zytostatika stellt die Apotheke pro Jahr patientenindividuell her. PTA-Forum hat Christine Rottstädt gebeten, über ihren Berufsalltag zu berichten.

PTA-Forum: Wie viele Mitarbeiter der Apotheke sind bei Ihnen in der Zytostatika-Herstellung tätig?

Rottstädt: Wir sind vier PTA, die dazu befähigt sind, und ein Apotheker als verantwortlicher Herstellungsleiter.

PTA-Forum: Was bedeutet denn in diesem Zusammenhang befähigt?

Rottstädt: Das heißt, dass wir bei der Landesapothekerkammer Thüringen einen Zertifikatskurs zur Herstellung von Parenteralia absolviert haben. Das war ein Tag reine Theorie. Danach haben wir dann im Krankenhaus unter Anleitung von Kollegen mit unkritischen Lösungen praktisch trainiert. Alle PTA haben ein entsprechendes Zertifikat erworben, das wir durch Fortbildung regelmäßig erneuern müssen.

PTA-Forum: Wie läuft Ihr Arbeitsalltag normalerweise ab?

Rottstädt: Die Tätigkeiten der PTA sind bei uns so eingeteilt, dass wir abwechselnd eine Woche in der Herstellung arbeiten und in der anderen Woche in der Verblisterung sind. Dort stellen wir für die Krankenhauspatienten die tägliche Ration oraler Arzneimittel zusammen und packen diese mittels eines Schlauchkommissionierautomaten in Folientütchen. Ich bin in der Herstellungswoche neben der Zytostatikaherstellung auch in der Rezeptur und Defektur tätig. In der Zytostatika-Herstellung, über die ich ja hier berichten will, sind wir immer zwei PTA. Eine stellt her, die andere reicht zu. Deshalb nennen wir sie Zureicherin.

PTA-Forum: Beschreiben Sie bitte mal, wie eine solche Herstellung abläuft.

Rottstädt: Die Arbeit beginnt eigentlich damit, dass wir morgens zuerst an zwei PC arbeiten. Der eine dient der Überwachung des Reinraumbereichs. Hier werden Temperatur und Druck dokumentiert. Über den anderen PC erhalten wir die ärztlichen Verordnungen vorab elektronisch. So wissen wir, welche zytostatischen Infusionen an dem Tag gebraucht werden, und können einen Produktionsplan erstellen. Wir drucken die Etiketten aus, holen die benötigten Materialien und Arzneimittel, und geben sie durch die Materialschleuse in den C- Bereich des Reinraumtraktes. Der Reinraumtrakt besteht aus verschiedenen Reinraumbereichen, die durch Personal- und Materialschleusen miteinander verbunden sind. Wir selber gehen zuerst durch die erste Personenschleuse von D nach C, in der wir unsere Bereichskleidung ähnlich wie in einem OP anziehen, also zum Beispiel Haube, Mundschutz, Kittel und Handschuhe. Schminke, lackierte Fingernägel und Schmuck sind bei der Arbeit natürlich verboten. Nach der ersten Personenschleuse kommt der bereits erwähnte C-Bereich. Hier lagern die Arzneistoffe und Lösungen. Die Zureicherin stellt alles Benötigte zusammen und schleust es durch eine Materialschleuse vom C-Bereich in den B-Bereich ein. Der B-Bereich ist der Herstellungsraum. Auch wir gehen in den B-Bereich, nachdem wir weitere Schutzkleidung, unter anderem ein zweites Paar flüssigkeitsdichte, sterile Handschuhe, in der zweiten Personenschleuse von C nach B angezogen haben. Die eigentliche Herstellung findet an der Werkbank, in der Reinraumklasse A, statt. Die Herstellerin sitzt dort und spritzt Stammlösung mit dem jeweiligen Zytostatikum in den Infusionsbeutel. Die Zureicherin sagt laut an, welche Mengen und Chargen verwendet werden müssen, und kontrolliert das Volumen, das die Herstellerin in die Spritze aufgezogen hat. Die Herstellerin selbst prüft auch noch einmal die Substanz und die Dosierung, da sie die Verordnungen auf einem Bildschirm unterhalb der Box einsehen kann. Der fertige Beutel wird mit einem Siegel- und einem Patientenetikett versehen und eingeschweißt.

