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Post-Lyme-Disease-Syndrom

Naturheilkundliche Therapieoptionen

29.03.2008  21:10 Uhr

Post-Lyme-Disease-Syndrom

Naturheilkundliche Therapieoptionen 

Oliver Ploss, Ibbenbüren

Der Frühling hat kaum begonnen und schon warnen Experten vor Zecken. Mittlerweile könne fast jede fünfte Zecke Borrelien übertragen und damit die Borreliose auslösen. Schätzungsweise 240.000 Menschen infizieren sich in Deutschland jährlich mit den spiralförmigen Bakterien, an Borreliose erkrankt sind im vergangenen Jahr etwa 80.000 Menschen. 

Zecken sind Milben, keine Insekten. Der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist eine Schildzecke. Ixodes ricinus lebt in in allen gemäßigten Klimazonen der nördlichen Hemisphäre. In den Wäldern Mitteleuropas, vor allem in dem feuchtwarmen Laub unter Eichen und Buchen, findet die Zecke das feuchte Klima, das sie zum Überleben abseits des Wirtes benötigt.  

Der Entwicklungszyklus des gemeinen Holzbocks kann zwischen zwei bis sechs Jahre dauern. Das Weibchen legt, bevorzugt in feuchtem Laub, 2000 bis 3000 Eier ab und stirbt dann. Aus 1000 Eiern entwickeln sich circa 100 Larven, 10 Nymphen und meist nur 1 Zecke. Sobald die Larven aus den Eiern geschlüpft sind, suchen sie sich für ihre Blutmahlzeit verschiedene Wirte, zum Beispiel Mäuse oder Igel.

Danach verlässt die Larve ihren Wirt und entwickelt sich zur Nymphe. Nach einer erneuten Blutmahlzeit bilden sich die ausgewachsenen weiblichen oder männlichen Tiere. Das Männchen begattet das Weibchen, während dieses Blut saugt, und stirbt anschließend. Larven saugen circa 2 bis 4 Tage lang Blut, Nymphen 3 bis 5 Tage und erwachsene weibliche Zecken 6 bis 10 Tage. Zwischen den einzelnen Stichen können Zecken ein bis zwei Jahren ohne Blut auskommen. 

Entgegen einer weit verbreiteten Meinung lassen sich Zecken nicht auf ihren Wirt fallen. Zecken klettern beispielsweise an die Spitzen von Gräsern und krallen sich an Mensch oder Tier fest, wenn diese an den Halmen vorbeistreichen. Nachdem es der Zecke geglückt ist, einen Wirt zu finden, krabbelt sie zu einer geeigneten Stelle zum Stechen. Das dauert manchmal Stunden. Mit ihren scharfkantigen Mundwerkzeugen ritzt sie die Haut des Wirtes auf und versenkt dann den Stechrüssel in das Gewebe. Daher spricht man also richtigerweise von einem Zechenstich und nicht von einem Zeckenbiss. In der Grube des Stichkanals sammelt sich Blut, Lymphe und Gewebebrei. Durch zusätzlichen Speichel macht die Zecke dieses Gemisch ungerinnbar und verankert sich im Stichkanal durch einen »Klebstoff«, den man auch als Zeckenzement bezeichnet. Nach einigen Tagen des Blutsaugens löst ein Enzym den Zement auf, und die Zecke fällt ab. Da der Speichel der Zecke schmerzstillende Substanzen enthält, bemerkt der Wirt den Zeckenstich meist nicht. 

Als sogenannte Ektoparasiten können Zecken während des Saugvorgangs Krankheitserreger aufnehmen, aber auch abgeben. Die beiden wichtigsten übertragenen Krankheiten sind die Borreliose, insbesondere die Lyme-Borreliose, und die Frühsommer-Meningo-Encephalitis (FSME). 

