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Die zweite Lebenshälfte

Gesunder Körper, wacher Verstand

28.03.2008  10:35 Uhr

Die zweite Lebenshälfte

Gesunder Körper, wacher Verstand 

Christiane Berg, Hamburg

Je älter die Menschen in Deutschland werden, umso mehr Anbieter drängen mit unseriösen Produkten auf den »Anti-Aging-Markt«. Experten warnen davor, den wohl klingenden Versprechungen zu glauben und die angepriesenen Präparate unkritisch anzuwenden. PTA und Apotheker können durch fachliche und sachliche Beratung zur altersgerechten Prophylaxe über die allein am Profit orientierten Interessen mancher Hersteller aufklären und Fehlinformationen richtig stellen.

Als tatsächliche »Anti-Aging-Strategien« gelten regelmäßige Bewegung, ein BMI unter 25, eine »bunte« Ernährung bei täglicher Zufuhr von Antioxidanzien wie Vitamin C, E und Carotinoiden, Selen, Zink oder Chrom sowie vor allem eine effektive Atheroskleroseprophylaxe. Diese besteht aus der optimalen Einstellung des Blutdrucks und des Cholesterolspiegels. Das Trio aus Bewegung, Ernährung und Entspannung erhält nicht nur jung, sondern senkt auch nachweislich das Risiko für schwere Erkrankungen.

Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems sind in Deutschland nach wie vor Todesursache Nr. 1. Diese Tatsache weist darauf hin, dass die Bedeutung von Atherosklerose als Vorläufer von Herzinfarkt und Schlaganfall breiten Bevölkerungsschichten nicht bewusst ist. Das selbe gilt für die weiteren Hauptrisikofaktoren der Entstehung von »Arterienverkalkung« wie Hypertonie, Hypercholesterolämie, Übergewicht, Blutzuckererhöhung und Rauchen. Nach Schätzungen von Experten haben hierzulande etwa 20 Millionen Menschen, zumeist ohne es zu wissen, einen zu hohen Blutdruck. Damit nimmt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich die schlechteste Position ein. Mit steigendem Lebensalter nimmt der Prozentsatz der Hypertoniker noch stark zu, denn die Blutgefäße verlieren zunehmend an Elastizität. So liegen bei den über 60-Jährigen nur noch etwa bei jedem Vierten die Blutdruckwerte in normalen Grenzen. 

Bluthochdruck muss therapiert werden, denn langfristig verkürzen zu hohe Werte die Lebenszeit. Basis jeder Therapie von Bluthochdruck und Hypercholesterolämie ist die Gewichtsreduktion. Für die medikamentöse Behandlung der Hypertonie stehen Arzneistoffe aus unterschiedlichen Stoffklassen zur Verfügung: Diuretika, Betablocker, ACE-Hemmer, AT-1-Blocker, Calcium-Antagonisten vom Nifedipin-Typ, Alphablocker und seit neuestem auch Renin-Inhibitoren. 

Als multifaktorielles Krankheitsgeschehen erfordert Hypertonie auch nicht medikamentöse Maßnahmen: Wesentliche Ursachen sind neben Übergewicht und Nikotin psychosozialer Stress, falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, übermäßiger Alkohol- sowie in einigen Fällen auch ein zu hoher Kochsalzkonsum. Die Grundlage jeder Therapie sei die Veränderung des Lebensstils, so Experten. Daher fordern sie: »Schluss mit Stress, Salz, Zigaretten, Bier und Wein, Schluss mit dem Leben auf Stühlen, Schluss mit der Last auf Bauch und Hüften.«

Wie die Hypertonie verkürzt auch die Hypercholesterolämie die Lebenserwartung. Daher sollte jeder Erwachsene und insbesondere alle jenseits der 50 die eigenen Lipidwerte kennen. Die Realität sieht jedoch anders aus: 87 Prozent der Deutschen ist die Höhe ihrer Cholesterolwerte unbekannt. Nach Hochrechnungen liegt bei 26 Prozent der Bevölkerung der Gesamtcholesterolwert über 250 mg/dl, bei acht Millionen sogar über 300 mg/dl, ohne dass sie es wissen. Das ist besonders fatal angesichts der Tatsache, dass mit den modernen Lipidsenkern wie den Statinen Arzneimittel zur Verfügung stehen, die langfristig gesehen Menschenleben retten können. 

