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Cellulite

Nur Ausdauer verspricht Erfolg

03.04.2009
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Cellulite

Nur Ausdauer verspricht Erfolg

Von Annette Behr

Jede Frau wünscht sich glatte, makellose Haut – möglichst am ganzen Körper. Daher kämpfen viele Frauen gegen die unschönen Dellen unter der Haut, auch als Cellulite bekannt. Das einzige Erfolgsrezept für straffe Oberschenkel, -arme, festen Po und Bauch ist die Kombination aus sportlichem Training und Massagen mit speziellen Pflegeprodukten.

Schätzungsweise 80 Prozent aller Frauen sind von Cellulite, der Orangenhaut, betroffen. Charakteristisch für Orangenhaut ist die unregelmäßige, gewellte Hautoberfläche. »Dabei handelt es sich um nichts anderes als um Fettdepots aus demsubkutanen Fettgewebe, die sich durch die locker angeordneten elastischen Fasern des Bindegewebes bis an die Hautoberfläche vorschieben«, informiert Dr. Hartmut Neufang. Der Apotheker entwickelt seit 25 Jahren Hautpflegeprodukte und ist derzeit Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Frei Hautforschungsinstituts. Die lockere Struktur der elastischen Fasern ist die Ursache allen Übels. Sie hat aber den entscheidenden Vorteil, dass sich das Gewebe im Falle einer Schwangerschaft ausdehnen kann. Für die Struktur der Unterhaut sind mehrere Faktoren verantwortlich, vor allem die genetische Verlagung, der Hormonstatus und das Alter. Zusätzlich begünstigen die Entwicklung einer Cellulite Übergewicht, Bewegungsmangel, Arzneimittel wie die Antibabypille, Krampfadern, Lymph- und Venenstauungen, Nikotin- und Alkoholkonsum sowie eine Schwangerschaft.

»Cellulite ist erblich bedingt und betrifft daher auch sehr schlanke Frauen«, bestätigt Dr. Gerhard Sattler, Facharzt für Dermatologie, der 1996 die Rosenparkklinik in Darmstadt gründete und seitdem als Schönheitschirurg arbeitet. Selbst Mädchen und junge Frauen blieben aber nicht verschont, wenn die vermehrte Östrogenbildung in der Pubertät das Bindegewebe auflockert. »Durch den Einfluss der Östrogene bindet das Gewebe verstärkt Wasser, und der Abtransport der Lymphe wird behindert«, erklärt Sattler den Prozess.

Glätten und Straffen

Den Körper formen wollen die meisten Frauen. Kein Wunder also, dass das Angebot an Mitteln unüberschaubar und oft kostspielig ist. Für glatte Oberschenkel cremen, zupfen und massieren Frauen und tragen auf, was die kosmetische Industrie zu bieten hat. Die Werbung verspricht, dass durch die Produkte die Fettzellen »ein- und wegschmelzen«. Was aber können sie tatsächlich bewirken? »Alleine wenig bis gar nichts«, darüber sind sich alle Experten einig.

»Die Cellulite bildet sich nicht allein durch auf die Haut aufgetragene Wirkstoffe zurück, auch wenn die Werbung der Kosmetikindustrie uns davon überzeugen will«, sagt Naturkosmetikerin Liane Jochum, die Leiterin der Academia Balance, Fachschule für Naturkosmetik und Seminarzentrum für ganzheitliche Methoden. Aus ihrer langjährigen Erfahrung weiß sie, dass nur die Kombination aus Hautpflege, ausgewogener Ernährung und gezieltem sportlichem Training den gewünschten Erfolg bringt.

Übungen für Beine und Po

Bein-Lift

Seitenlage, Beine leicht angewinkelt. Das obere Bein nach oben anheben und wieder senken. Die Hüfte dabei nicht nach hinten wegdrehen. 16 Wiederholungen, dann die Seite wechseln.

Standwaage

Oberkörper mit geradem Rücken nach vorne neigen. Die Hände mit gestreckten Armen auf eine Stuhllehne legen. Das Standbein ist leicht gebeugt. Nun das andere Bein langsam gestreckt anheben, ohne die Hüfte zur Seite wegzudrehen. 16 Wiederholungen, dann Bein wechseln. Stärkt auch die Rückenmuskulatur.

