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Krankenkassen

Abschied vom Einheitsbeitrag

09.01.2015
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Von Daniel Rücker / Seit diesem Januar gibt es eine neue Regelung für den Beitrag zur Gesetzlichen Krankenversicherung: Der Einheitsbeitrag ist abgeschafft. Für viele Versicherte ändert sich allerdings erst einmal wenig.

Es war ein echter Zankapfel in den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl Ende 2013. Die CDU wollte den damals geltenden Sonderbeitrag für die Kassen unbedingt abschaffen. Der lag bei 0,9 Prozent vom Bruttoeinkommen und wurde von den Versicherten allein bezahlt. Den Basissatz von 14,6 Prozent teilten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. In der Summe zahlten die Unternehmen also 7,3 Prozent und die Versicherten 8,2 Prozent des Beitragssatzes von 15,5 Prozent.

Dem CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn war der pauschale Sonderbeitrag ein Dorn im Auge. Zusatzbeiträge seien ein starkes Wettbewerbsin­strument, begründete er seine Position. Über sie könnten die Krankenkassen auch wieder stärker über ihre eigenen Finanzen bestimmen. Der Koalitionspartner SPD ist hingegen eigentlich kein Freund wettbewerblicher Instrumente. Die Zustimmung zu Spahns Vorschlag erleichterte die Union den Sozialdemokraten Ende 2013 mit der Abschaffung der pauschalen Zusatzbeiträge. Die Versicherten hätten die Zusatzbeiträge bezahlen müssen, wenn ihre Kasse mit den regulären Beiträgen nicht auskommt. Als einkommensunabhängige Pauschalen galten sie der SPD als unsozial. Deshalb verbuchte der SPD-Gesundheitsexperte Professor Karl Lauterbach deren Umwandlung in einen vom Einkommen abhängigen prozentualen Zuschlag als »das historische Ende der Kopfpauschalen«. So einigte man sich darauf, den Beitragssatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung ab dem 1. Januar 2015 auf 14,6 Prozent zu senken, die jeweils zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezahlt werden. Gleichzeitig haben die Krankenkassen die Gelegenheit, für die Versicherten einen prozentualen Zusatzbeitrag zu erheben, wenn sie nicht mit den Beitragseinnahmen auskommen.

Ob sich das ganze Getöse am Ende ausgezahlt hat, wird sich 2015 wahrscheinlich noch nicht abzeichnen. Fast alle Krankenkassen müssen einen Zusatzbeitrag erheben. Im Durchschnitt nehmen die Kassen einen Sonderbeitrag von 0,9 Prozent. Zusammen mit dem regulären Beitrag ergeben sich daraus wieder 15,5 Prozent. Die allermeisten Versicherten werden die Umstellung im Portemonnaie also gar nicht merken. Entsprechend lau wird der Wettbewerb der Kassen in diesem Jahr ausfallen.

Spannend ist allerdings, welche Konsequenzen der Kassenbeitrag in den nachfolgenden Jahren zeigen wird. Experten gehen von steigenden Ausgaben der Krankenkassen aus. Krankenkassen, die bis dahin gut gewirtschaftet haben, werden länger ohne weitere Beitragserhöhungen auskommen, als solche mit einem kleineren Finanzpolster. In der Folge werden sich die Bei­träge einzelner Krankenkassen immer deutlicher voneinander unterscheiden. Den Kassen mit hohem Zusatzbeitrag droht dann ein Mitgliederschwund. Gesundheitsexperte Spahn hätte damit sein Ziel erreicht, den Wettbewerb unter den Krankenkassen anzukurbeln. /