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Reiseberatung

Malariamedikamente mit ins Gepäck

03.04.2009
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Malariamedikamente mit ins Gepäck

Von Daniela Biermann

Urlaub in den Tropen ist verlockend, aber nicht ganz ungefährlich. In vielen Regionen ist die Anopheles-Mücke heimisch, der Überträger des Malaria-Erregers. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken rund 500 Millionen Menschen jährlich an Malaria; etwa 1 Million stirbt daran.

Durch die Klimaerwärmung breitet sich die Anopheles-Mücke weiter aus. Noch hat sie sich in Mitteleuropa nicht festgesetzt, auch wenn Fernreisende den Erreger manchmal im Gepäck mitbringen. Im Jahr 2008 erkrankten 547 Deutsche nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub an Malaria, meldete das Robert-Koch-Institut. Eine umfassende Aufklärung in der Apotheke vor Reiseantritt minimiert die Infektionsgefahr.

Zunächst gilt es, das Malaria-Risiko in der Urlaubsregion abzuschätzen. Dazu empfiehlt sich ein Besuch der Internetseite des Centrums für Reisemedizin unter www.crm.de. Ist ein Risiko vorhanden, gehören bei kurzen Urlaubsreisen Mückenschutz und Medikamente zur Prophylaxe. Für längere Auslandsaufenthalte sollten Stand-by-Arzneimittel im Gepäck sein, die der Reisende bei Auftreten einer Infektion einnimmt.

Klassische Symptome der Erkrankung sind Schüttelfrost und Fieberschübe. Es gibt drei Arten von Malaria: Die gefährlichste und am weitesten verbreitete ist die Malaria tropica, ausgelöst durch den Erreger Plasmodium falciparum. Für diese Malaria-Art charakteristisch ist Fieber, das zu verschiedenen Zeiten immer wieder auftritt. Plasmodium vivax und Plasmodium ovale verursachen Malaria tertiana, bei der die Fieberschübe im Rhythmus von drei Tagen wiederkehren. Vier Tage dagegen sind es bei Malaria quartana, hervorgerufen durch Plasmodium malariae. Der Überträger aller Malaria-Erreger ist die weibliche Anopheles-Mücke.

Moskitos abwehren

Da keine Chemoprophylaxe einen hundertprozentigen Schutz bietet, ist die Abwehr der Mücken das oberste Gebot: Für das Bett ist ein Moskitonetz mit einer Maschenweite von maximal 1,2 Millimetern obligatorisch. Insbesondere in der Dämmerung sollten Tropenreisende lange, helle, locker sitzende, nicht zu dünne Kleidung tragen. Zu empfehlen ist eine abendliche Dusche, denn sie spült Schweiß und Duftstoffe ab, von denen die Mücken angezogen werden. Zusätzlichen Schutz bietet ein Repellent, also eine mückenabwehrende Lotion oder Sprühlösung. Vorsicht im Gesicht: Repellentien nicht zu nah an Augen, Nase und Lippen auftragen. Bei Kontakt mit den Schleimhäuten muss das Repellent sofort mit Wasser abgewaschen werden. 

Am besten sollten Reisende ihre Mückenschutzpräparate bereits im Gepäck mit ans Urlaubsziel nehmen. Der Inhaltsstoff DEET (Diethyltoluamid) gilt als Goldstandard (zum Beispiel in Autan® Family Care Soft Spray oder Azaron® before Tropen Gel). Studien belegen ein gutes Sicherheitsprofil. Auch Icaridin (zum Beispiel in Autan® Active Lotion) gilt als wirksam und sicher. Faustregel: alle drei bis vier Stunden neu auftragen. Repellentien mit pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Zedernöl sind in der Regel weniger wirksam als chemische.

Alle Medikamente zur Malaria-Prophylaxe sind verschreibungspflichtig und werden meist auf Privatrezept ausgestellt. In bestimmten Gebieten ist generell eine Malaria-Prophylaxe indiziert. In anderen Ländern, vor allem solchen mit schlechter medizinischer Versorgung, empfiehlt sich die Mitnahme von sogenannten Stand-by-Medikamenten für den Ernstfall.

Wann und welches Mittel?

Für die medikamentöse Prophylaxe (und auch die Therapie) ist Chloroquin (wie Resochin®, Weimer®quin) das Mittel der Wahl, sofern im Urlaubsgebiet keine Resistenzen vorliegen. Die Reisenden müssen das Arzneimittel nur einmal pro Woche einnehmen: Die erste Tablette eine Woche vor der Abreise mit oder nach dem Essen, die zweite folgt am Abreisetag. Die Dosis beträgt 5 Milligramm Chloroquinbase pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem akuten Malaria-Anfall erhöht sich die Dosis am ersten Tag einmalig auf 10 mg/kg zuzüglich 5 mg/kg nach sechs Stunden. Am zweiten Tag, eventuell auch am dritten Tag, muss der Erkrankte je 5 mg/kg einnehmen. Allgemein ist Chloroquin gut verträglich, daher eignet es sich auch für Schwangere und Kinder. Gelegentlich treten Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen auf, sehr selten auch Störungen des zentralen Nervensystems und Hautreaktionen. Ähnlich wirkt Hydroxychloroquinsulfat (Quensyl®), das ebenfalls zur Prophylaxe zugelassen ist. Dieses Medikament müssen die Reisenden bereits zwei Wochen vor Reiseantritt nehmen.

