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Hepatitis C

Neue Kombination verfügbar

09.01.2015
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Von Sven Siebenand / Bei der Hepatitis-C-Behandlung hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan. Mit Harvoni® Filmtabletten von Gilead kam Ende 2014 eine Kombination aus dem bereits bekannten Wirkstoff Sofosbuvir und dem Neuling Ledipasvir auf den deutschen Markt.

Eine Filmtablette enthält 400 mg Sofosbuvir und 90 mg Ledipasvir. Sofosbuvir oder genauer gesagt sein aktiver Metabolit hemmt das Enzym RNA-abhängige RNA-Polymerase NS5B. Dieses spielt eine wichtige Rolle bei der Replikation der Hepatitis-C-Viren. Ledipasvir hemmt dagegen das Enzym NS5A, das sowohl für die RNA-Replikation, als auch für den Zusammenbau von Hepatitis-C-Virionen erforderlich ist.

Harvoni ist indiziert zur Behandlung der chronischen Hepatitis-C-Infektion bei Erwachsenen. Für Hepatitis-C-Patienten mit dem Virus-Genotyp 1 und 4 ohne Leberzirrhose oder mit kompensierter Zirrhose – das heißt, die Leber kann ihre Funktion noch ausreichend erfüllen – stellt das neue Präparat das erste Single-Tablet-Regime dar. Das bedeutet, die Patienten müssen nur noch eine Tablette pro Tag einnehmen und benötigen kein weiteres Hepatitis-C-Medikament. Die Therapiedauer beträgt in der Regel 12 oder 24 Wochen, unter Umständen sogar nur acht Wochen. Bei Patienten mit dem Virus- Genotyp 1 oder 4 mit dekompensierter Zirrhose, bei denen die Leberfunktion also versagt, beziehungsweise vor oder nach einer Lebertransplantation sollte das neue Medikament in Kombination mit dem Wirkstoff Ribavirin für 24 Wochen gegeben werden. Gleiches gilt für Patienten des Genotyps 3 mit Zirrhose und/oder wenn eine vorherige Behandlung gescheitert ist. Da die Wirksamkeit von Harvoni bei Patienten mit den Virus-Genotypen 2, 5 und 6 nicht untersucht wurde, soll das Mittel bei ihnen nicht zum Einsatz kommen.

Bitterer Geschmack

PTA und Apotheker können Patienten dazu raten, die Filmtabletten aufgrund des bitteren Geschmacks nicht zu zerkauen oder zu zerkleinern. Darüber hinaus gibt es in Sachen Wechselwirkungen einiges zu beachten. In der Fachinformation findet sich eine lange Tabelle dazu, mit der sich PTA und Apotheker informieren können. Grundsätzlich gilt, dass Arzneimittel, die starke Induktoren des P-Glykoproteins sind, etwa Rifampicin, Carbamazepin und Phenytoin, zu einer signifikant verringerten Plasmakonzentration von Ledipasvir und Sofosbuvir führen können. Dadurch ist die therapeutische Wirkung von Harvoni vermindert. Diese Arzneimittel sollten daher nicht zusammen mit dem neuen Mittel angewendet werden. Eine gleichzeitige Einnahme von Harvoni und Statinen kann die Konzentration des Lipidsenkers erhöhen, was das Risiko für Muskelschmerzen und die Gefahr einer Rhabdomyolyse erhöht.

Kontraindiziert ist die gleichzeitige Gabe von Rosuvastatin und Johanniskraut. Patienten, die wegen einer HIV-Infektion parallel mit einem Tenofovir-haltigen Präparat behandelt werden, sollte der Arzt beobachten, da Harvoni die Tenofovir-Konzentration und damit das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen kann. Das neue Präparat sollte ferner nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln angewendet werden, die Sofosbuvir enthalten. Auch wird empfohlen, dass der Arzt bei gleichzeitiger Anwendung von Harvoni die Spiegel von Digoxin und Dabigatran überwacht.

In klinischen Studien traten bei mit Harvoni behandelten Patienten Erschöpfung und Kopfschmerzen sehr häufig auf. Vorsichtshalber sollte auf das neue Präparat bei Schwangeren verzichtet werden. Ebenso sollte es in der Stillzeit nicht zum Einsatz kommen. Last but not least wird es auch in einem Alter unter 18 Jahren nicht empfohlen, da Sicherheit und Wirksamkeit für diese Patientengruppe nicht erwiesen sind. /

Das Wichtigste im Überblick

  • Eine Filmtablette enthält 400 mg Sofosbuvir und 90 mg Ledipasvir
  • bitterer Geschmack, daher Tabletten nicht zerkauen oder zerkleinern
  • Harvoni soll nicht zusammen mit starken Induktoren von P-Glykoprotein wie Rifampicin, Carbamazepin und Phenytoin gegeben werden
  • Kontraindiziert ist die Gabe zusammen mit Rosuvastatin und Johanniskraut
  • Häufige Nebenwirkungen: Erschöpfung und Kopfschmerzen