Po-Lift

Rückenlage, Knie beugen, beide Füße aufstellen. Einen Fuß auf ein Knie legen. Jetzt Po nach oben drücken und wieder absenken. 16 Wiederholungen, dann Bein wechseln.

Wand-Sitz

Mit dem Rücken gegen eine Wand lehnen. Beine bis 90-Grad-Winkel beugen. Dreimal eine Minute lang diese Stellung halten.

Sport gehöre zu den effektivsten Maßnahmen gegen Orangenhaut, berichtet Jochum. Durch Sport und Bewegung wird Körperfett abgebaut und werden neue Muskeln aufgebaut. Bewegung unterstützt zudem jede Gewichtsreduktion.

»Die Bewegung der Muskeln ist wie eine innere Massage«, bestätigt der Dermatologe. Sattler empfiehlt seinen Patientinnen neben gezieltem Training, die Haut täglich einzucremen. »Cremes und Gels mit Pflanzenextrakten aus Efeu, grünem Tee kombiniert mit Coffein kurbeln die Durchblutung an«, bestätigt er. In der Folge wirke die Haut straffer. »Coffein entwässert das Gewebe und aktiviert zugleich ein Enzym, das Fett abbauen hilft. Vitamin A stimuliert die Kollagenneubildung in den Bindegewebszellen, Vitamin E fördert die Elastizität, und Vitamin B3 unterstützt den Hautstoffwechsel«, sagt Neufang. »Mit einer speziellen Kombination aus Coffein und Vitaminen greifen wir an unterschiedlichen Punkten an.«

Liane Jochum ergänzt: »Die Behandlung der äußeren Haut wirkt allenfalls unterstützend. Mit regelmäßigen Massagen und speziellen Produkten kann man das Hautprofil schrittweise verbessern.« Das Auftragen einer Lotion oder eines Öls gegen Cellulite soll die Unterhaut entwässern und die Mikrozirkulation anregen. Auch Birke oder Rosskastanie hätten sich in Produkten bewährt. In Studien zeigte Birkenöl eine signifikante Wirkung gegen Cellulite, Präparate sind zum Beispiel das Birkenöl von Weleda oder Birke-Cellulite-Öl von Farfalla. 

Peelings können zu einer strafferen Haut beitragen. Durch das Reiben wird die obere Hautschicht abgetragen. Das verbessert und fördert die Durchblutung, die Fettzellen beeinflusst es jedoch nicht. Die Kosmetikerin rät als besonders effektive Maßnahme das Peeling, zum Beispiel auf Meersalzbasis, aufzutragen und mit Frischhaltefolie zu umwickeln. Nach 20 Minuten Einwirkzeit das Peeling abwaschen und die betroffenen Körperzonen mit einem Cellulite-Öl massieren. 

Für Jochum gehört zur Basis einer Cellulite-Behandlung immer auch die bewusste ausgewogene Ernährung. Übergewicht sollten die Frauen langsam und nicht radikal abbauen, damit die Haut nicht übermäßig erschlafft. Sinnvoll ist es, auf überflüssige Fette, zu viel Salz und Zucker in der Ernährung zu verzichten und wenig Kaffee, schwarzen Tee oder Alkohol zu trinken. Ballaststoffe aktivieren die Verdauung. Da Kieselsäure zum Aufbau des Bindegewebes notwendig ist, empfiehlt die Naturkosmetikerin, sich außerdem kieselsäurereich zu ernähren, zum Beispiel mit Hirse, Hafer, Gerste, Reis, Kartoffeln und reichlich Gemüse. Tee aus Schachtelhalmkraut enthält ebenfalls viel Kieselsäure und helfe, das Bindegewebe zu stärken. Außerdem regt ausreichendes Trinken die Nieren an, was den Abtransport der Stoffwechselendprodukte fördert.

Massage-Tipps

Eine kleine Menge Öl auf Oberschenkel und Po verteilen. Das Öl zunächst zupfend einmassieren: Haut zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und zart von der Muskulatur »wegzupfen«.