Grenzwerte in der Diskussion

In Fachkreisen wird immer wieder kontrovers diskutiert, welche Cholesterolwerte als therapiebedürftig gelten. Als ungefährlich, sofern keine weiteren Risikofaktoren vorliegen, gilt ein Gesamtcholesterol bis zu 200 mg/dl, Werte bis 240 mg/dl gelten als grenzwertig. Beim »schlechten« LDL-Cholesterol (LDL = Low Density Lipoprotein) werden Werte bis 100 mg/dl als optimal angesehen, als grenzwertig Werte zwischen 130 und 160 mg/dl. »Schlecht« wird das LDL genannt, da es Cholesterol in die Zellen hineinschleust. Als untere Grenze beim »guten« HDL-Cholesterol (HDL = High Density Lipoprotein) gelten 40 mg/dl bei Männern und 50 mg/dl bei Frauen. Ein HDL-Spiegel von mindestens 60 mg/dl bei Männern und 70 mg/dl bei Frauen wird als Schutzfaktor und günstig angesehen. Das HDL gilt als »gutes« Lipoprotein mit Atherosklerose-mindernder Wirkung, da es Fette vermehrt bindet und »entsorgt«. 

Männer und Frauen mit einem metabolischen Syndrom, also Menschen, die gleichzeitig unter Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes mellitus leiden, stufen Mediziner als Hochrisikopatienten ein. Für diese Gruppe gilt: Das LDL-Cholesterol muss um 100 mg/dl, das Gesamtcholesterol unter 120 mg/dl liegen. 

Fett ist nicht gleich Fett

Als gesunde Ernährung gilt eine fettarme, leichte Kost mit wenig Fleisch, Wurst oder Zucker und viel Salat, Obst und Gemüse. Die Erkenntnis, dass zu viel Fett in der Nahrung generell ungesund ist, setzt sich mehr und mehr durch. Doch Fett ist nicht gleich Fett. Ein zu reichlicher Verzehr der gesättigten Fettsäuren, wie sie in tierischen Fetten enthalten sind, fördert die Entstehung von Arterienverkalkung und damit von Herz-Kreislauf-Erkran-kungen. Hingegen gelten ungesättigte Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen, aber auch aus fetten Kaltwasserfischen oder Fischöl als entzündungsmindernd und somit gefäßschützend. Zwei bis drei Fischmahlzeiten pro Woche reichen aus, um den Bedarf zu decken. 

Doch Fisch wird immer teurer, und Lachs, Hering, Aal, Makrele oder Thunfisch sind lange nicht jedermanns Sache. Fischölkapseln mit Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzung im Rahmen einer cholesterolbewussten Diät einzunehmen, ist für Gesunde eine Alternative zum frischen Fisch. Diabetiker sollten Fischölkapseln nur in Absprache mit dem Arzt nehmen, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Außerdem sollten diejenigen Patienten das Urteil ihres Arztes vorab erfragen, die Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen oder zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen müssen.  

Lipidsenkende Effekte werden auch den Extrakten der Artischocke oder des Knoblauchs zugeschrieben. So senkt Allium sativum nicht nur den Blutdruck und erweitert die Gefäße, sondern mindert zudem den Cholesterol-, Triglycerid- und LDL-Spiegel, hemmt die Lipidperoxidation sowie die Thrombozytenaggregation und verhindert oxidative Zellschäden. Die Wirksamkeit von Knoblauch bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkran-kungen gilt als belegt. 

Auch Artischocken-Extrakte hemmen die Cholesterolbiosynthese und mindern die Blutfettwerte. In Metastudien senkte Artischocken-Extrakt nachweislich den Gesamtcholesterol-Blutspiegel um 12 bis 19 Prozent, die Triglyceride um circa 13 Prozent und das LDL-Cholesterol um circa 23 Prozent. 

Auch Ginkgo biloba wird nicht nur die Fähigkeit zur Stärkung der geistigen Fitness bezeihungsweise Vorbeugung frühzeitiger Alterserscheinungen an Körperzellen zugeschrieben. Ginkgo-Extrakt hemmt die Thrombozytenaggregation und gleichermaßen die Lipidoxidation.

