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Helicobacter pylori

Tückischer Keim

24.01.2014
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Von Verena Arzbach / Häufig fragen Patienten in der Apotheke nach einem wirksamen Mittel gegen Magenschmerzen und Übelkeit. Meist sind die Beschwerden harmlos, halten sie jedoch länger an, steckt vielleicht ein Bakterium im Magen dahinter: Helicobacter pylori.

Das Bakterium Helicobacter pylori verursacht Entzündungen der Magenschleimhaut, spielt eine Rolle bei der Entstehung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren und erhöht das Risiko von Magenkrebs. Forscher nehmen an, dass zwischen 50 und 80 Prozent aller Magenkarzinome auf H. pylori zurückgehen.

Die Infektion verläuft häufig symptomlos und daher unbemerkt, in einigen Fällen äußert sie sich durch Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen. Wie sich die Menschen mit dem Bakterium infizieren, ist nicht genau geklärt. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch, wahrscheinlich fäkal-oral: Infizierte scheiden den Keim also über den Stuhl aus und Gesunde nehmen diesen über kontaminiertes Wasser oder Nahrung auf. Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO gehen davon aus, dass weltweit mehr als die Hälfte der Menschen den Erreger in sich trägt. Dabei gibt es große regionale Unterschiede: In den westlichen Industrieländern – so auch in Deutschland – ist nur rund ein Viertel der Erwachsenen infiziert. In Afrika, Asien und Südamerika hingegen beträgt die Infektionsrate in einigen Regionen bis zu 80 Prozent.

Nur bei 10 bis 20 Prozent der Infi­zierten führt der Magenkeim zu einer chronischen Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis) und zu Magengeschwüren. Warum manche Infizierte Symptome entwickeln, andere aber beschwerdefrei bleiben, ist noch unklar. Als Grund vermuten Experten die unterschiedliche Aggressivität verschiedener H. pylori-Stämme. Dazu kommen Faktoren wie ein geschwächtes Immunsystem sowie Rauchen und Alkoholkonsum. Auch die Einnahme von Arzneimitteln wie nicht-steroidale Antirheumatika oder Glucocorticoiden kann das Risiko erhöhen, eine Magenschleimhautentzündung oder ein Magengeschwür zu entwickeln.

Helicobacter pylori bindet an die Zellen der Magenschleimhaut und setzt dabei Giftstoffe frei, die das Zellgewebe schädigen. Dies kann zu einer chronischen Entzündung führen; Folge ist eine Gastritis. Die Magensäure soll eigentlich pathogene Keime in der Nahrung abtöten, stößt aber bei H. pylori an ihre Grenzen. Denn das Bakterium hat sich mit verschiedenen Maßnahmen an das saure Milieu im Magen angepasst. Forscher haben nachgewiesen, dass für das Überleben im Sauren unter anderem die spezielle Spiralform des Bakteriums verantwortlich ist. Bestimmte Proteine helfen dem Bakterium, seine charakteristische Korkenzieherform anzunehmen und ermöglichen so die Einnistung in die Magenschleimhaut. H. pylori schraubt sich regelrecht in die Schleimhaut und entgeht so der Zersetzung durch die Säure. Außerdem bildet der Keim das Enzym Urease, das Harnstoff im Magen in Ammoniak und Kohlendioxid spaltet. Der Ammoniak hebt den pH-Wert in der Umgebung des Keims und bildet einen Säureschutzmantel um das Bakterium.

Mehrere Testmethoden

Diese Fähigkeit des Bakteriums machen sich Ärzte bei dessen Nachweis zunutze. Mit dem Helicobacter-Urease-Test kann er eine Gewebeprobe aus dem Magen, die er bei einer Endoskopie (Magenspiegelung) entnimmt, schnell auf die Besiedlung mit H. pylori untersuchen. Der Gastroenterologe taucht die Probe dazu in eine Nährlösung, die Harnstoff und einen Indikator enthält. Verläuft der Test positiv, zersetzen H. pylori-Bakterien den Harnstoff unter anderem in Ammoniak, der den Indikator anfärbt.

Weitere Testmethoden auf eine Besiedlung des Magens mit H. pylori sind die Untersuchung einer Stuhlprobe und ein Atemgastest. Für den Nachweis im Atem trinkt der Patient eine Harnstofflösung, in der der Harnstoff mit dem schwach radioaktiven Kohlenstoff-Isotop 13C markiert ist. Ist der Patient infiziert, verstoffwechselt das Bakterium den C-13-Harnstoff zu ebenfalls radio­aktivem Kohlendioxid. Die Substanz wird in die Lunge transportiert, beim Ausatmen freigesetzt und in der Atemluft gemessen. Seit September 2013 ist zudem ein Test in Apotheken erhältlich, den der Patient bei entsprechenden Beschwerden selbst zuhause durchführen kann. Der Test bestimmt in einer Blutprobe aus der Fingerbeere die Anwesenheit von H. pylori-Antikörpern, die der Körper als Reaktion auf die Infek­tion bildet. /

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