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Wärmetherapie

Schmerzen zu Leibe rücken

28.03.2007
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Wärmetherapie

Schmerzen zu Leibe rücken

von Birgit Masekowitz, Berlin

Immer mehr Menschen leiden an Erkrankungen des Muskel- und Gelenksystems. Besonders im Winter wird die Muskulatur schlechter durchblutet und verspannt sich durch die Kälte. Wohltuend ist dann ein heißes Bad, ein Heizkissen oder ein Besuch in der Sauna. Wärme für die Muskulatur spenden auch zahlreiche Produkte, die für die Selbstmedikation zur Verfügung stehen.

Muskelverspannungen sind meist die Ursache einer lang andauernden Fehlbelastung oder einer falschen Haltung. Werden einzelne Muskelgruppen zu stark angespannt, verkrampfen sie. Die Folge ist, dass das betroffene Muskelgewebe nicht mehr ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Auch Stoffwechselendprodukte können nicht mehr optimal abtransportiert werden. Oft versuchen die Betroffenen die schmerzhaften Verspannungen mit einer Schonhaltung auszugleichen, doch dadurch verschlechtern sie nur die Situation. Um den Teufelskreis zu durchbrechen, ist eine Schmerzlinderung der einfachste Weg.

Die Wärmetherapie ist eine seit langem bewährte Methode zur Behandlung von Muskelverspannungen und Gelenkbeschwerden. Aber auch bei Erkältungen, Unterleibsschmerzen sowie bei Nieren- und Blasenleiden hilft sie.

Bereits im Mittelalter gruben sich die Menschen zur Steigerung ihres Wohlbefindens in gärenden Mist ein, die Römer besuchten in ihren Badeanstalten unterschiedlich temperierte Räume in einer genauen Reihenfolge, und bei Rückenbeschwerden packten sie sich heißen Schlamm auf die schmerzenden Stellen.

Noch heute dienen Wärmflaschen, Wickel oder Packungen als wichtige Trägermedien, um den Körper gezielt zu wärmen. Auch Infrarotstrahlung, die bekannte Rotlichtlampe, eignet sich. Feste Materialien wie Moor, Lehm, Erde und Fango – sogenannte Peloide aus organischen und mineralischen Substanzen – speichern Wärme besonders lange. Die positiven Effekte sind eine verbesserte Durchblutung und Nährstoffversorgung der Muskulatur. In der Apotheke stehen für die Selbstmedikation verschiedene Einreibungen, Salben und spezielle Pflaster zur Verfügung.

Scharfstoffe lösen sich besser in Öl

Viele Produkte enthalten die Scharfstoffe des Cayennepfeffers, die Capsaicinoide. Cayenne ist eine Chilisorte. Chili nennt man die reifen, sehr scharfen und teilweise getrockneten Früchte der Gewürzpaprika. Chili-Pflanzen gedeihen ausschließlich in tropischen und subtropischen Gebieten, zum Beispiel in Neu-Guinea, Uganda oder Malawi. Die Gemüsepaprika ist eine spezielle, nicht scharfe Züchtung aus Ungarn, die als rote, grüne oder gelbe Früchte in Deutschland im Handel ist. Im Gegensatz dazu ist Peperoni die unausgereifte grüne oder ausgereifte rote Frucht der Gewürzpaprika.

Bei den Capsaicinoiden des Cayennepfeffers handelt es sich um Alkaloide aus den getrockneten Früchten von Capsicum frutescens. Der Hauptbestandteil ist das Capsaicin, weitere sind Dihydrocapsaicin, Nordihydrocapsaicin und Decylvanillylamid. Entgegen der weit verbreiteten Meinung enthalten die Samenkörner deutlich weniger Scharfstoffe. Vor allem die Plazenta und die Samenscheidewände der Schoten speichern die Capsaicinoide.

Capsaicinoide sind farblos und zersetzen sich nicht durch Kochen oder Einfrieren. Sie lösen sich in Alkohol und Fett, aber nicht in Wasser. Daher lindert Wasser das bekannte Brennen im Mund nach dem Genuss der scharfen Schoten nicht. Besser geeignet sind ölhaltige oder emulgatorhaltige Getränke und Speisen wie Milch, Joghurt und Käse. Zu starkes Brennen auf der Haut kann durch Einreiben mit Alkohol gemildert werden.