Ebenso wie Fett nicht gleich Fett ist, ist auch Übergewicht nicht gleich Übergewicht. Wie schnell Adipositas zu Bluthochdruck, Diabetes mellitus und KHK führt, hängt nicht nur davon ab, wie hoch die Fettmasse ist, sondern vor allem davon, wo das Fettgewebe sitzt. 

Mit schmaler Taille länger leben

Beim sogenanten Birnentyp (gynoide Fettsucht) sammelt sich der »Speck« unter der Haut zum Beispiel am Gesäß, an den Hüften und den Oberschenkeln. Diese Fettverteilung sei mit einem geringen Gesundheitsrisiko verbunden, so Experten. Beim Apfeltyp (androide Fettsucht) hingegen konzentriert sich das Fett im Bauchraum nahe bei den inneren Organen. Dieses abdominelle Fettgewebe ist metabolisch wesentlich aktiver als der »Reiterhosenspeck«. Es trägt sowohl zu höheren Triglycerid- und LDL-Cholesterol-Werten als auch zur Senkung des HDL-Cholesterols bei. Darüber hinaus produziert das Fettgewebe Hormone und entzündungsfördernde Botenstoffe, die wiederum zu Atherosklerose und Hypertonie führen und außerdem infolge chronischer inflammatorischer und prothrombotischer Gewebereaktionen den Glukosestoffwechsel stören. 

Deshalb empfehlen Experten, die androiden Fettpolster in Angriff zu nehmen und nicht so lange zu warten, bis Blutdruck, Zucker- und Cholesterolwerte erhöht sind. Schon 5 bis 10 Prozent weniger Körpergewicht vermindere das innere Bauchfett um 30 Prozent und senke damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich. 

Da demnach nicht das Gewicht das eigentliche Gefahrenpotential darstellt, sondern die Fettverteilung, empfiehlt sich der regelmäßige Griff zum Maßband. Ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht bei Frauen ab einem Taillenumfang von 88 cm, bei Männern ab 102 cm.  

Körperkomposition verbessern

Die meisten Menschen nehmen im Laufe des Lebens pro Jahr etwa 300 Gramm zu. Mit anderen Worten: Alle drei Jahre kommt bei vielen ein Kilogramm hinzu. Mit dem Älterwerden ändert sich zudem die generelle Körperzusammensetzung: Die Muskelmasse nimmt ab. Dadurch verringert sich der Energieverbrauch und gleichzeitig der Kalorienbedarf. 

Mit dieser Erkenntnis müssten Menschen ihre zweite Lebenshälfte anders gestalten, wenn sie ihr Gewicht beibehalten möchten. Doch das ist leichter gesagt als getan: Je älter ein Mensch ist, desto eingefahrener sind seine Lebens-  und Essgewohnheiten. Erschwerend hinzu kommt noch der moderne Lebensstil mit einem eklatanten Bewegungsmangel. Viele Menschen sitzen den ganzen Tag, tagsüber während der Arbeit und abends beim Chatten im Internet. In der Konsequenz stimmt die Bilanz aus Energiezufuhr und -verbrauch nicht.

Fettarme Ernährung ist zwar eine der Strategien, um das Ungleichgewicht wieder ins Lot zu bringen, doch weiß man heute, dass viele Menschen ihr Essverhalten falsch bewerten. Sie können nicht einschätzen, wie viel Fett ihre Nahrung tatsächlich enthält. Manche sind fest davon überzeugt, sich fettarm zu ernähren, was aber in der Realität nicht der Fall ist. Hier empfiehlt sich ein genereller Ernährungscheck: Dabei sollte man mindestens eine Woche lang alles notieren, was man isst und trinkt, und anschließend seine Ernährungsgewohnheiten gegebenenfalls mit fachlicher Hilfe auswerten.  

