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Arzneimitteltherapie

Neuer Arzneistoffe im März 2010

23.03.2010  11:13 Uhr

Arzneimitteltherapie

Neuer Arzneistoff im März 2010

von Sven Siebenand

Mit Amifampridin ist Mitte März ein neues Orphan Drug auf den deutschen Markt gekommen. Eingesetzt wird der verschreibungspflichtige Wirkstoff zur symptomatischen Behandlung des Lambert-Eaton-Myasthenischen Syndroms (LEMS) bei Erwachsenen.

LEMS-Patienten leiden an einer Muskelschwäche, die durch eine gestörte Übermittlung elektrischer Impulse von den Nerven an die Muskeln verursacht wird. Damit sich die Muskeln zusammenziehen können, müssen die Nerven mithilfe des Botenstoffs Acetylcholin elektrische Impulse an sie übermitteln. Amifampridin (Firdapse® 10 mg Tabletten, BioMarin Europe) ist ein sogenannter Kaliumkanalblocker. Letztlich  führt das dazu, dass die Nerven mehr Zeit haben, Acetylcholin freizusetzen und damit die Muskelkontraktion zu stimulieren.

Patienten nehmen den Wirkstoff in der Regel drei- bis viermal täglich ein. Als Anfangsdosis empfiehlt der Hersteller in der Fachinformation 15 mg pro Tag. Diese Dosis kann alle vier bis fünf Tage um 5 mg auf eine Tageshöchstdosis von 60 mg gesteigert werden. Eine Einzeldosis darf 20 mg nicht überschreiten. PTA und Apotheker sollten bei der Abgabe des Arzneimittels die Patienten darauf hinweisen, dass sie das Medikament zu den Mahlzeiten einnehmen müssen. Bei Patienten mit Leber- und Nierenfunktionsstörungen darf der Arzt die Therapie mit Amifampridin nur mit einer niedrigeren Dosis beginnen und die Dosis langsamer steigern.

Als Nebenwirkungen von Amifampridin können zum Beispiel Parästhesien auftreten, dass heißt Kribbeln und Taubheitsgefühl im Mundbereich und an den Gliedmaßen. Auch Magen-Darm-Beschwerden wie Oberbauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Magenschmerzen werden in der Fachinformation hervorgehoben. Der Wirkstoff darf nicht bei Patienten mit Epilepsie und bei Patienten mit unkontrolliertem Asthma zum Einsatz kommen. Tabu ist er auch bei Patienten mit bestimmten angeborenen Herzrhythmusstörungen. Außerdem ist folgende Interaktion zu beachten: Das Mittel darf nicht mit Arzneimitteln kombiniert werden, die zu einer Verlängerung des QTc-Intervalls (eine Veränderung der elektrischen Herzaktivität) führen. Auch die Kombination mit Arzneimitteln mit einer geringen therapeutischen Breite ist ausgeschlossen. Bei der Kombination mit Arzneimitteln, die die epileptische Krampfschwelle herabsetzen, ist Vorsicht geboten. Zu diesen gehören zum Beispiel die meisten Antidepressiva, bestimmte Neuroleptika, Mefloquin, Bupropion und Tramadol. Laut Fachinformation sollten Ärzte Schwangeren und Stillenden den Wirkstoff nicht verordnen.

Amifampridin wurde unter »außergewöhnlichen Umständen« zugelassen. Das heißt, dass es aufgrund der Seltenheit der Krankheit bisher nicht möglich war, umfassende Informationen zu erhalten. Neue Erkenntnisse werden jährlich von der europäischen Arzneimittelagentur EMA überprüft und gegebenenfalls aktualisiert. Die Zulassung von Amifampridin dürfte vielen LEMS-Patienten eine deutliche Erleichterung bringen. Bei der Kostenübernahme für den seit Längerem bekannten Wirkstoff gab es in der Vergangenheit Patientenberichten zufolge immer wieder große Schwierigkeiten.

E-Mail-Adresse des Verfassers:
siebenand(at)govi.de