Dann die Beine massieren: hierfür ein Bein leicht angewinkelt auf einen Hocker stellen. Etwas Öl auf dem Oberschenkel verteilen und vom Knie bis zur Hüfte und über den Po mit beiden Handflächen im Wechsel mehrmals ausstreichen. Immer von der Außenseite nach innen, also zum Herzen hin massieren. Für den optimalen Massageeffekt diese Bewegung mit den Handballen und mehr Druck einige Male wiederholen. Wer es verträgt, kann auch eine Noppenbürste verwenden. 

Meersalzkörperpeeling

  • 40 g Totes-Meer-Salz 
  • 30 g kaltgepresstes Olivenöl 
  • 2 TL Saft einer unbehandelten Zitrone

Die Zutaten direkt vor dem Gebrauch gut miteinander vermischen. Das Salz mit den Händen etwa drei Minuten lang kreisend einmassieren. Danach mit lauwarmem Wasser abspülen.

Cellulite-Öl

20 Tropfen ätherisches Öl, zum Beispiel aus Orange oder Zypresse, in 50 ml Pflanzenöl wie Jojoba- oder Mandelöl geben und dann wie oben unter Massagetipps beschrieben anwenden.

Quelle: Liane Jochum

»Bei den deutschen Frauen genießt die Apotheke das größte Vertrauen«, heißt es im aktuellen Frei Konsumenten Report. Von den rund 500 befragten Frauen vertrauen demnach 37,5 Prozent der Wirksamkeit der Produkte, die sie in der Apotheke kaufen können. Es folgen mit 29,1 Prozent Frauen, die auf Produkte aus Drogeriemärkte setzen, und mit 10 Prozent welche, die Produkte aus Kosmetikstudios bevorzugen. Weit abgeschlagen liegen Präparate aus Reformhäusern (4,9 Prozent), Parfümerien und Supermärkte (je 2,1 Prozent). Wichtig sind die fachkundige, individuelle Beratung über die Produkte und umfassende Hinweise zur Anwendung. Bio- und Naturkosmetik liegen im Trend, auch in der Apotheke. 

Das Patentrezept gegen Cellulite wurde bisher (noch) nicht erfunden. Die Schönheitschirurgen arbeiten an neuen Methoden, die zukünftig große Operationen überflüssig machen sollen. Bei leichterer Cellulite helfen tägliche Wechselduschen à la Kneipp (siehe Kasten) in Kombination mit gezieltem Problemzonentraining. Die Haut wird straffer, glatter und rosiger. Eine Zupfmassage mit einem reichhaltigen Massageöl nach den Duschen rundet die Behandlung ab. Das Cremen, Ölen und Massieren kann jedoch keine Wunder bewirken. Wer sich allerdings regelmäßig pflegt, wird sicher mit gut durchbluteter Haut und einem strafferen Körper belohnt.

Kneipp´sche Güsse

Bei Cellulite ist der Schenkelguss nach Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) oft sehr hilfreich:

Man benötigt dafür einen Schlauch mit einem Durchmesser von etwa 2 cm oder eine größere Gießkanne. Der Wasserstrahl sollte bei geringem Druck fließen, so dass das Wasser nicht spritzt, sondern die Haut weich umspült. Darauf achten, dass der Raum warm genug und auch der Körper gut durchwärmt ist. Erst dann mit den Güssen beginnen. Die Güsse täglich wiederholen!

Für den Schenkelguss braucht man kaltes Wasser, für den Wechselguss kaltes und warmes Wasser. Den Wasserstrahl immer von der Peripherie zum Herzen hin führen! Für den Schnellguss an der Außenseite des rechten Beines beginnen. Danach wird der Strahl seitlich nach oben geführt und über die Mitte der Vorderseite des Oberschenkels wieder nach unten. Das gleiche wird anschließend am linken Bein wiederholt.

Beim nächsten Guss beginnt man mit dem rechten Bein unten an der Außenseite, führt dann den Strahl nach oben und über die Mitte des hinteren Oberschenkels nach unten und geht über zum linken Bein.

Beim Wechselguss verfährt man wie oben, beginnt den ersten Guss mit kaltem Wasser. Der zweite Guss wird mit sehr warmem Wasser gemacht, danach folgt wieder ein kalter Guss. Der letzte Guss soll immer kalt sein.

E-Mail-Adresse der Verfasserin:
blaubehr@gmx