PTA-Forum online
Berufspolitik

Start ins Jahr 2014

24.01.2014
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Von Annette van Gessel / Zum Jahreswechsel lassen viele Menschen das alte Jahr kritisch Revue passieren und beginnen das neue voller guter Vorsätze. PTA-Forum befragte Sabine Pfeiffer, erste Vorsitzende des Berufsverbands für PTA, und Barbara Neusetzer, erste Vorsitzende der Apothekengewerkschaft Adexa, wie ihr Jahresrückblick aussieht und welche Ziele sie sich für 2014 gesteckt haben.

PTA-Forum: Welches berufspolitische Ereignis war im Jahr 2013 für Sie am wichtigsten? 

Pfeiffer: Berufspolitisch ist das Jahr 2013 für unsere Berufsgruppe ruhig verlaufen. Allerdings verfolgen wir sehr genau die Diskussion um ein neues Leitbild der Apotheker. Denn ohne PTA wird die praktische Umsetzung der pharmazeutischen Aufgaben auch in Zukunft nicht gelingen. Dies sollten die Apotheker, nicht zuletzt auch die ABDA, berücksichtigen.

In ihrer Abschiedsrede beim Nordrheinischen Apothekerverband hat die ehemalige Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit, Ulrike Flach (FDP), darauf hingewiesen, dass sie sich – ausgehend vom neuen Leitbild – eine Honorierung der pharmazeutischen Leistungen durchaus vorstellen kann. Dies sehen auch wir PTA als Weg in die richtige Richtung.

Neusetzer: Erstmals seit Jahren hatten Apothekeninhaber 2013 wieder mehr Planungssicherheit. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Zum Jahresbeginn wurde das Fixhonorar für Apotheken erhöht, der Deutsche Apothekerverband und der GKV-Spitzenverband einigten sich beim Kassenabschlag für die Jahre 2009 bis 2015 und zur Jahresmitte fiel die Entscheidung zum Apothekennotdienstsicherstellungsgesetz, das sogenannte ANSG, mit der neuen Notdienstpauschale. Als Konsequenz konnten wir als Gewerkschaft zum 1. Juli 2013 einen vernünftigen Gehaltstarifabschluss mit zweijähriger Laufzeit für die Apothekenangestellten im Bundesgebiet erzielen – mit Ausnahme von Nordrhein und Sachsen. Für Nordrhein dient der Gehaltstarif aber insbesondere bei den Ausbildungsvergütungen als Vorbild.

PTA-Forum: Welche Ziele haben Sie sich für das neue Jahr gesetzt? 

Pfeiffer: Wir werden nach wie vor für eine dreijährige Ausbildung kämpfen. Das sind wir der nachfolgenden PTA-­Generation schuldig. Vor fast 17 Jahren, also im Jahr 1997, gab es die letzte Änderung bei den Ausbildungsinhalten. Seitdem hat sich aber am Arbeitsplatz öffentliche Apotheke vieles verändert. Immer mehr Kolleginnen finden ihren Traumberuf nicht mehr in der Apotheke. Deshalb müssen die Ausbildungsinhalte auch der Entwicklung der letzten Jahre Rechnung tragen.

Mit der Änderung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung wollen wir gleichzeitig ein neues, modernes und zukunftsweisendes Berufsgesetz schaffen. Das alte stammt aus dem Jahr 1968, der Geburtsstunde des PTA-Berufs, und aus dieser Zeit stammt auch die Formulierung, dass PTA »unter Aufsicht des Apothekers« arbeiten. Mehr als 35 Prozent meiner Kolleginnen sind aber nicht in der öffentlichen Apotheke tätig und dieser Anteil erhöht sich rasant. Für alle PTA möchten wir uns einsetzen, damit sie zu ihrer Berufsbezeichnung weiterhin mit Stolz stehen können. Das hat dieser hoch qualifizierte Gesundheitsfachberuf auch verdient. Gern stellen wir auch zukünftig in den Ministerien und Fachgremien unsere erarbeiteten Vorschläge beziehungsweise Entwürfe vor und sind jederzeit zu Diskussionen bereit.

Neusetzer: Wir wollen schnellstmöglich auch den neuen Gehaltstarifvertrag für das Kammergebiet Nordrhein mit der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL), also den dortigen Arbeitgebervertretern, unter Dach und Fach bringen. Die Kolleginnen und Kollegen und der Berufsnachwuchs warten schon darauf.

Außerdem wollen wir die im Spätherbst begonnenen Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken, dem ADA, über einen neuen Bundesrahmentarifvertrag, auch BRTV genannt, zu einem guten Abschluss bringen, denn der ADA hat den BRTV gekündigt. Als Gewerkschaft haben wir zahlreiche Verbesserungsvorschläge eingebracht, die die Apothekenberufe und Arbeitsbedingungen attraktiver machen sollen. Diesem Ziel sollten sich die Arbeitgeber beim heutigen und wachsenden Fachkräftemangel nicht verschließen.

PTA-Forum: Was ist Ihr größter Wunsch, den die Politik den PTA im Jahr 2014 erfüllen könnte?

Pfeiffer: Wir haben ja seit Dezember einen neuen Gesundheitsminister. Ich hoffe, dass Hermann Gröhe das Gesundheitssystem als Ganzes anschaut und sich nicht nur auf bestimmte Teile konzentriert. Diesen Wunsch habe ich ihm auch bereits in einem Glückwunschschreiben mitgeteilt.