PTA-Forum: Wie lange dauert das?

Rottstädt: Die eigentliche Herstellung einer Infusion geht schnell, sie dauert höchstens drei Minuten. Die meiste Zeit brauchen immer alle Sicherheits- und Vorbereitungsmaßnahmen. Freitags haben wir meist viel zu tun, denn da stellen wir für das Wochenende immer relativ viele Lösungen her. Alle 20 Minuten müssen wir das obere Paar Handschuhe wechseln, um sicher zu gehen, dass es keine Leckagen gibt. Wenn wir mit der Herstellung an der Werkbank fertig sind, gehen wir aus dem Reinraumtrakt zurück an den PC und dokumentieren alles. Jedes Mal geben wir auch Proben zur mikrobiologischen Untersuchung an das Labor. Dort wird geprüft, ob alles mikrobiologisch einwandfrei ist.

PTA-Forum: Das ist ja eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Beunruhigt Sie das manchmal, haben Sie Angst, Fehler zu machen?

Rottstädt: Nein, ich fühle mich sehr sicher. Die Möglichkeit, Fehler zu machen, ist durch die Rahmenbedingungen minimiert. Der Reinraumtrakt ist streng kontrolliert, wir tragen die Schutzkleidung, die Verfahrensanweisungen sind ausgefeilt und wir arbeiten nach dem Vier-Augen-Prinzip. Wenn ich arbeite, denke ich auch an die Patienten, für die ich die Infusionen herstelle. Dadurch arbeite ich immer sehr konzentriert. Um fachlich auf dem Laufenden zu sein, lese ich viel. Ich persönlich finde auch den Austausch mit PTA aus anderen Krankenhäusern wichtig. Es gibt ein spezielles Online-Forum, wo ich mich zum Beispiel über Neuerungen oder technische Schwierigkeiten informieren kann.

PTA-Forum: Wie kamen Sie dazu, im Krankenhaus zu arbeiten?

Rottstädt: Während der Ausbildung merkte ich, dass mir Herstellung am meisten Spaß macht. Ich suchte nach Arbeitsbereichen für PTAs und bin dabei auf die Krankenhausapotheke gestoßen. Dieser Tätigkeitsbereich hat mich am meisten angesprochen. Ich empfinde die Aufgaben hier als sehr vielseitig.

PTA-Forum: Was würden Sie einer PTA sagen, die überlegt, selbst in der Krankenhaus-Herstellung tätig zu werden? Worauf kommt es an?

Rottstädt: Sorgfältig und verantwortungsvoll zu arbeiten, gehört ja zum Beruf, egal ob die PTA in der öffentlichen Apotheke oder im Krankenhaus arbeitet. Wer in der Herstellung arbeiten möchte, sollte Freude daran haben. Die Arbeitsschritte sind natürlich auch Übungssache, aber man sollte schon ein gewisses Geschick mitbringen. Bei Kinderwunsch sollte man wissen, dass man während der Schwangerschaft nicht in der Zytostatika-Herstellung arbeiten darf, da diese Substanzen ja das Zellwachstum hemmen. Wer also in absehbarer Zeit schwanger werden möchte, sollte nicht kurz vorher in der Zytostatika-Herstellung beginnen.

PTA-Forum: Vermissen Sie manchmal das Gespräch mit Patienten?

Rottstädt: Nein, gar nicht. Dafür habe ich andere Kontakte, mit den Kollegen sowieso und mit dem Stationspersonal, wenn es Rücksprachen gibt oder sich etwas ändert. Hier legen wir Wert auf eine gute Kommunikation. Das dient ja auch wieder der Sicherheit. Ich bin sehr zufrieden mit meinen Aufgaben. Daher komme ich zurzeit gar nicht auf die Idee, in die öffentliche Apotheke zu wechseln. /