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Adexa-Vorstand

Arbeitsplätze in Apotheken erhalten

22.01.2018
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Von Sigrid Joachimsthaler / Berufspolitisch sehen sich PTA und andere Apothekenangestellte stürmischen Zeiten gegenüber. Im Gespräch mit PTA-Forum erläutern die Adexa-Vorsitzenden Andreas May und Tanja Kratt, was sie im vergangenen Jahr erreicht haben und welche Herausforderungen 2018 auf Adexa zukommen werden.

PTA-Forum: Welches berufs­po­litische Ereignis im vergangenen Jahr war für Sie am wichtigsten?

May: Bei uns standen neben den Bundes­tagswahlen vor allem die Rx-Boni von Doc Morris und Co. auf der Agenda. Leider ist keine Abhilfe in Sicht. Wenn die Preisbindung für Versender aus anderen EU-Ländern nicht gilt, hat das vielschichtige Auswirkungen.

Deutschlands Gesundheitspolitiker zerstören sehenden Auges das ohnehin schon löchrig werdende Netz zur flächen­deckenden Versorgung mit Arzneimitteln. Sie vernichten aber auch wichtige Arbeitsplätze. Wir haben mehrfach an die Parteien appelliert, aber auch unseren Unmut über das Honor­argutachten geäußert. Momentan hat die Bundespolitik andere Sorgen­. Früher oder später werden sie jedoch auf die Zahlen reagieren und hoffentlich nicht die Honorare kürzen. Das betrifft letztendlich alle Berufsgruppen in öffentlichen Apotheken.

Kratt: Trotz dieser unruhigen Zeiten konnten wir uns im letzten Jahr auch über zahlreiche Erfolge freuen. Dazu gehören Tarifabschlüsse mit dem Arbeit­geberverband Deutscher Apotheken (ADA) sowie mit der Tarif­gemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL Nordrhein). Uns ist es auch gelungen, eine neue Basis für Tarif­gespräche mit dem Sächsischen Arbeitgeberverband (SAV) zu finden. Im Kammerbezirk gibt es seit Jahren keine Tarifverträge. Der Apotheke­n­arbeitsmarkt hat heute ganz andere Bedingungen als vor zehn Jahren, Stichwort­ Fachkräftemangel.

PTA-Forum: Was wäre der größte Wunsch, den die Politik beziehungsweise eine neue Regierung den PTA in diesem Jahr erfüllen könnte?

May: Wir brauchen verlässliche Rahmen­bedingungen für öffentliche Apotheken. Packungsbezogene Honorare, wie sie Inhaber derzeit von ge­setz­lichen Krankenversicherungen erhalten, reichen nicht aus. Viele Expertinnen und Experten sind sich einig, dass sich Leistung auch an der Beratung misst. Daran sollten sich neue Vergütungsmodelle orientieren.

Außerdem hoffen wir, dass sich bald eine stabile Regierung bildet. Im kommissarischen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe haben wir einen starken Verfechter des Rx-Versandverbots als derzeit bestem Weg, um öffent­liche Apotheken zu erhalten. Dieses­ Vorhaben sollte in einem Koalitionsvertrag festgeschrieben werden.

Kratt: Verlässliche politische Rahmenbedingungen sind für uns eine wichtige Basis für neue Tarifgespräche. Wir wollen sowohl den Berufs­nachwuchs als auch erfahrene Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter im Auge behalten. Öffentliche Apotheken müssen­ sowohl für Berufsanfänger als auch für qualifizierte Kräfte attrak­tiv sein. Daher werden wir uns weiter für eine tarifliche Anerkennung beson­derer Qualifikationen stark machen­.

Wenn das in den Sondierungsge­sprächen von Union und SPD genannte Ziel »Wir wollen das Schulgeld für die Ausbildung in den Heilberufen abschaffen, so wie es in den Pflegebe­rufen bereits beschlossen wurde« von der künftigen Regierung auch für die PTA-Ausbildung umgesetzt würde, wäre das für die Berufsgruppe PTA und ihren Nachwuchs, aber auch die öffentlichen Apotheken generell ein sehr posi­tives Zeichen.

PTA-Forum: Was erwarten Sie sich im neuen Jahr, welche Ziele haben Sie?

May: Neben den genannten berufspolitischen und gewerkschaft­lichen Zielen setzen wir bei Adexa auf eine große Strukturreform. Unter dem Motto »Aus siebzehn mach vier« entstehen aus den bisherigen Landes­gruppen vier große, zentrale Regionen. Die bereits etablierten Regionalen Geschäftsstellen unterstützen das Ehrenamt. Am 27. Januar finden in allen vier Regionen Regionale Vollversamm­lungen mit Wahlen für die neue ehrenamtliche Vertreterstruktur statt. Wir erhoffen uns dadurch, Adexa für Apothekenangestellte noch attraktiver zu machen und das Ehrenamt weiter zu professionalisieren.

Auch die »JuMis«, das sind junge Adexa­-Mitglieder, stehen bei uns stark im Fokus. Welche Wünsche und Bedürfnisse haben sie, damit Apothekenberufe attraktiv bleiben?

