PTA-Forum online
Brustkrebs

Dreidimensionale Fahndung

18.02.2011  15:28 Uhr

Von Annette Behr, Berlin / Immer häufiger erkranken junge Frauen an Brustkrebs. Ärzte entdecken Karzinome beim Abtasten der Brust, durch Mammografie mittels Röntgenstrahlen oder auf dem Ultraschallbild, der Sonografie. Ultraschall wird zunehmend zur Früherkennung eingesetzt, berichteten Experten auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Ertastet eine Frau eine harte Stelle oder einen Knoten in der Brust, ist der Schreck zunächst groß. Zwar erweisen sich später viele Veränderungen als gutartig, doch immer häufiger diagnostizieren Ärzte einen bösartigen Tumor. Jährlich erkranken in Deutschland rund 57 000 Frauen an Brustkrebs. Mit 28 Prozent stehen Mammakarzinome an erster Stelle der Krebserkrankungen von Frauen.

Gewebedichte entscheidend

Im Laufe des Lebens verändert sich das weibliche Brustdrüsengewebe: Im jugendlichen Alter ist es noch sehr dicht, doch ab den Wechseljahren lockert es sich auf. Bleibt das Brustdrüsengewebe auch über die Altersgrenze von 40 Jahren weiterhin sehr dicht, so ist das Brustkrebsrisiko der betroffenen Frauen erhöht, ergaben Studien in Kanada.

Ab dem 50. bis zum 69. Lebensjahr haben Frauen in Deutschland alle zwei Jahre Anspruch auf eine Vorsorgeuntersuchung der Brust, die sogenannte Mammografie. Jüngere Frauen werden mit diesem Screening nicht erfasst. Bei Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe ist das Röntgenbild der Mammografie-Unter­suchung nicht aussagekräftig genug. Für diese Frauen ist Ultraschall die Methode der Wahl, meinten die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) auf der Presseveranstaltung. Studien hätten eindrucksvoll gezeigt, dass der Arzt durch die Kombination aus Mammografie und Sonografie 7 bis 40 Prozent mehr Tumore entdeckt, so Professor Dr. Alexander Mundinger, Chefarzt der Klinik für Radiologie am Marienhospital Osnabrück. »Je dichter das Brustgewebe, desto vielversprechender ist der Einsatz des Ultraschalls«, ergänzte der Facharzt.

Kleine Veränderungen aufspüren

Viele Frauen scheuen eine Mammografie, zum einen aus Angst vor der Strahlung, zum anderen weil die Brüste in den Geräten oft schmerzhaft zusammengedrückt werden. Ultraschall ist dagegen schmerz- und strahlenfrei. »Ein weiterer großer Vorteil der Sonografie liegt darin, dass die Unterscheidung von gutartigen und bösartigen Tumoren leichter fällt«, informierte Professor Dr. Friedrich Degenhardt, Leiter des Arbeitskreises Mammasonografie der DEGUM, Leiter des Brustzentrums Bielefeld-Herford und Chefarzt der Frauenklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Franziskus-Hospitals Bielefeld. »Hochauflösende Ultraschall­scanner mit einer Frequenz von 12 bis 18 MHz können Veränderungen in der Brust ab einer Größe von fünf Millimetern gut darstellen«, erläuterte Degenhardt.

Letztlich zeigt erst die Untersuchung einer Gewebeprobe, ob eine Geschwulst gut- oder bösartig ist. Früher erfolgte die Gewebeentnahme im Rahmen einer kleinen Operation, heute reicht eine Biopsie unter örtlicher Betäubung aus. Das Verfahren birgt für die Frauen kaum Risiken und ist nahezu schmerzfrei. Dabei entnimmt ein spezialisierter Gynäkologe mit einer Stanznadel unter Ultraschallkontrolle drei bis fünf Proben aus dem Bereich des verdächtigen Gewebes. Das histologische Ergebnis liegt meist schon innerhalb von 24 Stunden vor.

Sonografie in der Nachsorge

Auch beim Nachsorgeprogramm kommt der Ultraschall zum Einsatz, denn nach Operation und Therapie muss die Krebspatientin regelmäßig und systematisch ihre Brüste auf mögliche Rezidive untersuchen lassen. Fachleute raten betroffenen Frauen, in den ersten drei Jahren nach The­rapieende halbjährlich sowohl eine Mammografie als auch eine Sonografie der operierten Brust durchführen zu lassen. Zusätzlich soll die gesunde Brust einmal jährlich per Mammografie untersucht werden. Ist das Gewebe besonders dicht oder haben sich zahlreiche Narben gebildet, empfehlen Experten zusätzlich eine Untersuchung mittels Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT).

