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Anti-Aging

Pflegeplus für die Haut ab 40

16.01.2017
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Von Elke Wolf / Sie glätten, geben ihr Spannkraft und Elastizität zurück und lassen die Haut wieder strahlen. So lauten die Werbeaussagen zu Antifalten-Zubereitungen. Beim Beratungsgespräch gilt es dann für die PTA, einiges zurechtzurücken. Denn so ernüchternd es klingen mag: Echtes Anti-Aging in der Hautpflege gibt es nicht, möglich ist nur Prävention.

Hautalterung ist ein multifaktorieller Prozess, wobei genetisch bedingte Alterungs­vorgänge von extrinsisch einwirkenden Faktoren wie Sonnenexposition, ­Alkohol oder Rauchen zu unterscheiden sind. Während die biologische Hautalterung nicht zu beeinflussen ist, können geeignete Pflegemaßnahmen ein zu schnelles Voranschreiten des Umweltalterns durchaus hinauszögern – wenn sie rechtzeitig zum Einsatz kommen.

Reife Haut – eine charmantere ­Bezeichnung der Altershaut im Be­ratungsgespräch – zeichnet sich durch verschiedene strukturelle und funktionelle Veränderungen aus. Da die Durchblutung nachlässt, werden die Haut­zellen schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Zell­er­neu­erungsrate verlangsamt sich, und wenn sich die Zellen teilen, geschehen dabei immer häufiger Fehler. Durch den Einfluss von freien Radikalen, entweder aus dem körpereigenen Stoffwechsel oder durch Sonneneinstrahlung oder andere Umwelteinflüsse, nehmen die Zellen zusätzlich Schaden. Das führt zu degenerativen und hyperplastischen Prozessen, sichtbar in Form von Falten, schlaffer Haut oder Pigmentflecken.

Insgesamt wird die Haut dünner, rissiger und verletzlicher, denn tief in der Haut, im Bindegewebe, bauen sich elastische und kollagene Fasern ab, und immer weniger Wasser kann dort gespeichert werden. Die Haut verliert an Spannung und Elastizität. Mit zu­nehmendem Alter sondern die Talg­drüsen weniger Hauttalg ab, die Schweißdrüsen weniger Schweiß. ­Dadurch wird der schützende Hydrolipidmantel der Haut dünner und reißt stellenweise auf. Die Haut schuppt.

Auch die Zusammensetzung der Kittsubstanzen zwischen den toten Hornzellen der Epidermis verändert sich mit zunehmendem Alter. Dieses verbindende lamellare Lipidgemisch aus Ceramiden, Cholesterol und freien Fettsäuren bewahrt die Haut vor allem davor, dass aus tieferen Hautschichten Wasser verdunstet. Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielsweise der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der Kittsubstanz der ­Altershaut deutlich abnimmt. Ebenso lässt die Produktion der natürlichen Feuchthaltefaktoren nach, die normalerweise Feuchtigkeit in der Hornschicht zurückhalten. Letztlich ist der transepidermale Wasserverlust bei ­älteren Menschen deutlich höher als bei jungen. Die Haut trocknet aus.

Der Markt an Pflegeprodukten für die reife Haut ist immens groß und kaum zu überblicken. Werbeaussagen der Hersteller sind selten verifizierbar, zumal immer häufiger »Wirkstoffkomplexe« Verwendung finden, deren Zusammen­setz­ung aus Wettbewerbsgründen nicht offengelegt werden. Transparenz bringt da die Leitlinie »Dermokosmetika gegen Hautalterung« der Gesellschaft für Dermopharmazie (GD).

Sie wirft einen kritischen Blick auf die Wirksamkeit verschiedener Anti-Aging-Wirkstoffe (siehe Kasten unten). Laut der Leitlinie, deren aktualisierte Fassung Anfang dieses Jahres ­erscheinen wird, sollten als Kriterium für die Wirksamkeit eines Stoffs und der Gesamt­formulierung seriöse Studien vorliegen. Diese sollten idealerweise in vivo, ­doppelblind und über einen ausreichend langen Zeitraum mit ­einem nicht zu ­kleinen Probanden­kollektiv durch­geführt worden sein. Alternativ können auch In-vitro-Studien zur Beurteilung herangezogen werden.

Fetten und Feuchten

Pflegekosmetika für die reife Haut sollten vorrangig zwei Ziele verfolgen: Sie sollten helfen, die Wiedervernetzung der epidermalen Barriere voranzu­treiben, und den angegriffenen Hydro­lipidfilm wieder aufbauen. Deshalb enthalten empfehlenswerte Pflege­produkte reichlich hydratisierende und lipidhaltige Inhaltsstoffe.