Chili heizt den Muskeln ein

Bei Anwendung auf der Haut erregen die Capsaicinoide die nociceptiven Neuronen, das sind Nerven, die normalerweise schädigende Hitze- und Schmerzreize an das Gehirn weiterleiten. Die erste Wirkung dieser Erregung ist eine lokale Entzündung mit einer Rötung des betreffenden Hautareals, das juckt oder brennt. Die Entzündung ist zurückzuführen auf eine Freisetzung der Substanz P, die ihrerseits eine Ausschüttung von verschiedenen Entzündungsmediatoren wie Histamin, Bradykinin und Prostaglandinen bewirkt. Auf diese Weise versucht der Organismus die Durchblutung zu steigern und damit eine bessere Wärmeabfuhr zu erreichen. In der zweiten Phase der Capsaicinoid-Wirkung kommt es infolge einer Verarmung an Substanz P zu einer Unempfindlichkeit des Hautareals gegenüber Schmerzen, der Analgesie.

Zu den Produkten mit Capsaicinoiden gehören zum Beispiel die ABC-Pflaster von Hansaplast. Sie enthalten 10 bis 40 mg der Alkaloide pro cm2. In der Variante »sensitiv« ist das etwas schwächer wirksame, synthetische Analogon des Capsaicins, das Nonivamid die Wirkkomponente. Diese ist empfehlenswert bei empfindlicher Haut oder für Personen, die das erste Mal Schmerzpflaster verwenden und die Wirkung noch nicht einschätzen können.

Anwendung nicht übertreiben

Pro Tag wird ein Pflaster direkt auf die schmerzende Stelle geklebt. Dort kann es zwischen vier und zwölf Stunden verbleiben. Kliniker empfehlen, die Behandlung bis zur Schmerzlinderung fortzusetzen, wenn nötig bis zu drei Wochen. Dann sollten die Patienten vor einer erneuten Anwendung auf derselben Hautpartie eine Pause von mindestens 14 Tagen einhalten. Diesen Hinweis müssen PTA oder Apotheker beim Verkauf der Pflaster unbedingt dem Patienten geben, denn die zu lange oder permanente Anwendung kann die betroffenen Neuronen schädigen und zu Verbrennungen der Haut führen. Aus diesem Grund sollten die Patienten ein Pflaster sofort entfernen, wenn das Brennen unerträglich wird. Außerdem dürfen die Pflaster nur auf gesunde Haut geklebt werden. Offene Wunden, Entzündungen oder Infektionen müssen zunächst abheilen, da die Capsaicinoide die Prozesse verschlimmern.

Auch zahlreiche Salben enthalten Capsaicinoide oder das synthetische Nonivamid, zum Beispiel Finalgon®. Bei den Salben sollten die Patienten beachten, sich nach dem Auftragen die Hände zu waschen, damit die Scharfstoffe nicht versehentlich in die Augen oder auf Schleimhäute gelangen. Als Vorsichtsmaßnahme hat sich bewährt, während der Anwendung Handschuhe zu tragen, oder die Hände vor dem Waschen einzufetten, damit sich die Capsaicinoide besser lösen.

Oxidation erzeugt Wärme

Wärmeauflagen, die eine Mischung aus Aktivkohle, Eisenpulver, Salz und Wasser enthalten, zum Beispiel ThermaCare®, erzeugen die heilende Wärme selbst. Nach Öffnen des luftdichten Beutels gelangt kontinuierlich eine genau definierte Menge Sauerstoff in die Wärmezellen. So kommt es zu einer Eisenoxidation, bei der über mehrere Stunden konstant Wärme freigesetzt wird. Ist das Eisenpulver verbraucht, entsteht in den Zellen auch keine weitere Wärme mehr. Die Gefahr von akuten Hautschäden ist daher gering.

Nicht so lang anhaltend, aber dennoch wohltuend, ist der durchblutungsfördernde Effekt von alkoholischen Lösungen mit ätherischen Ölen aus Latschenkiefer, Fichte oder Kiefer. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Franzbranntwein. Er enthält neben Ethanol, die ätherischen Öle der Latschenkiefer und Campher. Das Hausmittel fördert nicht nur die Durchblutung, sondern lindert auch Schmerzen. Vergleichbar wirken Einreibungen mit Kiefern- und Fichtennadelöl.

Saunabesuche, heiße Bäder oder die Anwendung von Produkten mit Capsaicinoiden eignen sich nicht für jeden. Bei Personen mit gestörtem Temperaturempfinden, zu denen zum Beispiel viele Diabetiker und Patienten mit Durchblutungsstörungen gehören, ist Vorsicht geboten. Diese Menschen spüren oft die Grenzen der Verträglichkeit nicht und können sich bei zu langer Anwendung stark reizender Präparate verbrennen. Auch Personen, die Arzneimittel gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen einnehmen, sollten vor der Anwendung ihren Arzt zu Rate ziehen. Ebenso dürfen Schwangere sowie Patienten mit entzündlichen Erkrankungen innerer Organe, rheumatoider Arthritis, Krebserkrankungen, Tuberkulose, Krampfadern Wärmeanwendungen nur nach Rücksprache mit dem Arzt durchführen, denn Wärme könnte die Krankheit verschlimmern.

 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
birgit.masekowitz(at)gmx.de