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Tiermedizin

Wenn der Wurm drin ist

09.01.2015
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Von Maria Pues, Offenbach / Leiden Hund oder Katze an einer Wurmerkrankung, muss der Besitzer in den meisten Fällen zum Tierarzt, denn viele der dann erforderlichen Arzneimittel sind verschreibungs­pflichtig. Wissen über Würmer ist aber auch in der Apotheke gefragt. Im Zentrum der Beratung stehen hier Aufklärung und Möglichkeiten der Vorbeugung.

Wie häufig sollte ich mein Haustier entwurmen? Wie erkenne ich, ob mein Haustier an einer Wurmerkrankung leidet? Dies sind nur zwei von vielen Fragen, die Hunde- oder Katzenbesitzer in der Apotheke stellen. Die Antwort ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Welche dies sind, erläuterte der Darmstädter Apotheker und Hundebesitzer Alexander Jaksche in einem Seminar des Hessischen Apothekerverbandes zum Thema Tierarzneimittel. Er hat sich mit seiner Apotheke erfolgreich als Tierarzneimittel-Experte positioniert.

Was vor und bei einer Wurmerkrankung zum Schutz von Mensch und Tier unternommen werden sollte, hängt davon ab, ob und wie viel freien Auslauf das Haustier bekommt. Aber auch die Lebens- und Vermehrungsgewohnheiten der verschiedenen Wurmarten spielen eine Rolle. »Würmer sind eine sehr heterogene Gruppe von Parasiten«, fasste Jaksche zusammen. Sie sind unterschiedlich groß, unterschiedlich gefährlich und werden auf unterschiedliche Weise übertragen. Für die Beratung in der Apotheke ist es wichtig, die Lebensgewohnheiten häufig vorkommender Parasiten zu kennen.

Dass es sich um ein wichtiges Thema handelt, belegten verschiedene Tierarztstudien, berichtete Jaksche. Demnach war knapp jeder fünfte bis dritte Hund mit Rund- oder Bandwürmern infiziert. Die stärker gefährdeten Welpen waren zu rund 60 Prozent verwurmt. Nicht nur für das betroffene Tier stellt ein Wurmbefall ein gesundheitliches Problem dar. Vor allem Kinder, die mit dem Familienhund oder dem Stubentiger spielen und kuscheln, haben durch den intensiven Kontakt ein hohes Risiko, sich mit Würmern zu infizieren. Manche Wurmerkrankungen stellen auch für den Menschen ein gesundheitliches Risiko dar. Da sie oft lange Zeit ohne Beschwerden verlaufen, werden Erkrankungen meist erst spät erkannt.

Die Folgen einer Wurmerkrankung bei Hund und Katze können – je nach Art und Menge des Wurms – unterschiedlich ausfallen. Sie reichen von »praktisch symptomlos« über schwere Beeinträchtigungen bis zum Tod des Tieres. Bekannte Anzeichen für einen Wurmbefall sind ein stumpfes Fell, Appetit- und Gewichtsverlust oder ein geblähter Bauch, vor allem bei Welpen. Auch wenn das Tier Husten entwickelt, sollten PTA und Apotheker auf die Möglichkeit einer Wurmerkrankung hinweisen, da manche Wurmarten die Lunge befallen, erläuterte Jaksche.

Infektionsrisiko für Menschen reduzieren

  • Obst, Gemüse und Pilze gut reinigen
  • bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen
  • Hände waschen nach dem Spielen oder Kuscheln mit dem Haustier
  • Hunde- und Katzenkot einsammeln und über den Hausmüll entsorgen
  • Hunde von Kinderspielplätzen und Sandkästen fernhalten (bei Katzen ist das weniger einfach)

Fadenwürmer

Spulwürmer gehören zu den häufigsten Verursachern von Wurminfektionen bei Hund und Katze, und sie stellen auch für den Menschen eine Gefahr dar. Aus verschluckten Wurmeiern schlüpfen im Darm Larven, die die Darmwand durchbohren. Gelingt es dem Immunsystem nicht, sie zu bekämpfen, können die Larven in innere Organe, das Nervensystem oder das Auge wandern und diese schädigen. Spulwurmlarven können bei Hunden auch über die Gebärmutter und bei Hunden und Katzen über die Muttermilch auf den Wurf übertragen werden. Ausgewachsene Spulwürmer können bis zu 18 cm lang werden. Weibchen produzieren täglich bis zu 100 000 Eier.