Lipide, etwa Ceramide, sind nicht unerheblich für die Ausbildung eines intakten Stratum corneums. Sie sorgen für eine bessere Vernetzung der einzelnen Hautzellen und wirken wie Kittsubstanzen. Studien belegen, dass topisch applizierte Ceramide die Hautfeuchte verbessern und die Schuppigkeit der Haut reduzieren. Die Hautbarriere lässt sich auch mit Lipidvorläufern wie Milchsäure, Serin oder α-Liponsäure stärken.

Kosmetikhersteller greifen auch gern auf pflanzliche Öle zurück, etwa aus den Samen von Nachtkerze oder Borretsch. Diese Öle weisen einen ­hohen Anteil mehrfach ungesättigter Omega-Fettsäuren auf, die die Kitt­substanzen der Hornhaut stabilisieren. Auch Phytosterole wie Campesterol aus Rapsöl oder Stigmasterol aus Soja kommen infrage. Durch die Strukturähnlichkeit mit Cholesterol lagern sich Phytosterole gut in die lamellaren ­Lipidschichten der Hornschicht ein, ­stabilisieren diese und vermindern die Permeabilität und Fluidität der Membranen.

Daneben sind Moisturizer, also Stoffe mit stark hygroskopischem Charakter, in Dermokosmetika für die reife Haut unverzichtbar. Glycerol, Sorbitol, Harnstoff, Milchsäure, Hyaluronsäure oder α-Hydroxysäuren binden das über die Haut entweichende Wasser in den oberen Schichten des Stratum corneums. Durch diese Hydratation heben sich winzige Hautvertiefungen an, ­sodass kleinste Fältchen von innen aufgepolstert und optisch nivelliert werden. Die Haut wirkt geglättet.

Effektiv und verträglich

Harnstoff ist zwar kein klassischer Anti-Aging-Wirkstoff, aber eine der ­effektivsten und verträglichsten Substanzen, um Trockenheit, Spannungs­gefühl und Juckreiz anzugehen. Bei ausgeprägtem Juckreiz kann auch der Einsatz von Magistralrezepturen wie »Hydrophile Polidocanol-Creme mit Harnstoff (5- bis 10-prozentig)« oder »Lipophile Harnstoff-Natriumchlorid-Salbe« sinnvoll sein.

Einer der prominentesten unter den Anti-Aging-Wirkstoffen ist die Hyaluronsäure. Zusammen mit Kollagen und Elastin gehört sie zu den wichtigsten Komponenten der extrazellulären ­Matrix in der Dermis. Doch ihre Konzentration ist in höherem Lebensalter deutlich vermindert. Die dadurch verminderte Wasserbindungsfähigkeit der Dermis wird für die nachlassende Spannung der Haut verantwortlich gemacht.

Bei der Zufuhr von außen macht man sich zunutze, dass die Hyaluronsäure das Tausendfache ihres Volumens an Wasser zu binden vermag. In Kosmetika eingesetzte Hyaluronsäure-Abbaufragmente mit Molekular­gewichten von 50 000 bis 100 000 können nach derzeitigem Kenntnisstand in die Haut eindringen und zu ­ihrer Hydratation bei gleichzeitiger Verringerung der Faltenbildung beitragen.

Alte Schichten abtragen

Ein anderes wirkungsvolles Prinzip der Hautbildverbesserung verfolgen Frucht­säuren, unter der Bezeichnung »AHA« (alpha hydroxy acid) vermarktet. Synthetisch gewonnene Glykol-, Zi­tronen- oder Milchsäure werden dank ihres keratoplastischen Effekts eingesetzt, um die obersten Schichten der Hornschicht abzutragen. Dadurch wirkt die Hautoberfläche gleichmäßiger und glatter. Da sich mit zunehmendem Alter die Zellerneuerungsrate ­verringert und Hautschuppen nicht mehr wirkungsvoll abgeschilfert werden, erscheint die Haut stumpf, trocken und von Schuppen bedeckt.

Komplettpaket

Zubereitungen für die Pflege reifer Haut sollten nach folgenden Grundzügen konzipiert sein:

  • Stabilisierung der epidermalen Barriere durch Zufuhr (membranbildender) Lipide
  • Zufuhr von Feuchthaltefaktoren
  • Verminderung freier Radikale durch Antioxidanzien
  • Ausreichender Schutz vor UV-A- und UV-B-Strahlung

Die Wirksamkeit einer Zubereitung ist nicht an einzelne Inhaltsstoffe gebunden. In nicht unerheblichem Maße wird die Wirksamkeit auch von der Gesamtformulierung, also der Grundlage bestimmt.

