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Hausstaubmilbenallergie

Schlafen statt schniefen

09.01.2015
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Von Barbara Erbe / Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) reagieren etwa 10 Prozent der Bevölkerung auf Hausstaubmilben – mal mehr, mal weniger stark. Da sich die Milben im feuchtwarmen Milieu des Bettes besonders gut vermehren, macht die Allergie Betroffenen vor allem nachts und morgens zu schaffen. Fachleute raten zu dichten Matratzen- und Bettbezügen, häufigem Lüften und Waschen.

Die eigentliche Ursache der allergischen Symptome sind meist nicht die Milben selbst, sondern Eiweißpartikel aus deren winzigen Kotteilchen, berichtet der Münchner Dermatologe und Allergologe Dr. Christoph Liebich. Diese verbinden sich mit dem Hausstaub und können beim Einatmen allergische Reaktionen auslösen. Zwar besiedeln Milben alles, was weich ist und nicht allzu oft gereinigt wird, beispielsweise Polstermöbel und Teppiche. Am liebsten aber nisten sie sich in Matratzen und Bettdecken ein, erläutert der Vertreter des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen: »Zum einen ist es dort angenehm warm und feucht, zum anderen ernähren sich die kleinen Spinnentierchen vorwiegend von Hautschuppen, die ein schlafender Mensch reichlich verliert.«

Aus genau diesem Grund sind Bett und Schlafzimmer auch der Ort, an dem Maßnahmen gegen das Allergen die größte Wirkung haben. So rät Anja Schwalfenberg vom DAAB Hausstaubmilbenallergikern, auf jeden Fall milben- und allergendichte Matratzenüberzüge, sogenannte Encasings, zu verwenden. Diese Überzüge sind so eng gewebt, dass sie den Milbenkot kaum passieren lassen. Auch feine Hautschuppen rieseln so nicht durch das Bettlaken in die Matratze. »Partnerbetten oder Matratzen von Kindern, die im gleichen Raum wie der Allergiepatient schlafen, sollten ebenfalls mit Encasings überzogen werden«, so Schwalfenberg.

Zwar sind die Schutzüberzüge nicht im Hilfsmittelverzeichnis gelistet, erklärt Claudia Widmaier vom GKV-Spitzenverband. »Aber es ist durchaus möglich, dass Kassen nach Überprüfung der Notwendigkeit im Einzelfall die Kosten dafür übernehmen oder sich daran beteiligen.« Es kann sich also lohnen, wenn PTA oder Apotheker Betroffene auf die Möglichkeit hinweisen, beim behandelnden Arzt nachzufragen. Dieser kann Encasings verordnen. Da auch Kissen und Bettdecken Niststätten für Milben sind, empfiehlt Schwalfenberg, auch für sie Zwischenbezüge anzuschaffen – oder sie alternativ dazu alle sechs Wochen bei mindestens 60 °C zu waschen. »Die Bettwäsche selbst wechselt man am besten mindestens alle zwei Wochen.«

Webdichte und Beschichtung

Encasing sei allerdings nicht gleich Encasing, betont Hans-Peter Brix, Projektleiter Haus, Energie, Freizeit und Verkehr bei der Stiftung Warentest. »Die Überzüge unterscheiden sich zum Teil sehr darin, wie dicht sie gewebt sind, ob und wie sie beschichtet sind oder wie viele Waschgänge sie aushalten.« Auch nützt das beste Gewebe nichts, wenn der Reißverschluss nicht anständig schließt oder nicht gut gesichert ist.

Von den zahlreichen Prüfsiegeln, die der Markt bietet, empfiehlt Brix das des TÜV Rheinland, denn die Organisation prüfe gezielt auf Milbendichtigkeit. Andere, meist von Herstellern selbst kreierte Siegel, wie etwa « Für Allergiker geeignet«, bürgten zwar für das verwendete Material (das entspricht meist dem Siegel »Textiles Vertrauen OEKO-TEX Standard 100«), aber eben nicht für die Milbendichte. Bei einem sehr dicht gewebten Material bestehe darüber hinaus die Gefahr eines mangelnden Luftaustausches. Deshalb sollten auch die Angaben »luftdurchlässig« oder »atmungsaktiv« auf dem Etikett stehen.

Nicht zuletzt sollte das Encasing bei 60 °C waschbar sein, betont Matratzenexperte Brix. »Wir empfehlen, die Bezüge ungefähr alle drei Wochen zu waschen.« Ein Waschgang bei 60 °C tötet die Milben komplett ab und beseitigt die Allergene. Der Allergiker selbst sollte allerdings weder die Bettwäsche wechseln noch das Encasing anbringen. Denn bei dieser Prozedur werden die Allergene aufgewirbelt und können eingeatmet werden.

