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Säure-Base-Haushalt

Die Balance herstellen

25.03.2010
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Säure-Base-Haushalt

Die Balance herstellen

von Iris Priebe

Verschiedene Puffersysteme halten den pH-Wert im Blut möglichst konstant. Nur in einem engen pH-Bereich funktionieren die Zellen und Organe des Körpers optimal. Doch das System ist störanfällig, und wenn das Blut zu sauer wird, leidet die Gesundheit.

Schulmediziner unterscheiden zwei Formen der Übersäuerung im Blut: die respiratorische (atmungsbedingte) Acidose und die metabolische (stoffwechselbedingte) Acidose. Bestimmte Erkrankungen können die Übersäuerung verursachen, zum Beispiel Lungen- oder Nierenfunktionsstörungen, ein entgleister Stoffwechsel bei Diabetes, aber auch heftiges Erbrechen, starke Durchfälle oder Vergiftungen. Die meisten Patienten erkranken so schwer an der Acidose, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden müssen.

Ganzheitlich orientierte Therapeuten sehen in der Übersäuerung des Blutes und des Gewebes bereits den Hauptgrund, warum sich Menschen unwohl und erschöpft fühlen. Sie vermuten, dass eine stark säurebildende Ernährung die Beschwerden verursacht. Schließlich können sich dadurch sogar Erkrankungen der Gelenke, der Knochen, des Magens und anderer Organe entwickeln. Aus diesem Grund empfehlen naturheilkundlich orientierte Therapeuten den Patienten eine basenbildende Kost und behandeln die gestörten Stoffwechselprozesse mit Basenmitteln.

Schulmediziner und Befürworter der Alternativmedizin sind allerdings einer Meinung, wie die Puffersysteme im Blut wirken. Damit die meisten Prozesse im Körper geregelt ablaufen können, strebt der Organismus einen möglichst konstanten Blut-pH-Wert an. Er regelt ihn über zwei Mechanismen: per Gasaustausch in der Lunge und Ausscheidung über die Nieren.

Quartett im Blut

Puffer sind Mischungen schwacher Säuren und der zugehörigen Basen. Im Blut sind mehrere Puffersysteme parallel aktiv. Der Bikarbonat-Puffer im Blut hat mit rund 52 Prozent Pufferkapazität die größte Bedeutung, gefolgt vom Hämoglobin-Puffer mit etwa 31 Prozent und dem Proteinat-Puffer mit circa 15 Prozent. Die geringste Pufferkapazität hat der Phosphat-Puffer mit etwa 2 Prozent. Dieses Puffer-Quartett stellt den pH-Wert des Blutes konstant auf etwa 7,4 ein.

Welche Aufgabe übernehmen die einzelnen Systeme? Der Bikarbonat-Puffer beispielsweise kompensiert pH-Schwankungen im Blutkreislauf über die Kohlendioxid-Abgabe in der Lunge. Ist die Atmung eines Menschen gestört, zum Beispiel wenn er hyperventiliert, atmet er nicht mehr ausreichend Kohlendioxid aus. In der Konsequenz steigt der Kohlendioxid-Druck in Lunge und Blut, wo das Gas mit Wasser zu Kohlensäure reagiert. Deren Protonen bewirken, dass der pH-Wert unter 7,35 absinkt. Eine respiratorische Acidose stellt sich ein, die Lippen des Patienten verfärben sich blau und er leidet unter erheblicher Atemnot. Sofort versuchen die Nieren kompensatorisch die überschüssigen Protonen auszuscheiden. Gelingt den Nieren das nicht schnell genug, würde der Patient sterben. Daher muss er sofort notfallmäßig beatmet und mit Arzneimitteln versorgt werden. 

Auch im Gewebe muss der Organismus Protonen abfangen, damit dort keine Übersäuerung entsteht. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten Salze verschiedener anorganischer Kationen mit organischen Anionen. Sie sorgen dafür, dass die pH-Werte innerhalb und außerhalb der Zellen optimal eingestellt bleiben.

Puffer im Gewebe

Wichtige Puffer des Gewebes sind beispielsweise die Salze Magnesiumcitrat und Kaliumcitrat. Wenn diese Salze zerfallen, können ihre Anionen Protonen aufnehmen. Die entstandene Citronensäure baut der Körper zu Wasser und Kohlendioxid ab und beseitigt so den vorhandenen Säureüberschuss. Die übrig gebliebenen Kationen resorbieren die Nieren später aus dem Primärharn zurück, und tauschen sie gleichzeitig gegen Protonen aus. Ein zweiter Weg also, wie sich der Organismus von Protonen befreit. Diese Vorgänge im Gewebe machen deutlich, wie wichtig Salze aus Mineralstoffen und Spurenelementen mit organischen Säureanionen für die Regulation des Säure-Base-Haushaltes sind. Deshalb nehmen Anhänger der Alternativmedizin gerne Mineralstoffpräparate mit den Anionen Bicarbonat, Citrat oder Hydrogenaspartat ein. Zu diesen sogenannten Basenmitteln gehö­ren zum Beispiel die Präparate Basenpulver oder -tabs Pascoe®, Basica® Compact, Magium® K forte und taxofit® Basic plus.