Hakenwürmer sind Blutsauger. Sie heften sich an die Dünndarmwand ihres Wirts, wo sie sich von Blut und Gewebe ernähren. Je nach Art des Hakenwurms beeinträchtigt dies das Wirtstier mehr oder weniger stark. Das Spektrum der Beschwerden reicht von leichten Symptomen bis hin zu blutigem Durchfall und Blutarmut. Hakenwürmer werden nicht sehr groß, meist nur 1 bis 2 cm. Aber sie kommen bei Hund und Katze häufig vor. Sie werden auf verschiedenen Wegen übertragen: So können die aus den Eiern geschlüpften Larven verschluckt werden. Diese können sich aber auch durch die Haut bohren. Infizierte Muttertiere können Larven außerdem beim Säugen mit der Muttermilch übertragen.

Peitschenwürmer können bis zu 8 cm lang werden. Anders als Hakenwürmer leben sie im Dickdarm. Dort verankern sie sich in der Darmschleimhaut. Ein Befall mit dem Peitschenwurm verursacht bei Hunden und Katzen Entzündungen im Dickdarm. Oft tritt auch Durchfall auf, und die Tiere magern ab. Besonders Hunde, die in Ausläufen und Zwingern leben, haben ein erhöhtes Risiko, sich mit Peitschenwürmern zu infizieren. Der Grund: Die Eier dieses Wurmes haben eine besonders dicke Schale und können jahrelang infektiös bleiben. Bei ausreichender Feuchtigkeit entwickeln sich auch nach langer Zeit noch infektionsfähige Larven. Hunde (manchmal auch Katzen), die mit in den Urlaub reisen, können sich – vor allem in Mittelmeerländern – mit dem Herzwurm infizieren. Dieser wird über Mücken übertragen, die bei einer Blutmahlzeit von einem infizierten Tier sogenannte Mikrofilarien aufgenommen haben. Diese entwickeln sich im Insekt zu Larven, die wiederum bei einer weiteren Blutmahlzeit übertragen werden. Über den Blutweg gelangen die Filarien zu den großen Lungengefäßen, wo sie zu bis zu 30 cm langen Würmern heranwachsen können. Bei starkem Befall sind die Wirtstiere energielos, meist entwickeln sie eine Blutarmut und verlieren an Gewicht. Wie beim Lungenwurm kann es zu Husten kommen. Eine massive Infektion kann zum Tod des Tieres durch Herzversagen führen.

Mit dem Französischen Herzwurm können sich Hunde, anders als der Name vermuten lässt, zunehmend auch in Deutschland infizieren. Mit 20 cm ist er kleiner als der im Mittelmeerraum heimische Herzwurm und siedelt in den Lungengefäßen. Dort legen weibliche Würmer Eier; die daraus schlüpfenden Larven wandern in die Luftwege. Die Hunde leiden daher an Husten und Atembeschwerden. Es kommt aber auch zu Erbrechen, und die Hunde verlieren an Gewicht. Auch Störungen der Blutgerinnung mit spontanen Blutungen können auftreten. Eine Infektion kann tödlich enden. Der Französische Herzwurm bedient sich verschiedener Schneckenarten als Zwischenwirt, die beim Verschlucken eine Infektion auslösen können. Trinknäpfe im Freien sind daher mögliche Übertragungsorte.

Ähnlich wie der Französische Herzwurm verhält sich der Lungenwurm. Der bis zu 16 cm große Parasit siedelt in den Bronchien und in der Luftröhre und verursacht meist bei Hunden einen chronischen Husten mit Bronchitis. Auch der Lungenwurm wird durch Schnecken als Zwischenwirt übertragen.

Bandwürmer

Nur bis zu 4 mm klein ist der Kleine Fuchsbandwurm, mit dem sich Füchse infizieren und dann große Mengen an Wurmeiern ausscheiden – ohne dass dies bei ihnen zu Symptomen führt. Anders ist das bei infizierten Nagern: Mäuse schwächt ein Fuchswurm-Befall stark, sodass sie eine leichte Beute werden und so zur Verbreitung beitragen.

Auch Menschen können sich, beispielsweise über Hund und Katze, aber auch über unzureichend gewaschenes Obst und Gemüse, infizieren. Die aufgenommenen Wurmeier können sich im Dünndarm zu Finnen entwickeln, die wiederum vor allem in die Leber gelangen und dort Wucherungen auslösen, wenn das Immunsystem sie nicht bekämpft. Oft bleibt eine Infektion über Jahre symptomlos und daher lange unentdeckt. Zu etwa 70 Neuerkrankungen beim Menschen kommt es jährlich in Deutschland.

Der Katzenbandwurm – mit dem sich auch Hunde infizieren können – gehört zu einer ganzen Reihe von Bandwurmarten, die im Dünndarm von Hund und Katze leben. Zwischenwirte sind kleine Nager wie Mäuse oder Kaninchen, aber auch Wiederkäuer und Schweine. Hunde sollten daher keine Schlachtabfälle erhalten, die nicht gekocht oder tiefgefroren waren. Je nach Art können Bandwürmer bis zu 2,5 m lang werden.