Die Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste von Zecken auf Menschen übertragene Erkrankung. Lyme-Borrelien sind schraubenförmige Bakterien aus der Familie der Spirochäten. Das schlangenförmige Bakterium Borrelia burgdorferi ist mit dem Syphiliserreger verwandt. Es gilt als sicher, dass Spirochäten, also auch die Lyme-Borrelien, die Plazenta überwinden und in den embryonalen Blutkreislauf übergehen. In kolloidalen, gallertartigen Bereichen, beispielsweise Knorpel, Myelinschichten (Membranen der Nervenzellen) und Endothelialzellen (Zellen, die Blutgefäße von innen auskleiden) sowie in Gelenk- und Augenflüssigkeit, fühlen sich Borrelien wohler als im Blut oder der Lymphflüssigkeit. Darum sind sie im Serum schlecht nachweisbar. Die Beschwerden werden nicht durch die Borrelien verursacht, sondern durch die von ihnen gebildeten Neurotoxine, die beim Wirt zur vermehrten Ausschüttung von entzündungsfördernden Zytokinen führen. Erst 12 bis 24 Stunden nach dem Stich scheint der gemeine Holzbock die Borrelien auf den Wirt zu übertragen, nachdem sich die Borrelien im Zeckendarm durch das frisch aufgenommene Blut vermehrt haben. Die betäubenden, immun- und histaminhemmenden Bestandteile im Speichel der Zecke »locken« die Borrelien dann aus dem Darm in die Speicheldrüsen.

Wer eine blutsaugende Zecke an seinem Körper entdeckt, sollte nicht in Panik geraten. Er muss möglichst schnell und geschickt die Zecke entfernen, denn je länger sie saugt, desto höher wird das Infektionsrisiko. Die Zecke darf nie gepresst oder gequetscht werden, da sonst mehr Erreger über den Stichkanal in den Wirt gelangen. Das Beträufeln mit Öl verschließt zwar die Atemöffnungen der Zecke, doch bedingt durch die Stresssituation gibt sie dann noch mehr Erreger in den Körper des Wirts ab. Geeignete Werkzeuge zur Zeckenentfernung sind Zeckenzangen und Zeckenkarten (Safe Cards) mit unterschiedlichen Schlitzgrößen je nach Zeckengröße (Nymphe oder Zecke). Nachdem die Zecke entfernt ist, sollte die Stichwunde desinfiziert werden. 

Ähnlich wie die Syphilis ist auch die Lyme-Borreliose eine primär chronische Erkrankung, die nicht spontan ausheilt. Ihre Entdeckung begann Anfang der 1970er Jahre in der Ortschaft Old-Lyme im US-Bundesstaat Connecticut. Dort traten Gelenkerkrankungen bei Kindern nach Zeckenstichen vermehrt auf. Willy Burgdorfer gelang 1981 der Erreger-Nachweis im Darm von Zecken der Gattung Ixodes. Daher wurde der Erreger nach ihm benannt: Borrelia burgdorferi. Mittlerweile sind fünf verschiedene Genospezies bekannt, die alle Lyme-Borreliose auslösen können.

Klinische Zeichen

Lyme-Borreliose zeigt sich zunächst als Hautrötung, flächig oder ringförmig, im Bereich des Zeckenstichs, auch Wanderröte oder Erythema migrans genannt. Sie tritt typischerweise zwischen dem dritten Tag und der vierten bis fünften Woche nach der Infektion auf. Diese Hauterscheinung verschwindet meistens nach weiteren 4 bis 6 Wochen ohne Behandlung. Vorsicht: Das spontane Verschwinden der Hautrötung bedeutet nicht, dass die Erkrankung ausgeheilt ist. Zu den frühen Symptomen zählen auch gerötete Knötchen im Bereich der Ohrläppchen und des Nackens, die massiv Borrelien enthalten. Das Erythema migrans bedarf immer der sofortigen Therapie. 

