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Was ich noch erzählen wollte ...

Den inneren Schweinehund besiegen

18.02.2011  15:16 Uhr

Von Annette Behr / In einem Fitnessstudio treffen zwei Welten aufeinander. Bewegungsmotivierte, die sich endlich zum intensiven Training durchgerungen haben, und Sport-Junkies, die aus ihrem Körper das Äußerste herausholen wollen. Doch für jeden heißt es nach dem Eintritt gleicher- maßen: Willkommen im Club!

Angefangen hat alles vor drei Monaten. Einmal die Woche ein wenig Aerobic in der benachbarten Schulsporthalle reichten mir und meinem Körper nicht mehr. Fahrrad fahren fand ich im Winter viel zu kalt und Schwimmen auch. Da kam das neue Angebot eines Frauenfitnessstudios ganz recht. Obwohl ich Studios, insbesondere Geräte, eigentlich nicht mag, wollte ich zumindest eine Probestunde absolvieren.

»Kein Mail-Terror, kein Papierstau, keine Meetings. Nur ich. Dein Ziel ist unser Weg«, lautete die Werbung. Das schicke Studio liegt direkt über einer großen Einkaufspassage mit schönen Boutiquen. Diese erste Hürde nahm ich gelassen, denn neue Kleidung brauchte ich nun wirklich nicht. Die alte könnte allerdings etwas lockerer sitzen.

Mit dem Schließen der Eingangstür empfingen mich dröhnender Technobeat und laute, zackige Kommandos. »Angriff Mädels, lauf, lauf, lauf, Attacke und zurück«, schrie die Trainerin ihre Gruppe an. Das erinnerte stark an Szenen auf dem ­Kasernenhof. Bodycombat heißt dieses gnadenlos schweißtreibende Sportangebot. Elemente aus Karate, Boxen und Tai-Chi sollen hier in motivierenden Schrittfolgen zum Trainingserfolg führen. Naja, einmal habe ich diesen Kurs besucht, dann war es schon mit der Motivation vorbei. Anschreien lasse ich mich nicht, schon gar nicht freiwillig!

Die Clubmanagerin zeigte mir den Gerätebereich, den Kursraum, die Sauna und dann die Umkleidezone, alles sehr gepflegt und einladend. Ich erhielt einen Tagespass. Rein in die Sporthose und auf zum ersten Kurs »Yoga« und danach »Stretch und Relax«. Na, das werde ich locker schaffen, dachte ich.

Einige Frauen saßen bereits auf ihren Yogamatten und verschränkten die Beine im Lotussitz. Dazu klang leise indische Musik, und das Licht war gedimmt. Schnell setzte ich mich, als Trainerin Petra die ersten Anweisungen gab: »Schließt die Augen und atmet tief ein und aus.« Einatmen durch die Nase, ausatmen durch den Mund. Leises Schnaufen war zu hören. Ich blinzelte nach rechts und links und schaute mir an, wie die anderen Teilnehmerinnen dabei aussahen.

Körper und Geist

Nach dem »Ankommen« begann auch schon der dynamische Teil. Wir knieten uns hin und stützten uns mit den Händen ab. »Es geht in den herabschauenden Hund«, so Petra. Dabei sollten wir die Fußballen aufsetzen und das Becken hochschieben, bis Arme, Beine und Rücken ganz gestreckt waren. Alles langsam und fließend. Sieht kinderleicht aus, ist es aber nicht. Mein innerer Schweinehund meldete sich kurz, denn ich fühlte mich ungelenk und verkrampft. Es folgten weitere Yogapositionen mit eindrucksvollen Namen wie »Kobra«, »Krieger« oder »Sonnengruß«. Ich schwitzte ganz schön, entspannte mich dann aber doch noch und vergaß alles um mich herum – auch meine Schranknummer. Die war zwar auf meiner Gäste-Plastikkarte gespeichert, doch als ich mich später umziehen wollte, musste ich zur Counter-Assistentin, wie peinlich. Die lächelte freundlich und nannte mir meine Nummer. Zum Glück standen neben mir noch weitere Frauen. Sie hatten ebenfalls vor lauter Entspannung ihre Schranknummer vergessen.