Außerdem hilfreich gegen Milben: Die Bettgarnitur nach dem Aufstehen am offenen Fenster ausschütteln und lüften lassen. Auch die Matratze verliert Wärme und Feuchtigkeit besser, wenn sie einige Zeit unbedeckt ist. Der Lüftung halber sollte das Bett möglichst auf Füßen stehen und nicht auf einem Kasten liegen. Steht die Matratze bei Minusgraden öfter mal auf dem Balkon, kann auch das die Milben abtöten.

Keine Frage der Hygiene

Bei allem Augenmerk darauf, Bettzeug und Bezüge oft und gründlich zu reinigen, können und sollen PTA oder Apotheker Betroffenen eine große Sorge nehmen, bemerkt der Allergologe Liebich: »Hausstaubmilben haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, sie sind unsere natürlichen Mitbewohner. Auch übertragen sie keinerlei Krankheiten.« Federn als Decken- und Kissenfüllung hält der Allergologe im Übrigen für problematisch, da sich die Milben darauf gerne niederlassen. »Hochwertig verarbeitete Daunen gelten aber als eher milbenarm, nicht zuletzt, weil die Bezüge von Decke oder Kissen meist gut verarbeitet sind und dicht schließen.«

Vor allem im Winter ist es zudem gut, mehrmals täglich stoßartig zu lüften, ergänzt Schwalfenberg vom DAAB. »Am besten bei unbedeckter Matratze, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.« Ihre Kleidung sollten Hausstaubmilbenallergiker außerdem möglichst weit vom Bett entfernt an- und ausziehen, denn auch dabei wirbeln viele Hautschüppchen durch die Luft, die nicht auf dem Bett landen sollten.

Staubfänger vermeiden

Je weniger Staub die Wohnräume bedeckt, desto besser für Allergiker. Das bedeutet: Alles, was Staub anzieht, ist in der Wohnung verzichtbar, beispielsweise schwere Vorhänge, Strukturkissen, offene Bücherregale und alle Arten von »Nippes«. Auch stoffbezogene Möbel sind ein gutes Milbenreservoir, Polstermöbel aus glattem (Kunst-)Leder eignen sich besser – wenn sie regelmäßig mit einem feuchten Tuch abgewischt werden.

Kuscheltiere und Co.

In Kinderbetten liegen häufig Kuscheltiere – und die enthalten wie Kissen, Decken und Matratzen viele Milben. Wenn Teddy und Co keinen Waschgang vertragen, hilft auch ein 24-stündiger Aufenthalt in der Kühltruhe, rät Anja Schwalfenberg vom DAAB. »Das tötet die Milben, beseitigt allerdings nicht deren Kot – der muss hinterher so gut es geht per Staubsauger entfernt werden.«

Staubwischen ist für Hausstaubmilbenallergiker äußerst unangenehm. Gut, wenn der Partner oder ein Familienmitglied diese Aufgabe übernehmen kann. Falls Betroffene doch selbst Hand anlegen müssen, empfiehlt der DAAB, gleichzeitig zu lüften und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, da beim Saugen und Wischen viel Staub aufgewirbelt wird. Bei herkömmlichen Staubsaugern gelangt ein Großteil des Feinstaubs wieder in die Raumluft. Deshalb legt Schwalfenberg Haustaubmilbenallergikern ans Herz, Staubsauger mit einem HEPA-Filter (High efficiency particulate air-Filter) der Klasse 13 oder 14 zu verwenden. Auch sollte das Gerät ausreichend dicht und »für Allergiker geeignet« sein. »Das bedeutet, der Staubsauger enthält einen besonders dichten Filter, der den Milbenkot im Gerät zurückhält«, so Schwalfenberg. Milbensprays für Bett und Kissen hat der Allergologe Liebich noch nie verordnet. »Sie töten zwar einen Großteil der Milben ab, aber den Kot, der die Allergie verursacht, beseitigen sie nicht; außerdem enthalten sie Stoffe, die weitere Allergien auslösen können.«

Auch wenn oder gerade weil Betroffene sich mit ihren Beschwerden oft lange herumquälen oder sie gar als unveränderbar hinnehmen, sollten PTA und Apotheker Menschen mit Allergieverdacht dazu raten, einen Arzt aufzusuchen, der eine Allergiediagnostik durchführt, erklärt Liebich vom Berufsverband der Deutschen Hautärzte. »Allergische Symptome müssen mit antiallergischen, bei bereits bestehendem allergischen Asthma auch mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden.« Geschieht dies nicht, kann sich die Allergie verschlimmern und weitere Allergien und Kreuzallergien bis hin zu schwerem Asthma auslösen. »Oft ist deshalb eine spezifische Immuntherapie, eine Hyposensibilisierung, sinnvoll«, sagt Liebich. /