Ohne Bewegung kein Erfolg

Für jeden Abnehmwilligen gilt grundsätzlich: Zur Bekämpfung von Übergewicht ist regelmäßige Bewegung unumgänglich, denn durch körperliche Aktivität wird der Energieverbrauch erhöht. So wird die Gewichtsabnahme erleichtert und die Gewichtsstabilisierung unterstützt. Viele ältere Menschen sind jedoch nicht in der Lage, regelmäßig Sport zu betreiben. Zur Senkung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bereits Spazierengehen geeignet. Schon durch leichte, ausdauernde körperliche Freizeitaktivität (zum Beispiel Walking dreimal pro Woche 30 Minuten) sei ein erheblicher Gewinn für die Gesundheit zu erzielen, sagen Sportmediziner. Vermehrte körperliche Aktivität verbessere die »Körperkomposition«, mindere die Größe der Fettzellen und erhöhe die Muskelmasse sowie die Aktivität spezifischer Enzyme und Proteine des Fettstoffwechsels.

Gerade Personen mit einem schlechten Trainingslevel und hohem Risikoprofil profitieren von einer Änderung des Lebensstils. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass körperliche Aktivität effektiv den Alterungsprozess verzögert. Jedes Mehr an Bewegung fördert die geis-tige und körperliche Fitness. Als ideal gilt die Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Ob Schwimmen, Rad fahren, Joggen oder Gymnastik: Ein komplexes Trainingsprogramm aus mehreren Sportarten erhöht die Chance für ein gesundes Altern und steigert die Lebensqualität. 

Regelmäßig zur Vorsorge

Spätestens ab 50 sollte jeder regelmäßig nicht nur spazieren, sondern auch zu Vorsorgeuntersuchungen gehen. Nicht zufällig hat der Gesetzgeber Untersuchungen zur Früherkennung von Hypertonie, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen sowie Brust-, Darm- und Prostatakrebs im Sozialgesetzbuch V verankert. 

Danach kann sich jeder GKV-Versicherte bereits ab dem 35. Lebensjahr auf Kosten der Krankenkasse alle zwei Jahre auf Herz und Nieren prüfen lassen. Auch wenn viele Versicherte dieses Recht in jungen Jahren in der Regel nicht wahrnehmen, so sollten Menschen ab 50 nicht länger schlampen. Wie die regelmäßige Bewegung gehört auch die Vorsorge für gesundheitsbewusste »junge Alte« zum Pflichtprogramm. 

Gerade Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend häufig einen Sonnenbrand hatten, sollten einmal jährlich das Geld für die Überprüfung des ganzen Körpers durch den Dermatologen investieren, denn diese Untersuchung müssen sie aus eigener Tasche zahlen. Einige wenige Krankenkassen übernehmen die Kosten für die jährliche Untersuchung auf Hautkrebs in Höhe von 21 Euro. Hat sich ein einzelner Hautfleck verdächtig verändert, kann der Dermatologe sich diesen auf Kassenkosten anschauen. Es empfiehlt sich, Sorgfalt auch bei der Prävention des Grünen Stars walten zu lassen. Gerade Personen mit familiärer Belastung sollten die Ausgaben von 15 bis 20 Euro nicht scheuen und regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt gehen, auch wenn die Früherkennung des Glaukoms nicht zu den Leistungen der GKV zählt.   

Bei Männern ab 45 Jahren begleichen die Kassen die Rechnung für die jährliche Vorsorgeuntersuchung der äußeren Geschlechtsorgane, der Prostata sowie regionaler Lymphknoten. Ab dem 50. bis zum 55. Lebensjahr tragen sie einmal jährlich sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Kosten zur Früherkennung von Darmkrebs durch Tastuntersuchung des Enddarms und Test auf okkultes Blut im Stuhl. Ab dem 55. Lebensjahr zahlt die Kasse ebenfalls bei Männern und bei Frauen alle zwei Jahre den Test auf Blut im Stuhl oder zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren zur Früherkennung von Darmkrebs. 

Insbesondere Männer gelten als »Vorsorgemuffel«. Nur etwa 20 Prozent gehen zur Darmkrebs-Vorsorge. Das ist besonders fatal angesichts der Tatsache, dass sie im Schnitt sechs Jahre früher an Darmtumoren erkranken als Frauen und auch eher sterben. Bei Männern in der Hauptzielgruppe der 55- bis 70-Jährigen diagnostizieren Mediziner bei Vorsorgedarmspiegelungen fast doppelt so viele Vorstufen von Darmkrebs wie bei Frauen. Als Motivationsschub eignet sich folgende Information: Darmkrebs ist der einzige Krebs, der sich durch Früherkennung zu fast 100 Prozent verhindern lässt.   