Wenn die Erreger den Einstichbereich verlassen und sich im Körper verteilt haben, beginnt Phase 2 der Erkrankung, manchmal schon wenige Tage nach der Infektion. Die Symptome ähneln denen der Grippe, und es kommt zu Erythemen auf der Haut. Ungefähr 10 bis 20 Prozent der Betroffenen entwickeln zusätzlich eine Neuroborreliose, das heißt, schwerwiegende Erkrankungen des Herzens und des Nervensystems infolge einer Entzündung (Meningitis, Neuritis, Radikulitis und Karditis).

Monate bis Jahre nach einer unbemerkten Infektion kann es zu Beschwerden in verschiedenen Organen kommen. Ganz typisch für diese dritte Phase ist die sogenannte Papierhaut: Dabei wird die Haut dünn wie Papier, Binde- und Fettgewebe werden abgebaut, und die Körperhaare fallen aus. Die Patienten berichten über Kribbeln und starke Schmerzen in der betroffenen Extremität. Typisch ist auch eine Arthritis des Knies (Lyme-Arthritis). Bis sich diese Arthritis ausbildet, vergehen jedoch meist sechs Monate.

Klagen Patienten trotz Antibiotika-Therapie auch nach dem sechsten Monat immer noch über Beschwerden oder nehmen diese sogar zu, sprechen Fachleute von dem Post-Lyme-Disease-Syndrom (PLDS). In dieser letzten Phase ist der Antikörper-Nachweis im Blut immer positiv. Charakteristische Symptome des PLDS sind:

  • chronische Müdigkeit,
  • massive Muskelschmerzen,
  • Schmerzen im Skelettsystem,
  • Parästhesien (Taubheitsgefühl),
  • Antriebslosigkeit,
  • schweres Krankheitsgefühl,
  • schlechte Leberwerte.

Falls erste Beschwerden eines Patienten auf eine Lyme-Borreliose hinweisen, wird der Arzt sich zunächst danach erkundigen, ob sich der Betroffene viel im Wald oder Garten aufgehalten hat. Der direkte Erregernachweis im Blut, im Gewebe oder im Liquor ist sehr schwierig, weil die Erregerdichte in den Anfangsphasen der Infektion zu gering ist. Mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion lassen sich auch Teile der Erreger-DNS nachweisen. 

Der Antikörpernachweis durch ELISA (hohe Sensitivität) und/oder Western-Blot (hohe Spezifizität) gelingt erst Wochen nach der Infektion eindeutig. Zur Antikörperproduktion benötigt der Körper durchschnittlich zwei bis vier Wochen. In der ersten Phase der Erkrankung lassen sich nur bei maximal der Hälfte der Patienten Antikörper nachweisen. In der Phase 2 (Neuroborreliose) bilden 70 bis 90 Prozent ausreichend IgM und/oder IgG.

Konservative Behandlung 

Die Antibiotika-Therapie erweist sich bei Lyme-Borrelien als schwierig. Antibiotika wirken am effektivsten auf sich schnell teilende Bakterienarten, Borrelien teilen sich jedoch nur alle 12 bis 24 Stunden. Aus diesem Grund müssen die Betroffenen Antibiotika meist lange und hoch dosiert einnehmen.

In der Erkrankungsphase 1 verordnen Ärzte Kindern oral Amoxicillin und Erwachsenen Doxycyclin, alternativ Amoxicillin, Cefuroximaxetil oder Azithromycin. Schwangere erhalten in Phase 1 in der Regel für die Dauer von drei Wochen Amoxicillin oder Cefuroximaxetil, Azithromycin 10 Tage lang. Beginnt die Therapie erst in Phase 2, erhalten Erwachsene die selben Antibiotika wie in Phase 1, eventuell alternativ intravenös Cefotaxim oder Ceftriaxon, bei Neuroborreliose noch zusätzlich intravenös Cephalosporine, in Phase 3 für den Zeitraum von drei Wochen intravenös Cefotaxim oder Ceftriaxon. Als erfolgsversprechend in der chronischen Phase werden nur noch Cephalosporine der dritten Generation angesehen.