Ebenfalls als gut verträglich gilt Proguanil (Paludrine®). Leichte gastrointestinale Störungen können auftreten sowie in seltenen Fällen reversibler Haarausfall und Hautreaktionen. Vorsicht: Es verstärkt die Wirkung von Antikoagulanzien auf Cumarinbasis wie Phenprocoumon (wie Marcumar®). Erwachsene nehmen einmal täglich zwei Tabletten nach dem Essen, um auf die nötige Dosis von 200 mg pro Tag zu kommen. Die Einnahme sollte spätestens zwei Tage vor Abreise beginnen. Um die Resorption zu verbessern, sollten die Reisenden Proguanil zu einer fettreichen Mahlzeit oder mit einem Glas Milch einnehmen. 

Etwas schlechter sieht das Nebenwirkungsprofil des Kombinationspräparats Malarone® (100mg Proguanil-HCl plus 250 mg Atovaquon) aus: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauch- und Kopfschmerzen treten sehr häufig auf, Störungen des Blutbilds, der Leberwerte sowie Schwindel, Schlaflosigkeit, allergische Reaktionen sind möglich. Auch bei diesem Medikament müssen PTA oder Apotheker Phenprocoumon-Patienten auf Wechselwirkungen hinweisen. Metoclopramid und die Antibiotika Tetracyclin, Rifampicin und Rifabutin schwächen die Atovaquon-Komponente ab. Umgekehrt reduziert Atovaquon den Blutspiegel des AIDS-Medikaments Indinavir. Trotzdem ist das Kombinationspräparat ein unverzichtbares Prophylaktikum, da es synergistisch wirkt und somit gegen viele resistente Erregern einsetzbar ist. Es gelten dieselben Einnahmehinweise wie für Proguanil.

Auf der Reservebank

Gegen Mefloquin (Lariam®) sind bislang nur wenige Erreger-Stämme resistent, daher sollte es nur in Gebieten mit problematischer Resistenzlage zum Einsatz kommen. Es muss ebenfalls nur einmal wöchentlich genommen werden (Einzeldosis: 250 mg); Start der Einnahme ist zwei bis drei Wochen vor dem Urlaub. Übelkeit, Durchfall und zentralnervöse Störungen wie Halluzinationen, Zittern, Schwindel und Gleichgewichtsstörungen treten relativ häufig auf. Daher eignet es sich nicht für Aktivreisende wie Taucher oder Klettersportler, die sich auf ihre Konzentration und räumliche Orientierung verlassen müssen. Kontraindiziert ist es bei Epileptikern und psychisch Kranken, zum Beispiel Neuroleptikern. Auch Schwangeren wird von Mefloquin abgeraten. 

Die Kombination aus Artemether und Lumefantrin (Riamet®) gilt ebenfalls als Reservemittel. Reisende können es als Notfallmedikament mitführen, zur Prophylaxe ist es nicht zugelassen. Die Liste der Nebenwirkungen ist lang, Kopfschmerzen, Schwindel und Appetitlosigkeit treten sehr häufig auf. Lumefantrin verlängert die Repolarisationsphase am Herzen (QT-Zeit), was bei Herzpatienten beachtet werden muss. Artemether wird über das Enzym Cytochrom-P450-3A4 verstoffwechselt, daher besteht die Gefahr zahlreicher Wechselwirkungen.

Zur Vorbeugung, jedoch nicht zur Therapie eignet sich Doxycyclin. In Deutschland ist dies eine Off-Label-Anwendung (außerhalb der Zulassung), doch die WHO empfiehlt es als Prophylaktikum. Der Vorteil ist, dass es als Breitspektrumantibiotikum gegen eine Vielzahl von Erregern wie Borrelien, Cholera- und Durchfallbakterien wirkt. Da es erst am Tag vor dem Abflug genommen werden muss, eignet es sich für Spontanreisende. Die Dosis beträgt 100 mg Doxycyclinmonohydrat täglich, am besten abends nach dem Essen, auf keinen Fall in Kombination mit Milch oder Milchprodukten. Insgesamt ist Doxycyclin gut verträglich, doch können Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Pilzinfektionen und phototoxische Reaktionen auftreten. Daher den Sonnenschutz nicht vergessen.

Chinin, das älteste bekannte Malariamittel, gilt nur als Reservemedikament für die Therapie, denn es verursacht schwere Nebenwirkungen. Zur Prophylaxe ist es nicht geeignet. Wichtige Information für die Reisenden: Alle Prophylaktika mit Ausnahme von Proguanil müssen sie nach der Rückkehr noch vier Wochen (bei Malarone® sieben Tage) einnehmen. 

Bisher ist es Wissenschaftlern noch nicht gelungen, einen Impfstoff gegen Malaria zu entwickeln. Nach WHO-Angaben ist Mosquirix®, ein Gemeinschaftsprodukt von GlaxoSmithKline und dem Forschungsinstitut der US-amerikanischen Armee, am weitesten fortgeschritten. Bis zur Marktreife wird es jedoch noch einige Jahre dauern. Da sich Resistenzen weiter ausbreiten, arbeiten Pharmaunternehmen und öffentliche Einrichtungen ständig an der Entwicklung neuer Malariamedikamente.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
biermann(at)govi.de