Ein wirksamer Peeling-Effekt ist allerdings erst in höheren Konzentrationen zu erzielen. Unangenehmer Nebeneffekt: In diesen Konzentrationen lassen die Fruchtsäuren empfindliche Haut leicht brennen und führen zu Röt­ungen. Geringe Konzentrationen der α-Hydroxysäuren werden dagegen meist gut vertragen. In sehr hohen Konzentrationen von über 40 Prozent setzen Ärzte Fruchtsäuren ein, um die Haut zu schälen oder Altersflecken und Warzen zu beseitigen. Keine Fruchtsäure, aber dennoch eine peelend wirk­same Substanz, ist die Vitamin-A-Säure (Tretinoin). Als Inhaltsstoff von Kosmetika nicht erlaubt, erzielt sie in der ärztlichen Verwendung eine ausgeprägte stimulierende Wirkung auf Epidermis und Dermis.

Freie Radikale abfangen

Empfehlenswerte Kosmetika für die reife Haut sollten reich an Antioxidanzien sein. Etwa die Vitamine E und C, Betacaroten, Coenzym Q10, Dimethylaminoethanol (DMAE) oder antioxidativ wirkende Polyphenole wie Flavonoide oder Resveratrol gehören in den Creme-Tiegel, da antioxidative Schutzsysteme im Alter weniger effektiv arbeiten.

Antioxidanzien verhindern bereits in den Zubereitungen, dass enthaltende oxidationsempfindliche Substanzen wie mehrfach ungesättigte Fettsäuren verderben. Dringen die antioxidativ wirkenden Inhaltsstoffe auf der Haut bis in die Nähe der Basalschicht vor, wo neue Hornzellen gebildet werden, können sie dort Schädigungen von Strukturproteinen durch reaktive Sauerstoffspezies und freie Radikale abfangen. Sie schützen damit vor lichtinduzierter Hautalterung und Altersflecken. Einen bereits entstandenen Schaden können die Radikalfänger jedoch nicht mehr beheben.

Antioxidanzien sowie UV-A- und UV-B-Filter sind ein Muss in der Anti-Aging-Kosmetik. Sie bewahren die Haut vor Alterungsprozessen, die vor allem durch UV-Strahlung induziert werden. Eine gesteigerte Sonnenex­position (auch in Form von Solarien) gilt als wichtigster extrinsischer Faktor der Hautalterung. Es gilt als bewiesen, dass die konsequente Verwendung von Lichtfiltern das Risiko für Spätschäden wie Tumoren senkt. /

Geprüfte Wirksamkeit

Die Leitlinie »Dermokosmetika gegen Hautalterung« der Gesellschaft für Dermopharmazie unterzieht die gegen Haut­alterung ­genutzten Wirkstoffe einer kritischen Prüfung und teilt sie nach wissenschaftlicher Datenlage in Wirkstoffe mit in vivo belegter Wirksamkeit ­(Kategorie 1), mit in vitro belegter Wirksamkeit (Kategorie 2) und ohne belegte Wirksamkeit (Kategorie 3) ein.

Die erste Kategorie unterteilt nochmal ­zwischen Wirkstoffen, deren Wirksamkeit in placebokontrollierten Doppelblindstudien bewiesen ist (1a), und solchen, bei denen der Wirksamkeitsnachweis in sonstigen mit objektivierbaren Me­thoden durchgeführten Studien erbracht wurde (1b).

Kategorie 1a

  • Vitamin A und seine Derivate
  • Vitamin C
  • Alpha-Liponsäure
  • Polypeptide (Palmitoyl-Penta­peptid-4, Tetrapeptid-21)
  • Salicyloyl-Phytosphingosin
  • Niedermolekulare Hyaluronsäure

Kategorie 1b

  • Vitamin E
  • Niacinamid (Vitamin B3)
  • 2-Dimethylaminoethanol
  • Phytohormone wie Isoflavone, Cumestane und Lignane
  • Bakuchiol

Kategorie 2

  • Ubichinon-10 (Coenzym Q10)
  • Phytosterole (Sitosterol, Campesterol und Stigmasterol)
  • Pflanzliche Polyphenole (Resveratrol, Anthocyane, Bioflavonoide, Epicatechine)

Fassung: Januar 2017