Qualifizierte Ärzte finden

Ultraschall ist ein wichtiges Verfahren zur Brustkrebsdiagnose. Viele Frauenärzte verfügen jedoch derzeit nicht über die erforderliche Ausbildung und Erfahrung sowie geeignete Geräte.

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) hat unter anderem für Ärzte ein Weiterbildungsangebot zur Mammasonografie entwickelt. Nach dieser Weiterbildung erhalten die Mediziner entsprechende Zertifikate. Frauen, die einen Arzt mit dieser Qualifikation suchen, finden die Adressen unter www.degum.de.

Noch vor 20 Jahren wurde Frauen mit Brustkrebs grundsätzlich komplett die Brust abgenommen aus Sorge, an der gleichen Stelle könnten neue Tumore entstehen. Heute weiß man, dass diese Gefahr kaum noch besteht, wenn der Operateur den Knoten mit umgebendem Gewebe entfernt und die betroffene Brust nach der Operation einer Strahlenbehandlung unterzogen wird. Bei der brusterhaltenden Operation rekonstruieren die Chirurgen die Brust möglichst vollständig, zum Teil mit Implantaten.

Mit der Meinung, Implantate erschwerten das Aufspüren von Rezidiven oder machten dies gar unmöglich, räumte Professor Dr. Jens-Uwe-Blohmer auf, Chefarzt der Abteilung Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Leiter des Brustzentrums City des Sankt Gertraudenkrankenhauses in Berlin. Der Spezialist wies darauf hin, dass sich mit Ultraschall auch die Lymphknoten im Achselbereich gut untersuchen lassen. Die modernen Geräte ermöglichten sogar eine Biopsie in der Nähe von Implantaten. Auch postoperative Flüssigkeitsansammlungen, sogenannte Serome, ließen sich durch eine sonografisch gestützte Punktion gut beseitigen.

Neueste Entwicklungen

Obwohl die Bedeutung des Ultraschalls für die Brustkrebsdiagnostik unbestritten ist, ist die als Screening-Verfahren nicht zugelassen. Außerdem arbeiten Wissenschaftler und Techniker weiterhin an noch besseren Diagnosemöglichkeiten.

So hat beispielsweise die Firma Siemens ein 3-D-Ul­traschallgerät, den sogenannten automated breast volume scanner (ABVS) entwickelt, der dreidimensionale Aufnahmen und damit Informationen über die gesamte Brust liefert. Die neuartige Automatisierung gewährleistet, dass Bilder in standardisierter, gleichbleibender und hoher Aufnahmequalität entstehen. Das Gerät speichert die Bilder und ermöglicht so eine Verlaufskontrolle. Für die Patientinnen ist der zeitliche Aufwand der Untersuchung mit dem ABVS im Vergleich zu anderen Verfahren gering.

Erfahrungen mit dieser Methode hat das Team um Blohmer bereits seit 2004 gesammelt. Nach ihren Erkenntnissen wurde so die Früherkennung bei Brustkrebs deutlich verbessert, insbesondere bei Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe. Außerdem liefert der neue Scanner Bilder vom gesamten Brustdrüsengewebe, sodass auch Tumore in der Umgebung eines Ersttumors erkannt werden.

Die Prognose der Experten: Ersetzen wird das 3-D-Verfahren das Mammografie-Screening zwar nicht, aber unter bestimmten Umständen sollten Ärzte es zur Früherkennung von Brustkrebs in Kombination mit der Tastuntersuchung und dem konventionellen Ultraschall einsetzen.

Momentan ist die Mammografie als wissenschaftlich evaluierte Methode für Brustkrebs-Screenings unbestritten, denn das Verhältnis zwischen Nutzen, Nachteilen und Kosteneffizienz ist ausgewogen.

Studien werden folgen

Moderne Alternativen wie der Brustultraschall und das MRT müssen in Studien weiter evaluiert werden. In Berlin wird das 3-D-Mammografie-Verfahren zurzeit intensiv erforscht. Dem Ultraschall fehle nur noch das I-Tüpfelchen zum Screening, folgerte Degenhardt. Ultraschall, 3-D-Mammasonografie und Mammografie hätten alle in der Diagnostik eine wichtige Funktion, auf keine dieser Methoden dürfe derzeit verzichtet werden. /

E-Mail-Adresse der Verfasserin

blaubehr(at)gmx.net