Die Mammographie zur Vorsorge von Brustkrebs wurde bislang nur bei Hochrisiko-Patientinnen oder bei einem Tumorverdacht bezahlt. Nunmehr vergüten die Kassen die regelmäßige Durchleuchtung der Brust für Patientinnen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren im »Mammographie-Screening-Programm«. Bundesweit werden alle Frauen dieses Alters dazu alle zwei Jahre in eine von 89 zertifizierten Einrichtungen eingeladen. Das für Deutschland neue Programm gewährleistet, dass jede Röntgenaufnahme der Brust von zwei besonders geschulten Ärzten beurteilt wird, jeder Arzt routinemäßig die Mammographien von mindestens 5000 Frauen im Jahr beurteilt und im Falle einer Verdachtsdiagnose alle beteiligten Ärzte das weitere Vorgehen gemeinsam besprechen. Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Etwa 10 Prozent aller Frauen erkranken im Laufe des Lebens, die meisten nach dem 50. Lebensjahr.   

»Gesundheit ist ein Kapital, das man durch geschickte Investitionen so vermehren kann, dass es von einem möglichst hohen Niveau aus langsamer zur Neige geht. Die Nutzung dieser Option ist eine Sache der Bildung, sprich: der Information und Beratung«, sagen führende Gerontologen. In seinem Buch »Das Methusalem-Komplott« schreibt auch der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Frank Schirrmacher: »Wir müssen in den nächsten 30 Jahren ganz neu lernen zu altern.«

Das Alter – ein Gewinn

Unsere Großmütter und Großväter haben noch einen Gang zurückgeschaltet, wenn sie bemerkten, dass sie nicht mehr so leistungsfähig waren wie in jungen Jahren. Heute starten dagegen viele Ältere noch einmal richtig durch. Vor allem Männer wollen noch einmal zeigen, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Da ist das Risiko groß sich zu überfordern. Statt dessen sollten Menschen um das 50. Lebensjahr einmal innehalten, Bilanz ziehen und eine neue »alterspezifische Identität« finden, mit anderen Worten: das Alter nicht als Verlust, sondern als Gewinn zu sehen. Für eine kluge Lebensplanung ab 50+ kann die Beschäftigung mit der Frage »Wie will ich in zehn, zwanzig Jahren leben?« sehr inspirierend sein. Experten raten zum »doppelten B«: Bedürfnisse erkennen und Ballast abwerfen, das heißt, das bisherige Leben zu hinterfragen und zum Beispiel Beziehungen, Finanzen oder die Freizeitgestaltung auf den Prüfstand zu stellen. Durch die Möglichkeiten der modernen Medizin und die wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Alterungsprozess sind die Bedingungen, gesund zu altern, so gut wie nie zuvor. 

Basis für einen erfolgreichen Start in die zweite Lebenshälfte ist nicht nur der verantwortliche Umgang mit dem Körper, sondern auch ein wacher Verstand sowie die Pflege der Seele und des Geistes. Schon Goethe hat gesagt: »Wenn man alt ist, muss man mehr tun, als da man jung war. Altwerden heißt, selbst ein neues Geschäft antreten; alle Verhältnisse verändern sich, und man muss entweder zu handeln aufhören oder mit Willen und Bewusstsein das neue Rollenfach übernehmen«.

»Es liegen noch viele Jahrzehnte vor uns, in denen wir nicht passiv ein vorherbestimmtes Programm des Alterns durchlaufen müssen, sondern – innerhalb gewisser Grenzen – bewusst unsere Zukunft durch unser Verhalten und unsere Entscheidungen gestalten können«, hat die amerikanische Publizistin und Feministin Betty Friedan im »Mythos Alter« geschrieben. »Ganz sicher hilft uns dabei, dass wir bereits auf eine Lebenshälfte zurückblicken können. Die meisten Fehler haben wir hoffentlich hinter uns. Wir denken, handeln und fühlen anders. Wir nehmen von vielem und von vielen Abschied, gleichzeitig formieren wir uns und das Leben neu.«

 

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
chris-berg(at)t-online.de