PTA-Forum online
Reiseübelkeit

Mit Homöopathika vorbeugen

03.04.2009
Datenschutz

Reiseübelkeit

Mit Homöopathika vorbeugen

Von Brigitte M. Gensthaler

Urlaub ist für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Doch wer unter Reiseübelkeit leidet, muss erst einmalquälende Stunden überstehen, bevor er oder sie am hoffentlich erholsamen Ziel ankommt. Homöopathische Mittel beugen den Beschwerden vor oder lindern sie.

Häufig fragen Kunden in der Apotheke, ob sich die Homöopathie auch für die Vorbeugung eignet, denn nach der Grundregel von Samuel Hahnemann wird »Ähnliches mit Ähnlichem geheilt«. Demnach werden Homöopathika nach den hauptsächlichen Beschwerden, deren Ursache und Besonderheiten ausgewählt. Dieses Vorgehen schließt streng genommen die Prophylaxe aus. Doch wer unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel bei einer längeren Autofahrt oder einer Flugreise, immer an denselben Problemen leidet, zum Beispiel an großer Übelkeit, Erbrechen oder Kreislaufschwäche, kann homöopatische Mittel auch prophylaktisch einnehmen.

Es lohnt sich also, den Kunden in der Apotheke genau zu fragen, welche Symptome ihn auf der Reise plagen. Nach seiner Beschreibung kann die PTA oder der Apotheker dann das passende Mittel auswählen. Man behandelt damit die Neigung eines Menschen, in bestimmter Weise zu erkranken; Fachleute sprechen von »Disposition«. Wer Homöopathika zur Vorbeugung einnimmt, beginnt damit zwei bis drei Tage vor Reiseantritt und lässt dreimal täglich fünf Arzneikügelchen (Globuli) oder Tropfen (Dilution) im Mund zergehen. Bei Kindern reichen drei Globuli. Werdies vergessen hat, sollte einige Stunden vor Reisebeginn die erste Dosis einnehmen. Im Akutfall nimmt man halbstündlich bis stündlich drei Globuli (drei- bis viermal wiederholen) und reduziert die Einnahme, sobald die Beschwerden nachlassen.

Dilutionen nicht für Kinder

Tipp: Auf Reisen sind Globuli praktischer als Dilutionen. Für Kinder, Schwangere und Stillende sollten PTA oder Apotheker immer Globuli empfehlen, da Dilutionen Alkohol enthalten. 

Ein bewährtes Mittel gegen Reiseübelheit ist Cocculus D6 (Anamirta cocculus; Kockelskörner). Typisch ist starker Schwindel mit Schwächegefühl und Zittern; die Patienten müssen oft erbrechen. Bei dem Gedanken ans Essen und bei der kleinsten Bewegung wird alles noch schlimmer. Schlafmangel gehört ebenfalls zu den Auslösern dieser Beschwerden. Daher wird Cocculus auch bei Nervosität und Gereiztheit infolge von Schlafmangel, zum Beispiel nach Nachtwachen oder bei Zeitverschiebung auf Reisen, eingesetzt. Schon eine kurze Ruhepause kann das Befinden bessern.

Hat der Patient trotz starker Übelkeit noch Appetit, ist Petroleum D12 (Petroleum rectificatum; Steinöl) geeignet. Essen bessert sogar die Beschwerden, die durch heftige Bewegungen beim Fahren oder Fliegen ausgelöst werden. Besonders beim Aufstehen wird es dem Patienten schwindelig.

Bei sehr starker Übelkeit

Tabacum D6 (Nicotiana tabacum; Tabak) hilft Patienten mit extremer Übelkeit, die sich »sterbenselend« und schwindelig bis zur Ohnmacht fühlen. Das Gesicht ist sehr blass und von kaltem Schweiß bedeckt; meist schließt der Patient die Augen. Wärme, Tabakrauch und die geringste Bewegung verschlimmern die Beschwerden. Der Patient will nur noch an die frische Luft, damit es ihm dann besser geht. Auch nach Erbrechen oder nach dem Gang zur Toilette fühlt er sich besser.

Bei vielen Erkrankungen mit akuter Kreislaufschwäche und Ohnmachtneigung ist Veratrum album D6 (Weiße Nieswurz) das Mittel der Wahl. Dies sind die »homöopathischen Notfalltropfen«. Der Patient fühlt sich sehr schwach und erschöpft, sein Gesicht ist blass und eingefallen, ihm bricht kalter Schweiß aus. Der ganze Körper fühlt sich kalt an, aber dennoch hat der Patient viel Durst auf kalte Getränke. Veratrum album eignet sich auch, wenn heftiger Brech-Durchfall oder krampfartige Regelschmerzen den Kreislauf absacken lassen. Bei akuter Kollapsneigung im Abstand von wenigen Minuten drei- bis viermal drei Tropfen oder Globuli im Mund zergehen lassen, dann drei- bis fünfmal täglich fünf Globuli. 

Abschließend noch ein Mittel für Menschen, die panische Flugangst haben, aber dennoch fliegen müssen. Aconitum D6 (Aconitum napellus, Blauer Eisenhut) hilft Menschen, die vor der Flugreise große Angst, Herzrasen und extreme Unruhe plagen. Damit das Arzneimittel seine Wirkung gut entfalten kann, sollten Menschen mit Flugangst Aconitum bereits einige Tage vor der Reise einnehmen.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
bm.gensthaler(at)t-online.de