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Erst testen, dann verordnen

09.01.2015
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Von Elke Wolf / Akute Atemwegserkrankungen zählen nach wie vor zu den häufigsten Gründen für eine Antibiotikaverordnung, obwohl in den meisten Fällen Viren die Verursacher sind. Dänische Wissenschaftler der Cochrane Library haben untersucht, ob die Messung von Entzündungsmarkern wie des C-reaktiven Proteins (CRP) beim Einsparen von Antibiotika helfen kann.

Dazu haben sie Daten aus sechs Studien mit 3284 Probanden, die an einem akuten Atemwegsinfekt erkrankt waren, analysiert. Bei rund der Hälfte der Patienten hatte der Arzt im Vorfeld der Behandlung den CRP-Wert gemessen.

Die Testung des CRP-Wertes könnte ein probates Mittel sein, um eine zuverlässige Therapieentscheidung zu treffen. Denn wenn Bakterien die Ursache für den Infekt sind, steigt der CRP-Wert als unspezifischer Entzündungsmarker bereits wenige Stunden nach Infektionsbeginn auf das Zehn- bis Hundertfache an. Bei Viruserkrankungen fällt der Anstieg dagegen deutlich niedriger aus.

Patienten, bei denen zuvor der CRP-Wert gemessen worden war, bekamen weniger Antibiotika verordnet als die Patienten der Vergleichsgruppe (630 versus 785). Das bedeutet eine um 22 Prozent erniedrigte Verordnungs­rate. Hinsichtlich der klinischen Genesung gab es keine Unterschiede zwischen den Patienten mit und ohne CRP-Messung. Allerdings variierten die Ergebnisse von Studie zu Studie stark.

Studienleiter Rune Aabenhus und Kollegen kommen zu dem Schluss, dass »die Verwendung des CRP-Wertes zur Orientierung den Einsatz von Antibiotika bei Atemwegsinfektionen reduzieren kann und niedrige CRP-Werte eine bakterielle Infektion ausschließen können«. Über die genaue Größe des Effektes sei im Rahmen dieser Metaanalyse jedoch keine Angabe möglich, da das Studiendesign der einzelnen Studien sehr unterschiedlich war. /

Quelle: The Cochrane Library 2014