Bandwürmer sehen aus wie schmale Tagliatelle und in weiterer Vergrößerung wie Ketten. Deren Glieder, die Polyglottiden, enthalten tausende Eier. Befallene Tiere scheiden sie mit dem Kot aus; sie besitzen aber auch eine gewisse Eigenbeweglichkeit und können aus dem After des Tieres kriechen. Das verursacht einen Juckreiz, den das Tier durch »Schubbern« (auch »Schlittenfahren« genannt) zu lindern versucht. Auch verdächtig: Partikel im Kot, Afterbereich oder Fell, die wie (manchmal bewegliche) Reiskörner aussehen.

Der Gurkenkernbandwurm gehört zu den häufigen ungebetenen Gästen bei Hund und Katze. Übertragen wird die Infektion durch Flöhe, die sich im Larvenstadium auch von Bandwurmeiern ernähren. So wächst in der Flohlarve unbemerkt eine Bandwurmlarve heran. Beim »Flöheknacken« gelangt die Bandwurmlarve in das Verdauungssystem von Hund und Katze, wo sich nach rund drei Wochen ein ausgewachsener Bandwurm entwickelt, der wiederum Wurmeier produziert. Apothekenkunden, die über einen Flohbefall ihres Haustieres berichten, sollten daher bei diesem stets auch eine Wurmkur durchführen, erinnerte Jaksche.

Regelmäßige Wurmkur

Wie oft Hund und Katze entwurmt werden sollten, hängt von verschiedenen Faktoren ab (siehe Grafik). Wenn die Tiere keine Stubenhunde oder -katzen sind, sollten sie mindestens alle drei Monate mit einem Mittel gegen Rund- und Bandwürmer entwurmt werden. Das empfiehlt die ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasits), ein europäischer Zusammenschluss von Experten in Sachen Parasiten bei Tieren. Untersuchungen hätten gezeigt, dass nur eine oder zwei Wurmkuren pro Jahr nicht ausreichend wirken, berichten sie auf ihrer Webseite.

Bei Tieren mit einem höheren Risiko muss die Wurmkur häufiger als vier Mal pro Jahr durchgeführt werden. Dazu gehören Hunde, die mit rohem Fleisch, vor allem mit Innereien, gefüttert werden. Der Besitzer sollte sie alle sechs Wochen gegen Würmer behandeln. Hunde und Katzen, die sich häufig unbeaufsichtigt im Freien aufhalten und sich dort selbst etwas zu Fressen suchen oder Hunde, die bei der Jagd eingesetzt werden, sollten jeden Monat gegen Würmer behandelt werden.

Manche Tierhalter scheuen sich, ihrem Hund oder ihrer Katze regelmäßig eine Wurmkur zu verabreichen, berichtete Apotheker Jaksche. Die Augen vor einer möglichen Erkrankung verschließen sollten sie aber nicht. In den Abständen, in denen üblicherweise eine Wurmkur erfolgt, sollten sie Kotproben ihres Tieres untersuchen lassen. Allerdings: Ein negativer Befund schließt Würmer nicht 100-prozentig aus, so Jaksche. Ein Grund dafür ist, dass befallene Tiere Wurmeier und Bandwurmglieder nicht kontinuierlich ausscheiden. Daher entnimmt man an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine Kotprobe und vereint sie zu einer Probe, die dann untersucht wird. Auch bei einem nur geringen Befall kann sich der Nachweis schwierig gestalten.

Nicht alle Wurmmittel wirken gegen alle Würmer. Praziquantel, das gegen Bandwürmer wirksam ist, gibt es in verschiedenen Darreichungsformen, etwa als Tablette oder als Spot-on-Präparat wie im apothekenpflichtigen Droncit®, oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen, wie mit Milbemycinoxim in Milbemax® oder mit Emodepsid in Profender® (beide verschreibungspflichtig).

Für die Behandlung von Fadenwurmerkrankungen wie Spul-, Haken- und Lungenwurminfektionen stehen nur verschreibungspflichtige Arzneimittel zur Verfügung. Sie enthalten beispielsweise Fenbendazol (wie in Panacur KH®), Mebendazol (wie in Mebentab KH®) oder Pyrantel (wie in Banminth®). Fadenwurmerkrankungen sind stets ein Fall für den Tierarzt, sagte Jaksche. Auch bei unklarem Wurmbefall sollten PTA oder Apotheker unbedingt immer an den Tierarzt verweisen. Eine wichtige Aufgabe für die Apotheken bestehe darin, Hunde- und Katzenbesitzer über Wurmerkrankungen und die Möglichkeiten zur Vorbeugung aufzuklären. /

Links zum Weiterlesen

www.esccap.de

www.wurmbekampfung.eu