PTA-Forum online
Probiotika

Hilfe bei Meteorismus

03.04.2009
Datenschutz

Probiotika

Hilfe bei Meteorismus

Von Gudrun Heyn, Hamburg

Ein geblähter Bauch gehört zu den charakteristischen Symptomen des Reizdarmsyndroms. Erstmals belegt eine Studie, dass probiotisch veränderter Joghurt den Meteorismus und weitere damit einhergehende Beschwerden positiv beeinflussen kann.

Schon in anderen Untersuchungen hat der Bakterienstamm Bifidobakterium lactis DN-173010 seine Nützlichkeit für Menschen mit Verdauungsproblemen bewiesen. Damit die Mikroorganismen ihre gesundheitsfördernde Wirkung entfalten können, werden sie lebend zusammen mit klassischen Joghurtkulturen der Milch zum Fermentieren zugesetzt. In mehreren Studien konnte das Milchsäurebakterium bereits zeigen, dass es bei Menschen mit einer trägen Verdauung die Durchgangszeit von Lebensmitteln im Darm deutlich verkürzt. So auch bei mehr als 260 Reizdarmpatienten mit Verstopfung. Außerdem war der patentierte Keim in der Lage, die lästigen Blähungen der Patienten zu mindern, wenn sie den probiotischen Joghurt regelmäßig verzehrten. In einer neuen Studie an der Universitätsklinik Manchester, Großbritannien, wurde nun gezielter untersucht, wie das funktionelle Lebensmittel Blähbauchbeschwerden und die damit häufig verbundene unangenehme Dehnung des Bauches beeinflusst. Aufgrund ihrer typischen Verdauungsprobleme testeten die Forscher auch in dieser Studie Menschen mit Reizdarmsyndrom.

Kein banales Problem

Reizdarm bedeutet immer wiederkehrende Beschwerden im Verdauungstrakt. Durchfall oder Verstopfung macht den Patienten das Leben zur Qual. Häufig wechseln die Symptome. Mal ist der Stuhl hart und die Passage mühsam, ein anderes Mal breiig oder wässrig. »Allein in Deutschland erfüllen bis zu 20 Prozent der Bevölkerung die diagnostischen Kriterien des Krankheitsbildes«, informierte Professor Dr. Wolfgang Rösch vom Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main Journalisten in Hamburg. An mindestens drei Tagen im Monat werden die Patienten von Verdauungsbeschwerden geplagt, begleitet von Bauchschmerzen oder Missempfindungen im Unterleib. Häufig leiden sie zudem unter einem Gefühl der unvollständigen Darmentleerung.

Als eines ihrer lästigsten Probleme bezeichnen Reizdarm-Patienten jedoch ihren aufgeblähten Bauch. Davon sind rund 96 Prozent betroffen. Bei etwa der Hälfte geht dieses unangenehme Gefühl mit einer sichtbaren Ausdehnung des Unterleibs einher. Während ihnen am Morgen noch die gewohnten Kleidungsstücke passen, müssen sich viele gegen Abend umziehen. Durchschnittlich nimmt der Leibesumfang der Betroffenen im Lauf des Tages um 5 cm zu. Dies entspricht einer Änderung von bis zu zwei Kleidergrößen. Bei einzelnen wurde sogar eine Bauchdehnung von 20 cm gemessen. Aber auch Menschen ohne Reizdarmsyndrom können unter Blähbauch leiden. Zu den diagnostischen Kriterien gehört wiederkehrendes Völlegefühl oder eine sichtbare Bauchdehnung im Tagesverlauf. 

Unter kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen hat das Forscherteam der Universität Manchester nun untersucht, ob sich auch objektiv messen lässt, was Testteilnehmer in früheren Studien zum Effekt des probiotischen Joghurts auf die lästige Ausdehnungstendenz ihrer Bäuche sagten. Dazu verwendeten sie einen speziellen Gürtel, der der Belt-Studie ihren Namen gab. Mit dem Spezialgürtel konnten die Wissenschaftler die Veränderung des Bauchumfangs millimetergenau feststellen. In der Studie haben die Teilnehmer ihn zu bestimmten Zeiten 24 Stunden lang getragen. Währenddessen hat der dehnbare Gürtel mit seinem im Zickzack eingelegten Silberdraht alle 30 Sekunden die Bauchdehnungsdaten registriert und gespeichert. 

