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EMS

Tücken der Trainingsmethode

22.01.2018  12:06 Uhr

Wer den derzeit angesagten Sporttrend EMS (Elektromyostimulation) beim Training nutzen möchte, sollte dies nur unter Anleitung von Sportmedizinern und Physiotherapeuten tun. Andernfalls drohten Überbelastung und Nierenschäden, warnt die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN). Zwar verspreche das EMS-Training schnellen Muskelaufbau mit relativ wenig Aufwand, schreiben die Mediziner in einer Mitteilung. Die »Wundermethode« habe bei falscher Anleitung aber ihre Tücken.

Bei der EMS trägt der Sportler einen speziellen Anzug, der Strom durch den Körper leitet, sodass verschiedene Muskelgruppen für kurze Zeit gezielt angespannt und wieder entlastet werden. Durch die intensive Anspannung mit zusätzlicher Stromzufuhr ist nur ein kurzes Workout notwendig – was Trainierenden gefällt, den Medizinern der DGKN aber Sorge bereitet. »Während Ärzte und Physiotherapeuten in dieser Methode ausgebildet wurden, ist das Personal in Fitnessstudios oft nicht ausreichend geschult, um die Belas­tung richtig einzuschätzen«, warnt DGKN-Sprecher Professor Dr. Stefan Knecht. Der geringe Aufwand könne zudem dazu verleiten, häufiger oder ausgiebiger zu trainieren als empfohlen.

Zu intensives Krafttraining kann der DGKN zufolge zu einer erhöhten Ausschüttung der Creatin-Kinase (CK) führen, einem Enzym, das die Muskeln mit Energie versorgt. Bei der EMS-Methode steige der CK-Wert bis zu 18 Mal höher an als bei herkömmlichem Krafttraining. »Diese Extremwerte können in Einzelfällen zu Nierenschädigungen führen«, so die DGKN. Wer nach dem Training Schmerzen, Herzrasen oder ein Schwächegefühl verspüre, solle einen Arzt aufsuchen.

Ein weiteres Risiko sehen die Mediziner in der womöglich zu hohen Stromintensität. Auf keinen Fall dürfe der Regler unkritisch nach oben gedreht werden. »Geschultes Personal muss die Stromintensität überwachen, und die Trainer müssen auf die Gefahr des Übertrainierens hinweisen«, betont Knecht. (PZ/cd)