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Bluthochdruck bei Asthmapatienten therapieren

03.04.2009
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Bluthochdruck bei Asthmapatienten therapieren 

Von Andrea Gerdemann und Nina Griese

Die Wechselwirkung zwischen β-Rezeptorenblockern und β2-Sympathomimetika melden die Software-Programme in der Apotheke als eine der häufigsten potenziellen Interaktionen. Was sollten PTA und Apotheker darüber wissen, damit sie das Risiko der Wechselwirkung besser einschätzen können?

β2-Sympathomimetika werden zur Therapie von Asthma bronchiale oder der chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) verordnet. Ziel ist dabei eine Verminderung der Bronchialobstruktion. Zur Basistherapie des Asthmas gehören lang wirksame β-Sympathomimetka, die häufig mit inhalativen Glucocorticoiden kombiniert werden. Die kurz wirksamen β-Sympathomimetika wie Salbutamol setzen die Patienten zur Inhalation bei akuter Atemnot ein.

Die β-Blocker gehören zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. Verschrieben werden diese Substanzen vor allem Patienten mit arterieller Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, tachykarden Herzrhythmusstörungen und chronischer Herzinsuffizienz. β-Rezeptorenblocker hemmen die Bindung von Noradrenalin und Adrenalin an die β-Rezeptoren. Unterschieden wird zwischen nicht kardioselektiven und kardioselektiven (β1-selektiven) Blockern. 

Wirkung am Herzen erwünscht

Am Herzen erhöht die Aktivierung der β1-Rezeptoren die Herzkraft und Herzfrequenz, β2-Rezeptoren regulieren unter anderem die glatten Muskeln der Bronchien und der Blutgefäße. Während die nicht kardioselektiven β-blocker sowohl an β1- als auch β2-Rezeptoren angreifen, blockieren die β1-selektiven Rezeptorenblocker überwiegend β1-Rezeptoren, hemmen aber in höheren Dosierungen trotzdem noch die β2-Rezeptoren.

Bei der Beurteilung der Interaktion zwischen β-Blockern und β2-Sympathomimetika ist nicht nur die Wechselwirkung zu beachten. Bei Patienten mit obstruktiven Bronchialerkrankungen ist die Einnahme von β-Blockern zudem kontraindiziert. 

Gefahr eines Asthmaanfalls

Die Wechselwirkung zwischen β2-Sympathomimetika und β-Blockern ist eine pharmakodynamische Interaktion. Bei gleichzeitiger Einnahme können vor allem nicht kardioselektive β-Blocker die bronchienerweiternde Wirkung der β2-Sympathomimetika aufheben, es kommt zu einer Bronchialobstruktion, die zu einem Asthmaanfall führen kann. Bei kardioselektiven β-Blockern ist diese Interaktion jedoch nur gering ausgeprägt. 

Unabhängig von dieser Wechselwirkung können β-Blocker bei jedem Patienten mit einer obstruktiven Bronchialerkrankung dazu führen, dass sich die Bronchien verengen. Bei weiteren Risikofaktoren wie einem gleichzeitigen Infekt oder einer Allergie lösen manchmal schon geringe Dosen eines β-Blockers eine Bronchokonstriktion aus. 

Sogar β-Blocker-haltige Augentropfen können systemisch wirksame Plasmakonzentrationen erreichen und zu einem Bronchospasmus führen. Diese Wechselwirkung kann deshalb auftreten, weil β-Blocker aus Augentropfen zu etwa 80 Prozent resorbiert werden und keinem First-Pass-Effekt unterliegen. Auch hier ist das Risiko eines Bronchospasmus bei kardioselektiven β-Blockern geringer als bei nicht kardioselektiven.

Risiko bei COPD recht gering

Bei der Beurteilung des Risikos beim Einsatz von β-Blockern bei obstruktiven Bronchialerkrankungen muss man zudem zwischen Asthma- und COPD-Patienten differenzieren. Bei Asthmapatienten ist das Risiko einer Verschlechterung der Lungenfunktion wesentlich höher als bei COPD-Patienten. Zwei Metaanalysen zum Einsatz von β-Blockern bei Asthma und COPD kamen zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von kardioselektiven β-Blockern bei COPD Patienten aufgrund des geringen Risiko eines Bronchospasmus möglich ist. Bei Asthmapatienten kann ein Einsatz kardioselektiver β-Blockern erwogen werden, wenn der Nutzen höher als das Risiko eingestuft wird. 