Außerdem vermerkt das Gerät selbstständig, ob der Träger des Gürtels bei der Messung steht, sitzt oder liegt. So konnte ein flacherer Bauch beim Liegen während eines Mittagsschläfchens nicht mit einem flacheren Leib aufgrund der Joghurtwirkung verwechselt werden. 

Röntgen begrenzt Teilnehmerzahl

An der Studie nahmen 34 Teilnehmerinnen mit Reizdarmsyndrom vom Verstopfungstyp teil. »Diese Zahl reicht aus, um statistisch haltbare Ergebnisse zu bekommen«, sagte Dr. Stefan Jakob von Danone Research. Viel mehr hätte die Ethikkommission den Forscher in Manchester auch nicht genehmigt, denn die Messung der Transitzeit der Nahrung durch den Körper gehörte ebenfalls zu den wichtigen Zielen der Studie. An drei Tagen hintereinander mussten die Teilnehmer dazu einen Satz aus 24 radioaktiv markierten Kapseln zu sich nehmen. Die Röntgenaufnahme am vierten Tag zeigte, wie weit die unterschiedlich geformten Marker dann bereits den Darm passiert hatten.

Diese Messung wurde zu Beginn und am Ende der Studie durchgeführt. Ebenfalls zu Beginn und am Ende haben die Teilnehmerinnen den Spezialgürtel über 24 Stunden getragen. Außerdem führten die im Durchschnitt 40 Jahre alten Patientinnen ein Tagebuch, in dem sie ihre Leibschmerzen, ihr Unwohlsein, die empfundene Blähung des Bauches und die abgehenden Winde anhand einer 6-stufigen Skala abschätzten sowie die Stuhlkonsistenz, den Pressaufwand und das Gefühl der Darmentleerung erfassten. 

Verbessertes Bauchgefühl

Vier Wochen dauerte die zu Hause unter Alltagsbedingungen durchgeführte Studie. Täglich verzehrten die Patienten zwei mal 125 g Joghurt mit dem Bifidobakterium oder in der Vergleichsgruppe ein gleich schmeckendes, gleich aussehendes Milchprodukt ohne Probiotikum. DieAufteilung in die zwei Gruppen erfolgte zufällig und weder die Teilnehmer noch die Forscher wussten, wer zur Test- und wer zur Placebogruppe gehörte. So haben die Forscher auch die Ergebnisse unvoreingenommen ausgewertet. Damit erfüllt die Studie internationale Qualitätskriterien, wie sie in der klinischen Forschung für Arzneimittel zugrunde gelegt werden. 

Die Belt-Studie zeigte, dass sich die regelmäßige Einnahme des Test-Joghurts positiv auf die Bauchdehnung der Patienten auswirkte. So verbesserte sich die maximale Ausdehnung in der Probiotika-Gruppe um mehr als 77 Prozent, während sie in der Placebogruppe nur um 29 Prozent zurückging. In der Bifidobakterium-lactis-Gruppe entspricht dies einem maximalen Rückgang von 4 cm, in der Vergleichsgruppe von 2,5 cm. Außerdem beurteilte die Testgruppe die Reizdarmsyndrom-Symptome als deutlich milder im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Besonders positiv wirkte sich das Probiotikum auf Schmerzen oder Missempfindungen im Unterleib aus sowie auf die Dringlichkeit, schnellstens zur Toilette gehen zu müssen. Die Stuhl-Häufigkeit veränderte sich dagegen nicht. Doch die Transitzeit vor allem im Dickdarm beschleunigte sich. Um durchschnittlich 12,2 Stunden war sie in der Probiotika-Gruppe schneller als in der Placebogruppe. Außerdem stellten die Forscher einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Transitzeit und der Bauchdehnung fest. Der probiotische Joghurt Activia® ist in vielen Supermärkten erhältlich.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
gheyn(at)gmx.de