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Schnupfen

Erkältung oder Allergie?

09.01.2015
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Von Eva-Maria-Hierl / Nicht hinter jedem Schnupfen steckt ein grippaler Infekt. Zwar liegt im Winter eine Erkältung nahe, PTA und Apotheker sollten im Beratungsgespräch aber auch an eine Allergie als Auslöser denken.

Bei einem grippalen Infekt und einer allergischen Rhinitis (»Heuschnupfen«) treten sehr ähnliche Symptome auf. Beiden Erkrankungen gemeinsam sind beispielsweise Niesen, eine laufende Nase, gerötete oder glasige Augen, Husten, Beschwerden beim Atmen und Abgeschlagenheit. Meist liegt es in der kalten Jahreszeit nahe, dass eine Erkältung hinter den Beschwerden steckt. Doch im Winter kann sich so auch eine Allergie bemerkbar machen.

PTA und Apotheker sollten daher im Beratungsgespräch die Beschwerden des Betroffenen genau erfassen. Treten die Symptome plötzlich auf und berichtet der Kunde, dass die Nase immer zu einer bestimmten Jahreszeit »zu« sei, kann eine Allergie vorliegen. Ein viraler Erkältungsschnupfen hingegen entwickelt sich typischerweise allmählich über Stunden oder gar Tage. Treten die Symptome nach dem Kontakt mit bestimmten Haustieren (Katzen, Hunde, Vögel, Nager) auf, sollte das die PTA aufhorchen lassen. In diesen Fällen ist eine Allergie wahrscheinlich – insbesondere, wenn sich der Betroffene danach schnell besser fühlt.

Fieber oder eine erhöhte Temperatur sind ebenfalls ein Hinweis im Beratungsgespräch: Grippale Infekte gehen häufig mit einem Temperaturanstieg einher, bei einer Allergie hingegen ist Fieber zwar möglich, aber untypisch. Ein wiederkehrender, quälender Juckreiz in Augen und Nase oder im Mund- und Rachenraum sprechen wiederum für eine histaminvermittelte Reaktion, also eine allergische Rhinitis. Bei einer Erkältung hingegen kratzt oder schmerzt es im Hals, Juckreiz ist aber eher selten.

Achtung Hausstaubmilbe

Etwa 10 Prozent der Deutschen reagieren allergisch auf Hausstaubmilben, genauer gesagt auf ein Allergen im Kot der Milben. Die Tiere vermehren sich in feuchter Umgebung besonders gut. Daher steigt ihre Zahl in den Sommermonaten an. Mit der Heizperiode im Winter sinkt die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung, und die Hausstaubmilben sterben ab. Genau dann ist die Belastung mit Milbenkot und damit mit Milbenallergenen am höchsten. Vor allem, wenn Textilien wie die Bettwäsche aufgeschüttelt oder -geklopft werden, gelangen die Allergene in die Atemluft und lösen bei Milbenallergikern zum Beispiel Schnupfen oder Juckreiz aus (siehe auch Hausstaubmilbenallergie: Schlafen statt schniefen).

Kausale Therapie

Sowohl bei Erkältungs- als auch bei allergiebedingtem Schnupfen können PTA oder Apotheker Präparate empfehlen, die die Beschwerden des Patienten schnell lindern. Nasensprays oder -tropfen mit Xylometazolin, Oxymetazolin und Tramazolin wirken gefäßverengend und lassen die Nasenschleimhaut abschwellen. Zur Kurzzeittherapie sind die Mittel für maximal sieben Tage sowohl bei einer Allergie als auch einer Erkältung geeignet. Sie sorgen für eine ungehinderte Nasenatmung und eine bessere Belüftung der Nebenhöhlen und der Ohrtrompete. PTA und Apotheker sollten bevorzugt konservierungsmittelfreie Präparate empfehlen. Denn das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid beispielsweise kann die Bewegung der Flimmerhärchen behindern und schlimmstenfalls das Flimmerepithel der Nasenschleimhaut irreversibel schädigen. Bei längerer Anwendungsdauer kann die Nasenschleimhaut chronisch anschwellen.

Alternativ können PTA oder Apotheker eine isotonische oder hypertone Salzlösung als Nasenspray empfehlen. Hypertone Produkte haben eine höhere Salzkonzentration als isotonische. Sie entziehen der Schleimhaut überschüssiges Wasser und bewirken so eine schonende Abschwellung. Salzhaltige Nasensprays kann der Patient auch über längere Zeit anwenden. Sie sind also auch bei einer allergischen Rhinitis empfehlenswert. Ein Extra-Beratungstipp bei der Abgabe von Nasensprays: Die Luft beim Sprühvorgang nicht anhalten, sondern leicht einatmen.

Bei Erkältungsschnupfen sind auch Inhalationen geeignet, zum Beispiel Wasserdampfinhalationen mit ätherischen Ölen oder isotone Salzlösungen im Vernebler, die über die Atemmaske inhaliert werden. Allergiker sollten ätherische Öle wegen der Gefahr allergischer Reaktionen aber besser meiden. Nasenspülungen und Nasenduschen dagegen helfen bei jeder Art von Schnupfen. Auch Allergiker können sie regelmäßig zur Nasenreinigung anwenden. Sie sollten darauf achten, dass sie destilliertes Wasser verwenden, das körperwarm ist (etwa 37 °C). Die Salzkonzentration sollte isotonisch sein.

Spray oder Tabletten

Spezielle antiallergische Nasensprays enthalten zum Beispiel sofort wirksame Antihistaminika wie Azelastin oder Levocabastin. Sie können je nach Präparat zwei- bis mehrmals täglich angewendet werden. PTA und Apotheker können auch corticoidhaltige, rezeptfreie Nasensprays in der Selbstmedikation empfehlen. Gerade bei der für die Milbenallergie typischen anhaltenden allergischen Rhinitis helfen Sprays mit Beclomethason. Sie wirken protrahiert, das heißt, der Patient spürt die Wirkung trotz regelmäßiger Anwendung erst nach einigen Tagen. Zur Überbrückung können PTA oder Apotheker abschwellende Nasensprays empfehlen.

Klagt der Kunde über stärkere allergische Symptome, kann die systemische Gabe eines Antihistaminikums sinnvoll ein. Wirkstoffe wie Cetirizin, Loratadin oder Dimetinden gibt es in Tabletten- oder Tropfenform. Sie beseitigen allergiebedingte Beschwerden wie Fließschnupfen, verstopfte Nase, Augentränen und Juckreiz in Auge und Nase. Berichtet der Patient in der Apotheke, dass die Wirkung des Antihistaminikums nicht ausreicht, oder sind bereits Husten, Atemprobleme oder gar Luftnot vorhanden, sollte er die Beschwerden unbedingt ärztlich abklären lassen. Der Arzt kann in diesen Fällen hochwirksame orale Glucocorticoide oder Asthmasprays verordnen. In starken Fällen kann auch eine Hyposensibilisierung notwendig sein. /