Nicht selektive β-Blocker sollten insbesondere Patienten mit Asthma aber auch COPD möglichst nicht erhalten. Für die meisten Indikationen, vor allem die arterielle Hypertonie und die Glaukomtherapie, stehen alternative Arzneisubstanzen zur Verfügung. Bei der Glaukomtherapie sind dies beispielsweise Carboanhydrase-Hemmer wie Dorzolamid und β2-Sympathomimetika wie Brimonidin. Kann der β-Blocker nicht durch einen anderen Arzneistoff ersetzt werden, zum Beispiel weil er nicht ausreichend wirkt oder Kontraindikationen bestehen, kann der Arzt einen selektiven β-Blocker wie Betaxolol verordnen.

Wie Studien gezeigt haben, ist auch Asthma bronchiale keine absolute Kontraindikation für die Therapie mit kardioselektiven β-Blockern. Insbesondere bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder nach akutem Myokardinfarkt überwiegt meist der Nutzen das Risiko. Bei Patienten mit gering- und mittelgradigem Asthma kann bei diesen Indikationen der Einsatz kardioselektiver β-Blocker erwogen werden. Menschen mit schwergradigem Asthma sollten grundsätzlich keinen β-Blocker einnehmen.

Verträglichkeit beobachten

Allerdings sollte die Behandlung des Asthmas beim Therapiestart mit einem kardioselektiven β-Blocker optimal eingestellt sein. Wichtig ist, dass der Asthmakranke im Fall eines Bronchospasmus ein rasch wirkendes β2-Sympathomimetikum zur Verfügung hat. Treten Bronchospasmen unter der Therapie mit dem kardioselektiven β-Blocker auf, muss der Patient seinen Arzt informieren.

Herr Thomas, ein 55-jähriger Hausapothekenkunde, der seit Jahren an Asthma leidet, reicht in der Apotheke ein Rezept über Chibro-Timoptol® 0,25% Augentropfen ein. Beim Einscannen des Präparates erscheint auf dem Bildschirm die Interaktion mit dem β-Sympathomimetikum, das Herr Thomas seit Jahren als Spray anwendet. Daher fragt die PTA: »Haben Sie die Augentropfen zum ersten Mal verordnet bekommen?« Herr Thomas bejaht: »Ich war zur Kontrolle beim Augenarzt und der hat einen erhöhten Augeninnendruck bei mir festgestellt. Jetzt soll ich die Augentropfen zweimal täglich nehmen und in etwa drei Wochen zur Kontrolle in die Praxis kommen.«

Die PTA erkundigt sich weiter: »Haben Sie mit dem Augenarzt über ihr Asthma gesprochen und ihm erzählt, dass sie deswegen ein Asthmaspray benutzen?« »Nein«, antwortet Herr Thomas. »Daran habe ich gar nicht gedacht. Warum fragen Sie?« Die PTA erklärt Herrn Thomas, dass es aufgrund seines Asthmas möglicherweise für ihn besser geeignete Augentropfen gibt. Sie bittet Herrn Thomas, sich einen kurzen Moment zu gedulden, sie müsse mit der Apothekerin Rücksprache halten. Diese ruft daraufhin in der Augenarztpraxis an und schildert das Problem. 

Eine Alternative gefunden

Im Gespräch einigt man sich darauf, auf andere Augentropfen mit dem Wirkstoff Dorzolamid auszuweichen. Die PTA erklärt Herrn Thomas, in Absprache mit dem Augenarzt bekomme er nun ein anderes Präparat, das die Wirkung seines Asthmasprays nicht beeinflusst. Sie erklärt ihm abschließend noch die Handhabung sowie die Dosierung der neuen Augentropfen: »Tropfen Sie bitte zweimal täglich einen Tropfen in das oder die betroffenen Augen. Falls Ihnen danach schwindlig wird oder Sehstörungen auftreten, sollten Sie kein Auto fahren.«

E-Mail-Adresse der Verfasserinnen:
N.Griese(at)abda.aponet.de