Entgiftungs- und Ausleitungstherapie

Homöopathen sehen die Lyme-Borreliose als eine moderne Form des »syphilitischen Miasmas« nach Hahnemanns homöopathischer Miasmenlehre an und behandeln sie dementsprechend als eine solche, beispielsweise mit metabiarex® Tropfen. Die von der Zecke übertragenen Spirochäten lösen beim Menschen eine der Syphilis ähnliche Infektion aus: Sie bewirken eine chronische Entzündung der Muskeln und Gelenke.

Die Ausleitungsverfahren basierten ursprünglich auf der Humoralmedizin. Obwohl die Erkenntnisse aus Anatomie und Physiologie die Vorstellung der Humoralmedizin verändert haben, blieben die Ausleitungsverfahren essentieller Bestandteil naturheilkundlicher Behandlungsmethoden. Voraussetzung für eine umfassende Ausleitung ist das einwandfreie Funktionieren der wichtigsten Ausscheidungs- und Entgiftungsorgane. Auf die Niere wirken zum Beispiel metasolidago®S, auf die Leber zum Beispiel metaheptachol®N und auf die Lymphe zum Beispiel Lymphaden Hevert® Complex. 

Die Gabe von Nosoden ist grundlegender Bestandteil von Entgiftungstherapien in der Ganzheitsmedizin. Die Therapie dauert zwischen sechs und acht Wochen, zum Beispiel mit metabiarex®, dreimal täglich 30 Tropfen, oder einmal wöchentlich 1 Globulus Borrelien Nosode D200 Glob. Parallel dazu eignet sich die Mischung aus jeweils 50 Gramm metaheptachol® Tropfen, metasolidago® Tropfen oder Lymphaden Tropfen in der Dosierung von dreimal täglich 30 Tropfen.

Begleitend injizieren manche naturheilkundlich orientierte Therapeuten ihren Patienten einmal wöchentlich intramuskulär 2 ml metabiarex® Ampullen plus 2 ml metasolidago® Ampullen plus 2ml metahepat® Ampullen plus 1 ml Cefalymphat® Ampullen plus 2 ml Vitamin B12-loges® Ampullen. Auch empfehlen sie die gleichzeitige Korrektur des Säure-Basen-Haushalt für ebenfalls sechs bis acht Wochen, beispielsweise mit Basosyx® Tabletten. Außerdem sollten die Patienten während der Entgiftungstherapie auf eine Omega-3-fettsäurereiche und Omega-6-fettsäurearme Ernährung achten. Zur Begleittherapie bei PLDS eignen sich insbesondere metamarianum B12 N® Tropfen und Taraxacum oplx® Tropfen, jeweils dreimal täglich 30 Tropfen, und zweimal täglich je eine hepa-loges S® Kapsel.

Die genannten Mittel sollten die Patienten möglichst getrennt von den Mahlzeiten einnehmen, allerdings dann alle Mittel zusammen in einem Glas stillen Wassers. Alternativ dazu können sie die gesamte Tagesdosis in eine Flasche stillen Wassers geben und diese über den Tag verteilt austrinken. 

Sollte der Körper zu heftig auf die Entgiftung reagieren, dann sollen die Patienten die Medikamente für zwei Tage absetzen und danach mit einer reduzierten Tropfenzahl beginnen und langsam die Dosis steigern, bis die vorgegebene Tagesdosis wieder erreicht ist.

Wer direkt nach dem Stich ein homöopathisches Arzneimittel einnehmen möchte, sollte drei Tage lang pro Tag ein Globulus Ledum C30 nehmen, am sechsten und zwölften Tag jeweils ein Globulus Borreliose D200 pro Tag und dreimal täglich 30Tropfen metabiarex®.

E-Mail-Adresse des Verfassers:
dr_ploss(at)yahoo.de