Zuviel tierisches Eiweiß

Über den Einfluss der Ernährung auf den Säure-Base-Haushalt diskutieren seit vielen Jahren Schulmediziner kontrovers mit Anhängern der Alternativmedizin. Von manifesten Acidosen sprechen Schulmediziner erst dann, wenn der arterielle pH-Wert unter 7,35 fällt. Ganzheitlich orientierte Therapeuten richten dagegen ihr Augenmerk auf ein anderes Problem: die verborgenen (latenten) und chronischen Acidosen. In diesen Fällen liegt der pH-Wert des Blutes zwar noch innerhalb des Normbereichs von 7,35 bis 7,45, aber tendiert stets in den sauren Bereich. Sie vermuten außerdem, dass bei Menschen mit latenter Acidose die Pufferkapazität des Blutes vermindert ist. Daher raten sie dazu, den Säureüberschuss durch eine basenbildende Ernährung zu neutralisieren und die Pufferkapazität in Blut und Gewebe durch die Einnahme von Basenmitteln zu verbessern.

Wie kann die Ernährung eine latente Acidose verursachen? Der Rückblick auf die Hauptnahrungsquellen der Menschen zeigt, dass sie sich im Laufe der Zeit immer seltener von pflanzlichen und immer häufiger von tierischen Produkten ernähren. Eine fleischbetonte Kost verursacht aber einen Säureüberschuss im Körper, denn Fleisch liefert sehr viel Eiweiß. Beim Eiweißabbau entstehen starke Säuren wie Schwefelsäure, die den Organismus belasten und die er entsorgen muss. Um Laien die Orientierung zu erleichtern, wurden für alle Nahrungsmittel sogenannte PRAL-Werte vergeben, die deren Effekt auf den Säure-Base-Haushalt beschreiben. Der PRAL-Wert steht für die potentielle Säurebelastung der Niere in mEq/100 g. Demnach haben Käse, Fisch und Fleisch, aber auch Getreideprodukte hohe positive Werte, weil sie starke Säurebildner sind. Viele Obst- und Gemüsesorten werden basenbildend verstoffwechselt und erhielten negative Werte (siehe Tabelle).

PRAL-Werte verschiedener Nahrungsmittel (Beispiele)

Gouda 18,6
Reis, ungeschält 12,5
Salami 11,6
Quark 11,1
Haferflocken 10,7
Leberwurst 10,6
Hühnerfleisch 8,7
Rindfleisch 7,8
Kabeljau 7,1
Weizenmehl 6,9
Eiernudeln 6,4
Cornflakes 6,0
Roggenvollkornmehl 5,9
Reis, geschält 4,6
Weizenmischbrot 3,8
Weizenbrot 1,8
Vollmilch 0,7
Butter 0,6
Zucker -0,1
Äpfel -2,2
Erdbeeren -2,2
Kopfsalat -2,5
Orangen -2,7
Birnen -2,9
Tomaten -3,1
Kartoffeln -4,0
Kiwi -4,1
Zucchini -4,6
Karotten -4,9
Bananen -5,5
Spinat -14,0
Rosinen -21,0

Die heute in den Industrienationen übliche fleischreiche und oft hochkalorische Ernährung fördert chronische Krankheiten wie Übergewicht, Hypertonie, Diabetes und Gicht. Ist der Stoffwechsel erst einmal entgleist und leiden die Menschen an Erkrankungen des metabolischen Syndroms, sind sie noch anfälliger für eine Übersäuerung. Dann sollten sie besonders auf den Ausgleich der gestörten Säure-Base-Bilanz achten.

Skelett, Gelenke und Muskeln leiden

Oft gelingt es dem Organismus nicht, eine latente Übersäuerung selbst zu kompensieren. Besteht die Übersäuerung über längere Zeit, versucht der Körper gegenzusteuern: Er tauscht Protonen gegen Kalium- und Natriumionen aus und greift die Knochensubstanz an. Aus dem Skelett löst er Calciumcarbonat heraus. Während das Carbonat weitere Protonen abpuffert, wird Calcium über die Nieren ausgeschieden. Deshalb vermuten ganzheitlich orientierte Therapeuten, dass die latente Acidose das Voranschreiten einer Osteoporose fördert.

Aber auch das Bindegewebe leidet, weil dort die Säuren gespeichert werden. Die Theorie lautet: Ist das »Säuredepot« des Bindegewebes erst einmal überfüllt, kann es keine Nährstoffe mehr transportieren. Auch speichert es immer weniger Wasser, was zu einem Verlust an Elastizität führt. In der Konsequenz verschleißen Knorpel, Sehnen und Bänder schneller. Möglicherweise ist Weichteilrheumatismus sogar die Folge einer ständigen Acidose. Zuviel Säure im Muskelgewebe lässt zwischen den Zellen starre Strukturen entstehen, die eine normale Durchblutung behindern. Das wiederum erschwert die Entsäuerung.

Basen helfen beim Abnehmen

Jeder kennt das Problem: Bei Diäten nimmt man zuerst rasch ab, dann geht es mit dem Gewichtsverlust deutlich langsamer voran. Auch diesem Phänomen liegt eine latente Acidose zugrunde. Die meisten übergewichtigen Menschen haben von vorne herein einen starken Säureüberschuss im Blut und im Gewebe. Sobald sie eine Reduktionskost beginnen, entstehen durch den Abbau der Fettdepots Ketosäuren. Diese zusätzliche Säurelast verhindert, dass der Übergewichtige weiter an Gewicht verliert, denn die Fettzellen setzen in diesem sauren Umfeld schlechter Fettsäuren frei. Außerdem hemmen die Ketonkörper in den Nieren die Ausscheidung der Harnsäure. Somit steigt also auch noch der Harnsäuregehalt im Blut und trägt seinen Teil zur Übersäuerung bei. Extrem viele Ketonkörper entstehen beim strengen Fasten; deshalb entwickeln sich latente Acidosen besonders leicht während der Zeit einer Null-Diät. Nur die erhöhte Basen-Zufuhr über die Ernährung kann den Gewichtsverlust wieder richtig in Schwung bringen.

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