Nach längerem Studium des wöchentlichen Kursangebotes und harten Preisverhandlungen, entschloss ich mich zur Mitgliedschaft in dieser elitären Gemeinschaft. Aber so einfach war es nicht, ich musste mich zwischen »LifestyleClub«, »Ladies Only«, »Platinum« oder »Black Label« entscheiden. Da ich nicht überall auf der Welt und zu jeder Zeit in ein Fitnessstudio gehen möchte, nahm ich den Basistarif inklusive drei Personal-Training-Stunden. Bitte sehr, kann ja nicht schaden. In der ersten Woche absolvierte ich die Geräteeinweisung und den Fitness-Check. Blutdruck und Herzfrequenz waren ideal, mein Body-Mass-Index normal. Osteoporose hatte ich auch nicht. Dafür wünschte ich mir weniger Fett und stattdessen mehr Muskelmasse. Naja, deswegen war ich schließlich da.

Durchhalten als Prinzip

Zunächst probierte ich sämtliche Bodyfit-Kurse aus. »Ein abwechslungsreiches Ganzkörperkrafttraining, das durch das Arbeiten mit Hilfsmitteln sehr fordernd wird«, hieß es in der Beschreibung. Kann man wohl sagen! Einige Trainerinnen trieben uns über ihre Head-Set-Mikrofone motivierend an: » … und nochmal acht davon, dann die letzten acht und später die allerletzten acht!« Nachdem jeder dachte, das Training wäre abgeschlossen, folgten alle Übungen langsam noch einmal, als eigentlich schon nichts mehr ging und die Muskeln brannten. Das Motivations-Prinzip Durchhalten ist schnell durchschaut. Allerdings ist die Erholungsphase danach wunderbar, und der Trainingseffekt schon nach ein paar Stunden zu spüren.

Auch eine »PTA«

Weitere schweißtreibende Kurse mit beeindruckenden Namen wie Dynamic Pilates, Rücken Fit, Energy Cycling, Dance Moove und der unausweichliche Fatburner gehören zum Angebot des Studios. Es ist für jeden Typ und jeden Anspruch etwas dabei. Langweilig wird es nicht. Laufband, Ergometer, Crosstrainer und andere exo­tische Fitnessgerätschaften stehen zur Verfügung.

Viele Frauen sehen fern, während sie trainieren, sie können zwischen 10 Kanälen wählen. Ich schaue oft nach draußen auf den Straßenverkehr oder beobachte die Menschen in einem Fastfood-Restaurant auf der anderen Straßenseite. Manche Frauen lesen sogar während des Trainings. Die meisten lassen sich von Popmusik in ihren Rhythmus bringen. Wem das nicht ausreicht, der greift auf einen eigenen Personal Trainer zurück, rekrutiert aus der Personal Training Academy (PTA). Die »Mastertrainerinnen« weisen auf Defizite im täglichen Bewegungsmuster hin: »Die meisten Menschen tragen Taschen immer auf derselben Seite, oder führen im Berufsalltag ständig identische Bewegungen aus!« Damit soll es aber bald vorbei sein, denn die Trainerinnen entlarven häufig sofort die individuellen Schwachstellen der ehemaligen Sportmuffel. Sie erstellen spezielle Programme, zeigen und trainieren die gewünschten Körperpartien.

Schön trainieren

Ob täglich, zweimal die Woche oder einmal im Monat, ob dick oder dünn, jede Frau erhält einen individuellen Trainingsplan. Wer möchte, erlernt neue Bewegungen oder fragt nach einer Ernährungsumstellung. Sport ist gesund und steigert die Leistungsbereitschaft. Ob allein, im Verein oder im Club. Der körperliche Erfolg stellt sich schnell ein, und das Gefühl, etwas für sich getan zu haben, ist sowieso alternativlos schön. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

blaubehr(at)gmx.net