PTA-Forum: In welche Richtung soll sich der PTA-Beruf beziehungs­weise die neue Ausbildungs- und Prüfungs­ordnung entwickeln?

Kratt: Zusammen mit der Bundesapothekerkammer, mit Landes­apo­thekerkammern, mit dem BVpta und mit PTA-Schulen arbeiten wir intensiv an einem Vorschlag zur Novellierung der Ausbildung. Allen Beteiligten ist klar, dass die Ausbildung an mehreren Stellen modernisiert werden muss. Viele­ Kolleginnen und Kollegen wünschen­ sich mehr Praxisbezug. Die Teilnehmer unseres runden Tischs befür­worten mehrheitlich, die Aus­bildung um sechs Monate zu ver­längern. Wir werten derzeit eine Online-Umfrage aus, an der mehr als 900 PTA, PTA-Schülerinnen und -Prakti­kantinnen teilgenommen haben. Davon erhoffen wir uns weiteren Input für einen Vorschlag zur Überarbeitung der Lehrpläne. /

Gastkommentar

Wieder einmal liegt ein arbeitsreiches, politisch brisantes Jahr hinter uns. Wir fragen uns natürlich, wie es mit Deutschland politisch weitergeht. Kann sich die SPD dazu durchringen, gemeinsam mit den Unionsparteien weitere vier Jahre Regierungsverantwortung zu übernehmen? Wenn ja: Wollen die Sozialdemokraten – wie häufig angedeutet – dann das Gesundheitsministerium übernehmen? Mit ihren Plänen zur Bürgerversicherung hatten sie die Gesundheit zumindest im Vorfeld der Sondierungsgespräche weit nach oben gestellt. Da verbirgt sich jede Menge Zündstoff. Und das gilt nicht nur für die Krankenversicherungen.

Auch die Frage, wie es mit den Apotheken weitergeht, wurde sicher kon­trovers diskutiert. Ein Versandhandelsverbot wollten die Sozialdemokraten ja schon bei der letzten GroKo nicht. Und das Gutachten, das vom SPD-geführten Wirtschaftsministerium zum Apothekenhonorar beauftragt wurde, hat ebenfalls wenig Gutes ergeben. Im Gegenteil: Die Gutachter wollen den Apotheken nicht etwa mehr Geld geben, sondern ihnen sogar mehr als eine Milliarde Euro wegnehmen. Dabei ist ihnen sogar klar, dass dies das wirtschaftliche Aus für rund die Hälfte der Apotheken bedeuten würde. Ein Problem sehen sie darin aber nicht. Es gebe ohnehin zu viele, argumentieren sie. Und der Versandhandel werde eventuelle Versorgungslücken schon füllen.

Man darf kaum annehmen, dass sich die Gutachter damit sehr weit vom Willen des Ministeriums entfernt haben. Denn niemand im politischen Berlin glaubt einer Studie, die er nicht selbst in Auftrag gegeben hat. Im besten Fall haben die Gutachter keine Ahnung vom Apothekenwesen und ignorieren dessen Bedeutung für die Patienten. Im schlimmsten unterfüttern sie den Willen einer Ministerin, die aus ihrer Sympathie auch für den ausländischen Versandhandel nie einen Hehl gemacht hat. Dass dabei mehr als 150 000 Arbeitsplätze – primär für Frauen – keine Rolle spielen, zeigt einen Zynismus, der in dieser Form bislang einmalig ist.

Was können wir in dieser Situation tun? Als Verband werden wir dagegenhalten. Als PTA in der Apotheke können wir mit unserer Arbeit zeigen, wie unverzichtbar wir für unsere Patienten sind. Denn die brauchen uns: unsere Kompetenz und unsere Zuwen­dung – vor Ort und jederzeit. So werde ich es jedenfalls in der Apotheke halten, in der ich als PTA tätig bin.

Die Frage ist zu wichtig, als dass man sie allein der Politik und schon gar nicht ahnungslosen Gutachtern überlassen darf. Bringen wir uns ein und kämpfen wir mit – für die gute Arzneimittelversorgung und unsere Arbeitsplätze. Allein stehen wir damit nicht. Auch die Unionsparteien haben sich immer wieder klar zur wohnortnahen Apotheke bekannt. Diese werden so oder so den Seniorpartner in einer Koalition stellen und einem Apothekenvernichtungsgutachten auf keinen Fall zustimmen.

Insofern bleibe ich auch 2018 optimistisch. Ohne uns gibt es keine gute Arzneimittelversorgung. Auch deshalb brauchen wir eine bessere Ausbildung und bessere Aufstiegschancen. Das wird unser gemeinsames Ziel für 2018 sein, und dafür treten wir auch zusammen mit der Adexa ein.

Ihnen wünsche ich ein gutes, erfolg­reiches und gesundes Jahr. Auf dass sich unsere berechtigten Wünsche 2018 erfüllen!

Sabine Pfeiffer van Rijswijk,
Bundesvorsitzende BVpta