Natürlich setzt der Minister aufgrund des Koalitionsvertrages in seinem neuen Amt Prioritäten, beispielsweise will er die Pflegeversicherung reformieren. Einen Gedanken sollte er dabei ausreichend berücksichtigen: Ohne alle Gesundheitsfachberufe, also auch die PTA, wird keine Pflegereform gelingen. Denn unsere Fachkompetenzen können sich Pflegekräfte nicht so einfach aneignen, wie dies bisweilen Vertreter der Pflegeberufe einfordern. Da kann ich nur vor Selbstüberschätzung warnen. Hier wäre ganz sicher einmal ein »runder Tisch« mit allen Vertretern der bundesrechtlich geregelten Gesundheitsfachberufe vonnöten.

Ein weiterer Wunsch betrifft den Umgang der Politik mit uns PTA: Wir erwarten mehr Anerkennung für unsere Berufsgruppe. Schon jetzt haben wir ein Problem mit der PTA-Ausbildung in Nordrhein-Westfalen. Durch Wegfall der Fördermittel des Landes droht dort vielen PTA-Schulen das Aus. Der Fachkräftemangel, der bereits in vielen Bundesländern besteht, wird sich so weiter verstärken.

Wie will die Politik die immer wieder beschworene wohnortnahe und sichere Arzneimittelversorgung der Bevölkerung aufrechterhalten, wenn sie sich nicht für unseren Berufsstand einsetzt? Derzeit arbeiten mehr als 59 000 PTA bundesweit in den Apotheken. Damit sind wir die größte Berufsgruppe in der öffentlichen Apotheke, noch vor den Apothekern. Das muss auch die Politik zur Kenntnis nehmen.

Neusetzer: Mein Wunsch für das Jahr 2014 ist, die längst überfällige PTA-Ausbildungsnovellierung in Angriff zu nehmen. Adexa plädiert mit Nachdruck dafür, die schulische Ausbildungszeit um ein halbes Jahr zu verlängern. Mit dieser Verlängerung sowie mit inhaltlichen Änderungen würde die Ausbildung zukunftsorientierter gestaltet. Hier hoffen wir, dass die Zuständigen im Gesundheitsministerium mit dem neuen Gesundheitsminister gut und effektiv zusammenarbeiten und dabei die Interessen von Beschäftigten und Patienten im Auge haben. Außerdem wünschen wir uns von der Politik eine möglichst einheitliche Ausbildung in allen Bundesländern und zwar – man wird ja noch träumen dürfen – überall ohne Schulgeld.

PTA-Forum: In welche Richtung sollte sich der PTA-Beruf beziehungsweise die Apotheke in Zukunft entwickeln?

Pfeiffer: Ich wünsche mir, dass die PTA in Deutschland geschlossen für den PTA-Beruf eintreten, selbstbewusst ihren Beruf repräsentieren und auf ihre Profession stolz sind.

Alle Mitarbeiter in der öffentlichen Apotheke müssen sich neuen Aufgabenfeldern öffnen. Arbeitsbereiche, die es bei der Einführung des PTA-Berufes vor über 45 Jahren gab, haben heute längst an Bedeutung verloren. Es wird einen weiteren Wandel geben, dem niemand mit einer Abwehrhaltung begegnen sollte. Der Berufsverband der PTA begrüßt, dass die Apotheker ein Leitbild entwickeln, in dem sie selbst mehr Verantwortung übernehmen. Auch hier wollen wir PTA mit einbezogen werden.

Neusetzer: In jeder Apotheke – ob groß oder klein, in der Stadt oder auf dem Land – müssen Patienten beziehungsweise Kunden individuell, fachlich und kommunikativ optimal beraten werden können. Das geht natürlich nicht ohne entsprechende Fort- und Weiterbildung, die der Betrieb beziehungsweise der Apothekenleiter entsprechend unterstützen muss. Und für Angestellte muss es eine finanzielle Anerkennung der Weiterbildungen zur Fach-PTA und zum Fachapotheker geben. Lebenslanges Lernen macht in der Regel auch Spaß – es muss zu einer Selbstverständlichkeit in allen Apotheken werden.

Zwar kann ein Qualitätsmanagementsystem die Beratungsqualität steigern und eine effiziente Dokumentation in der Rezeptur die Versorgungsqualität verbessern, dennoch wünschen wir an anderen Stellen einen Abbau der Bürokratie. Dabei sehen wir insbesondere bei den Krankenkassen Handlungsbedarf, aber auch in der Politik und unserer Standesführung.

Auch möchte ich betonen, wie wichtig es ist, das Team jeder Apotheke sinnvoll zusammenzusetzen: Die Tendenz, die Berufsgruppe der PKA zu ignorieren und deren Tätigkeiten von PTA mit erledigen zu lassen, sehen wir mit Sorge. PTA werden mit ausbildungsfremden Inhalten belastet und PKA werden gerade in Ostdeutschland kaum noch ausgebildet. Dabei ist eine Arbeitsteilung nach kaufmännischen und pharmazeutischen Tätigkeiten sehr sinnvoll. Warum es gerade in Apotheken eine Entwicklung zurück zum Allrounder geben soll, kann ich nicht nachvollziehen. /